Green Room: Aufenthaltsraum für Künstler hinter der Bühne
Der Green Room ist der gemeinsame Aufenthaltsraum der Künstler hinter der Bühne, nicht die private Garderobe. Diese Seite zeigt die Abgrenzung, die Ausstattung und den Fall, den kein Ratgeber behandelt: den Raum, der erst aufgebaut werden muss.
Der Green Room ist der gemeinsame Aufenthaltsraum für Künstler hinter der Bühne: ein abgeschirmter Bereich zum Ankommen, Warten und Durchatmen vor dem Auftritt. Die private Künstlergarderobe ist etwas anderes, dort wird umgezogen und vorbereitet. Bei Veranstaltungen ohne feste Spielstätte gibt es keinen solchen Raum zum Aufschließen. Er wird gebaut, aus Raumcontainer, Production-Trailer oder einem abgetrennten Zeltabschnitt.
Was ist ein Green Room?
Ein Green Room ist der gemeinsame Aufenthaltsraum für Künstler hinter der Bühne. Er liegt im Back of House, ist für das Publikum nicht zugänglich und dient dem Warten vor dem Auftritt, der Verpflegung zwischen Soundcheck und Bühnenzeit und dem kurzen Rückzug danach. Der Zugang wird über Akkreditierung geregelt.
Der Raum hat eine Aufgabe im Ablauf, nicht nur im Komfort. Die Running Order legt Anspielzeiten, Bühnenzeiten und Wechsel fest, und dazwischen brauchen die Beteiligten einen Ort, der weder die Bühnenseite noch ein Fahrweg ist. Der Raum nimmt diese Wartezeit aus dem Betrieb heraus: Wer dort sitzt, steht beim Changeover und beim Soundcheck der nächsten Band nicht im Weg. Die angrenzenden Begriffe stehen im Glossar von A bis Z.
Nicht gemeint sind: der Horrorfilm „Green Room” von 2015, die Empfangsräume im Weißen Haus und der Kölner Club gleichen Namens. In der Veranstaltungsbranche bezeichnet der Begriff ausschließlich den Künstleraufenthalt hinter der Bühne.
Green Room und Künstlergarderobe: der Unterschied
Green Room und Künstlergarderobe sind zwei Räume mit zwei Aufgaben. Der Green Room ist gemeinsam und steht allen akkreditierten Künstlern eines Abends offen. Die Künstlergarderobe gehört einer Person oder einer Band allein, ist abschließbar und enthält Spiegel, Kleiderstange und Schminkplatz.
| Merkmal | Green Room | Künstlergarderobe |
|---|---|---|
| Nutzung | gemeinsam, mehrere Acts | einer Person oder Band zugeordnet |
| Zweck | Warten, Essen, Gespräch vor und nach dem Auftritt | Umziehen, Maske, Einsingen, Vorbereitung |
| Ausstattung | Sitzmöbel, Tische, Getränke, Catering, Bühnenmonitor | Spiegel mit Licht, Kleiderstange, Schminkplatz, Waschbecken |
| Zugang | akkreditierte Künstler, Tourbegleitung, benannte Betreuung | nur der zugeteilte Act und seine Begleitung |
| Anzahl je Produktion | in der Regel einer | so viele wie gleichzeitig auftretende Acts |
| Abschließbar | meist nicht | ja, weil Wertsachen im Raum bleiben |
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Kleine Produktionen legen beides zusammen, und das trägt, solange nur ein Act spielt. Ab dem zweiten Namen im Zeitplan kollidieren die Nutzungen: Jemand zieht sich um, während vier andere auf ihre Bühnenzeit warten. Wer den Bedarf früh trennt, mietet einen zweiten Raum, statt am Veranstaltungstag einen Vorhang zu spannen.
Was gehört in einen Green Room?
In einen Green Room gehören Sitzmöbel, Tische, Getränke und leichte Verpflegung, ausreichend Licht und eine Steckdosenleiste, die nicht schon von der Technik belegt ist. Alles Weitere richtet sich nach der Größe der Produktion und nach dem, was der Rider verlangt.
- Sitzmöbel und Tische. Eine Sitzlandschaft für die Zahl der gleichzeitig anwesenden Künstler, dazu Ablagefläche für Getränke und Teller. Loungemöbel sind hier keine Dekoration. Sie entscheiden, ob der Raum benutzt wird oder ob die Band vor der Tür steht.
- Getränke und Verpflegung. Wasser, Kaffee, Softdrinks und eine kleine Auswahl zu essen. Bei Festivals liegt das Künstler-Catering meist in einem eigenen Zeltabschnitt daneben, nicht im Aufenthaltsraum selbst.
- Spiegel. Ein Ganzkörperspiegel gehört auch dann hinein, wenn es getrennte Garderoben gibt. Der letzte Blick vor dem Gang zur Bühne passiert hier.
- Licht und Temperatur. Dimmbares Licht statt Baustrahler, dazu Heizung oder Kühlung, sobald der Raum ein Container oder ein Zelt ist.
- Sanitär in der Nähe. Eine eigene Toilette im abgeschirmten Bereich. Der Weg über die Publikumsfläche fällt als Lösung aus.
- Bühnenmonitor, Uhr und Intercom. Wer den Bühnenmonitor sieht und den Call des Stage Managers hört, muss nicht abgeholt werden.
- Stauraum. Platz für Instrumentenkoffer und Taschen, damit nichts in den Fahrwegen landet.
- Strom und WLAN. Steht in jedem Rider und fehlt im Aufbau regelmäßig.
Deko, Pflanzen und Spielekonsole kommen danach. Sie sind Geschmacks- und Budgetfrage und ersetzen keinen der Punkte darüber.
Der Green Room, den es noch nicht gibt
Bei Festival, Open Air, Roadshow und Pop-up steht kein fertiger Raum zum Aufschließen bereit. Die Fläche ist eine Wiese, ein Parkplatz oder ein Hof. Der Raum entsteht dort erst mit dem Aufbau, und zwar aus mobiler Infrastruktur: Raumcontainer, Production-Trailer oder ein abgetrennter Abschnitt im Zelt.
- Bedarf aus der Running Order ableiten. Wie viele Acts sind gleichzeitig auf dem Gelände, wie groß ist die größte Gruppe samt Tourbegleitung? Diese Zahl bestimmt Fläche und Möblierung.
- Raumtyp wählen. Raumcontainer bei mehrtägiger Standzeit und abschließbarer Nutzung, Production-Trailer, wenn Sanitär und Arbeitsplätze mitkommen sollen, Zeltabschnitt bei großen Gruppen und kurzer Standzeit.
- Standort im Site-Plan festlegen. Abstand zu Bühne, Publikumsweg und Anlieferung, siehe den Abschnitt Lage, Zugang und Abschirmung.
- Untergrund und Anschlüsse prüfen. Tragfähige Aufstellfläche, Bodenschutz auf empfindlichem Grund, ein eigener Stromkreis, Heizung oder Kühlung, Wasser bei Sanitär.
- Zufahrt klären. Ein Raumcontainer kommt mit Absetzkipper oder Kran. Durchfahrtsbreite, Durchfahrtshöhe und die Stellfläche des Fahrzeugs entscheiden über den Standort mit, das Thema behandelt Zufahrtsmanagement.
- Möblieren und abnehmen. Sitzmöbel, Tische, Licht und Sanitär stehen vor der ersten Anspielzeit, nicht parallel zum Soundcheck. Die Abnahme übernimmt die Produktion oder der On-Site Supervisor.
MOJO Rental vermietet dafür mobile Raumcontainer als Aufenthaltsraum hinter der Bühne, Production-Trailer für Künstler und Crew und Loungemöbel für die Einrichtung des Green Rooms. In der Festivalplanung gehören diese Positionen in dieselbe Bestellung wie Bühne und Bodenschutz, weil sie am selben Tag anliefern.
Lage, Zugang und Abschirmung
Der Green Room liegt im Back of House und braucht einen Weg zur Bühne, der weder Publikumswege noch die Case-Wege des Load-in kreuzt. Über den Standort entscheiden zwei Kriterien: die Länge dieses Weges und die Einsehbarkeit von außen.
- Weg zur Bühne. Kurz, beleuchtet und ohne Kreuzung mit Besucherströmen. Die Wegführung im Back of House ist dieselbe Planungsaufgabe wie vorn, nur mit anderen Nutzern.
- Sichtschutz. Bauzaun mit blickdichter Plane oder Systemwand. Ohne Abschirmung wird der Bereich fotografiert, sobald jemand Bekanntes davorsteht.
- Abstand zu Lärmquellen. Nicht neben Generator, Kühlaggregat oder Bühnenrückseite. Ein Aufenthaltsraum, in dem man sich anschreien muss, bleibt leer.
- Trennung von der Crew-Fläche. Crew-Aufenthalt und Künstleraufenthalt haben verschiedene Zeiten und verschiedene Zugangsstufen.
- Zugang über Akkreditierung. Ausweisstufe und häufig ein Zeitfenster rund um die eigene Bühnenzeit. Die Stufenlogik führt Back of House aus, die Kontrolle an der Grenze zum Publikumsbereich das Einlassmanagement.
- Fluchtwege. Der abgeschirmte Bereich braucht einen eigenen gekennzeichneten Ausgang ins Freie, siehe Fluchtwege.
Beobachtung aus dem Aufbau: Die blickdichte Plane am Bauzaun ist der Teil, der am häufigsten fehlt. Container und Möbel stehen, und die Fläche ist von der Promenade aus einsehbar. Planen nachzuziehen dauert eine halbe Stunde. Die Entscheidung dazu fällt aber meist erst, wenn die ersten Gäste auf dem Gelände sind.
Der Green Room im Hospitality-Rider
Der Green Room ist selten eine freiwillige Geste. Er steht im Hospitality-Rider des Acts, also in dem Teil der Vertragsunterlagen, der Verpflegung, Räume und Betreuung regelt, und wandert von dort in das Leistungsverzeichnis. Damit ist er eine geschuldete Leistung mit Abnahme, keine Kulanz des Veranstalters.
- Im Lastenheft gehören Zahlen hinein: Raumtyp, Fläche in Quadratmetern, Möblierung in Stückzahlen, Stromkreise, Standzeit und die Zeitfenster für Auf- und Abbau. Die Formulierung „Green Room in angemessener Größe” lässt sich weder kalkulieren noch prüfen und produziert genau die Diskussion, die sie vermeiden soll.
- In der Eventausschreibung entscheidet dieselbe Beschreibung darüber, ob die Angebote vergleichbar sind.
- Bei der Veranstaltungsbegehung wird geprüft, ob der versprochene Raum in der Location existiert, wie groß er ist und wie weit es von dort zur Bühne ist.
Ein Punkt bleibt offen und gehört dem Veranstalter: Sitzt in dem Raum auch die Crew, greift zusätzlich das Arbeitsrecht. Die Arbeitsstättenverordnung verlangt in Anhang 4.2 bei mehr als zehn Beschäftigten einen Pausenraum oder Pausenbereich, leicht erreichbar, an ungefährdeter Stelle und ausgestattet mit Tischen und Sitzgelegenheiten mit Rückenlehne. Für Künstler als Auftragnehmer gilt diese Vorschrift nicht automatisch. Vom gästeseitigen Programm ist der Künstleraufenthalt ohnehin getrennt, das behandelt Hospitality bei Veranstaltungen.
Woher der Name kommt
Warum der Raum „Green Room” heißt, ist nicht belegt. Vier Erklärungen kursieren, keine davon mit Quelle: ein grün gestrichener Raum am Londoner Blackfriars Theatre um 1599, der grüne Baize-Stoff auf den Bühnen des 17. Jahrhunderts, „greengage” als Cockney-Reim auf „stage” und „scene room” als lautlicher Vorläufer.
Die Blackfriars-Version wird am häufigsten zitiert. Belegt ist sie dadurch nicht besser als die anderen drei. Für die Planung ist der Ursprung gleichgültig, für die Verständigung nicht: In deutschen Produktionen benutzen alle Beteiligten den englischen Begriff, im Leistungsverzeichnis steht daneben meist „Künstleraufenthalt”.
Häufige Fragen
Ein Green Room ist der gemeinsame Aufenthaltsraum für Künstler hinter der Bühne. Er liegt im nicht öffentlichen Teil der Veranstaltung, ist über Akkreditierung zugänglich und dient dem Warten vor dem Auftritt, der Verpflegung und dem Rückzug danach. Zur Grundausstattung gehören Sitzmöbel, Tische, Getränke und ein Bühnenmonitor.
| Merkmal | Green Room | Künstlergarderobe |
|---|---|---|
| Nutzung | gemeinsam für mehrere Acts | einer Person oder Band zugeordnet |
| Zweck | Warten, Verpflegung, Gespräch | Umziehen, Maske, Vorbereitung |
| Zugang | alle akkreditierten Künstler | nur der zugeteilte Act |
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- Sitzmöbel und Tische für alle gleichzeitig anwesenden Künstler
- Getränke und leichte Verpflegung
- ein Ganzkörperspiegel
- dimmbares Licht, Heizung oder Kühlung
- Sanitär im abgeschirmten Bereich
- Bühnenmonitor, Uhr und Intercom
- Stauraum für Instrumente und Taschen
- Strom und WLAN
Eine verbindliche Kennzahl gibt es nicht. Maßgeblich ist die größte Gruppe, die gleichzeitig im Raum ist: Band, Tourbegleitung und Betreuung. Die im Netz kursierende Angabe von rund 4,6 Quadratmetern je Person stammt aus einer einzelnen Quelle ohne Beleg und ersetzt keine Planung.
Der Ursprung ist nicht belegt. Am häufigsten genannt wird ein grün gestrichener Raum am Londoner Blackfriars Theatre um 1599. Daneben kursieren drei weitere Zuschreibungen: grüner Baize-Stoff auf den Bühnen des 17. Jahrhunderts, „greengage” als Cockney-Reim auf „stage” und „scene room” als lautlicher Vorläufer. Alle vier sind Erzählungen ohne Quelle.
Verwandte Begriffe
Fachliche Grundlagen
- Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), Anhang 4.2: Pausenraum oder Pausenbereich bei mehr als zehn Beschäftigten, leicht erreichbar, an ungefährdeter Stelle, mit Tischen und Sitzgelegenheiten mit Rückenlehne.
- Hospitality-Rider des Acts als Vertragsbestandteil, aus dem der Green Room in das Leistungsverzeichnis übernommen wird.