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Glossar
 

Was bedeutet Back of House (BOH)?

Der nicht-öffentliche Bereich einer Veranstaltung: Backstage und Garderoben, Produktionsbüro, Crew-Flächen, Equipment-Lager und Anlieferung. Alles, was das Publikum nie zu sehen bekommt.

14 Min. Lesezeit
Zuletzt aktualisiert: August 2026
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Kurzfassung

Back of House (BOH) bezeichnet in der Veranstaltungstechnik alle Bereiche einer Produktion, die für das Publikum nicht zugänglich sind: Backstage und Künstlergarderoben, Produktionsbüro, Crew-Catering und Crew-Aufenthalt, Equipment-Lager sowie Anlieferung und Fahrwege. Der Zugang ist nicht offen, sondern über Akkreditierung geregelt. Das Gegenstück ist der Front of House (FOH), der Technikbereich im Publikumsbereich. In Gastronomie und Hotellerie bezeichnet derselbe Begriff die Küche und die Verwaltung. Auf dieser Seite ist ausschließlich die veranstaltungstechnische Bedeutung gemeint.

01 — Definition

Was ist Back of House?

Back of House, abgekürzt BOH, bezeichnet bei Konzerten, Festivals, Theaterproduktionen, Messen und Corporate Events die Summe aller Bereiche, die für das Publikum weder sichtbar noch betretbar sind. Dort arbeiten Crew, Techniker und Produktionspersonal, dort halten sich Künstler vor und nach dem Auftritt auf, dort lagern Material, Cases und Verbrauchsgüter, und dort kommen die Trucks an.

Der Begriff beschreibt keinen einzelnen Raum. Er beschreibt eine Zone mit eigener Zugangslogik. Ein Bereich gehört zum BOH, wenn drei Bedingungen zusammentreffen:

  • Er liegt außerhalb des Publikumsbereichs.
  • Er ist nur mit einer entsprechenden Berechtigung betretbar.
  • Er dient dem Betrieb der Veranstaltung, nicht ihrer Wahrnehmung durch die Gäste.

Diese dritte Bedingung ist die entscheidende. Ein Lagerraum, ein Produktionsbüro und eine Ladezone haben räumlich nichts miteinander zu tun. Funktional gehören sie zusammen, weil sie den Ablauf tragen, ohne selbst Teil der Show zu sein.

Was heißt Backstage, und wie hängt es mit BOH zusammen?

Backstage bezeichnet wörtlich den Raum hinter der Bühne und stammt aus dem Theater. Back of House ist der weiter gefasste Begriff. Er umfasst den Backstage-Bereich, geht aber darüber hinaus und schließt Produktionsbüro, Crew-Flächen, Lager und die gesamte Anlieferung mit ein.

Daraus folgt eine Beziehung, die in der Praxis oft durcheinandergeht: Ein Backstage-Bereich ist immer Teil des BOH. Umgekehrt gilt das nicht. Ein Produktionsbüro im Verwaltungstrakt einer Halle, ein Crew-Parkplatz oder eine Ladezone zweihundert Meter vom Bühnenhaus entfernt gehören zum BOH, liegen aber nicht backstage.

Wer im Alltag fragt, was Backstage bedeutet, meint meist den Künstlerbereich. Wer BOH sagt, spricht über die gesamte rückwärtige Organisation einer Veranstaltung.

02 — Abgrenzung

Abgrenzung des Begriffs

BOH und FOH

Der Front of House ist der Technik- und Steuerungsbereich im Publikumsbereich, mit direkter Sichtachse zur Bühne. Er ist ein Arbeitsplatz mitten unter Gästen. Das BOH ist die Gegenposition: Arbeitsbereich ohne Publikum und ohne direkten Blick auf die Bühne.

Beide Bereiche sind zugangsbeschränkt, aber aus unterschiedlichem Grund. Der FOH braucht Schutz, weil er inmitten des Publikums liegt. Das BOH braucht Schutz, weil es das Publikum vollständig ausschließen muss. Die ausführliche Gegenüberstellung beider Bereiche samt Vergleichstabelle steht im Glossareintrag zu Front of House (FOH).

Nicht gemeint: die Bedeutung in Gastronomie und Hotellerie

In Restaurants und Hotels ist derselbe Begriff seit Langem etabliert, bezeichnet dort aber etwas anderes: BOH steht für Küche, Lager und Verwaltung, FOH für Gastraum und Service.

Die zugrunde liegende Logik ist in beiden Branchen dieselbe, nämlich eine Trennlinie zwischen Gästekontakt und Betrieb. Die Bereiche dahinter sind es nicht. Wer im Eventkontext von BOH spricht, meint Backstage und Produktion, nicht die Küche. Das erklärt auch, warum eine Suche nach dem Begriff überwiegend Gastronomie-Inhalte liefert: Die Event-Lesart ist im deutschsprachigen Raum fachlich verbreitet, aber schlecht dokumentiert.

03 — Teilbereiche

Die drei BOH-Bereiche: Künstler, Crew, Logistik

„Hinter der Bühne” wird meist als ein Raum behandelt. In der Planung zerfällt das BOH in drei Teilbereiche mit unterschiedlichen Anforderungen, unterschiedlichen Zugangsberechtigungen und unterschiedlichen Konfliktpunkten. Wer sie zusammenwirft, produziert genau die Reibung, die im Show-Betrieb später Zeit kostet.

Teilbereich Typische Flächen Zugang Wichtigster Planungstreiber
Künstler-BOH Garderoben, Aufenthalt, Hospitality, Künstler-Catering, Warteposition an der Bühne Artist, Tourbegleitung, benannte Betreuung Abschirmung und kurze Wege zur Bühne
Crew-BOH Produktionsbüro, Crew-Catering, Crew-Aufenthalt, Sanitär, Schichtwechselfläche Crew mit Produktions-Akkreditierung Strom, Netz, Arbeitsfläche, Erreichbarkeit
Technik- und Logistik-BOH Equipment-Lager, Case-Wege, Stagepocket, Ladezone, Rangierfläche Technik, Fahrer mit Zeitfenster, Site-Team befahrbare Flächen und Wegebreiten

Tabelle seitlich scrollbar.

Künstler-BOH

Der Künstlerbereich hat die härteste Abschirmungsanforderung der drei. Er muss gegen Einblick und gegen unbefugten Zutritt gesichert sein, und er sollte auf möglichst kurzem Weg zur Bühne führen, ohne andere Zonen zu queren. Jede Kreuzung mit dem Crew- oder Logistikverkehr ist ein Störpunkt: für den Ablauf, für die Ruhe vor dem Auftritt und für den Personenschutz.

Crew-BOH

Der Crew-Bereich ist ein Arbeitsplatz und wird häufig als Nebensache behandelt. Er entscheidet aber darüber, ob eine Produktion über mehrere Tage stabil läuft. Ein Produktionsbüro braucht Strom, eine belastbare Netzverbindung, Ablage- und Besprechungsfläche und eine Lage, die für alle Bereichsleitungen erreichbar ist. Crew-Catering und Aufenthaltsflächen brauchen Kapazität für den Schichtwechsel, nicht nur für die Kopfzahl.

Auf Flächen ohne feste Gebäudeinfrastruktur wird dieser Teil des BOH als temporäre Raumstruktur gestellt. MOJO vermietet dafür mobile Raumsysteme wie Backstage- und Bürocontainer, Lagercontainer und Sanitärlösungen. Wo eine Fläche schnell wieder freigeräumt werden muss oder mehrere Standorte in Folge bespielt werden, sind Production-Trailer mit Pantry, Sanitär und Ruhebereich die beweglichere Variante.

Crew-Arbeitsplatz im Back of House: Produktionsbüro mit Bühnen-Multiview, Laptop und Technikracks abseits des Publikums
Produktionsbüro im BOH mit Bühnen-Multiview und Technikracks. Der Arbeitsplatz liegt abseits des Publikums, bleibt aber an die Show angebunden.

Technik- und Logistik-BOH

Der technische Teil des BOH ist der flächenhungrigste und der am häufigsten unterschätzte. Er umfasst das Equipment-Lager, die Wege, auf denen Cases zwischen Truck, Lager und Bühne bewegt werden, den Stagepocket als seitliche Pufferfläche an der Bühne sowie Ladezone und Rangierfläche. Anders als Garderoben und Büro lässt sich dieser Bereich nicht verkleinern, ohne den Ablauf zu verlangsamen: Ein zu schmaler Case-Weg verlängert jeden Umbau, und zwar bei jedem Durchgang neu.

04 — Zonen und Akkreditierung

Zonen und Akkreditierung: wie der Zugang zum BOH geregelt wird

Das BOH ist keine einzelne Grenze zwischen „drinnen” und „draußen”. In der Praxis arbeitet eine Produktion mit einem gestuften Zonenmodell, und die Akkreditierung ordnet jede Person genau diesen Zonen zu. Ein Ausweis ist keine Rangauszeichnung, sondern eine Wegeberechtigung.

Ein übliches Modell staffelt in etwa so:

  1. Publikumsbereich. Frei zugänglich mit Ticket, keine Akkreditierung.
  2. Arbeits- und Produktionszone. Zugang für Crew und Dienstleister. Umfasst auch den FOH-Korb im Publikumsbereich.
  3. Backstage- und Künstlerzone. Zugang für Artist, Tourbegleitung und benannte Betreuung.
  4. Bühne und Bühnenzugang. Engste Stufe, meist zusätzlich zeitlich begrenzt auf den eigenen Programmpunkt.
  5. Hospitality und VIP. Gästebereich mit eigenem Zugangsweg, organisatorisch oft BOH-nah, funktional aber Publikumsseite.
  6. Presse und Media. Zeitlich und räumlich enge Freigabe, häufig nur mit Begleitung.
  7. Betriebs- und Sicherheitszentrale. Kleinste Gruppe, meist Leitungsfunktionen und Behördenvertreter.

Für diese Zonenbezeichnungen gibt es keine verbindliche Norm. Namen, Farbcodes und Anzahl der Stufen legt die Produktion selbst fest, und sie unterscheiden sich zwischen Veranstaltern deutlich. Verbindlich ist nur, dass die Zuordnung im Sicherheitskonzept dokumentiert und im Betrieb durchsetzbar ist.

Genau an der Durchsetzbarkeit scheitert es am häufigsten. Eine Zonengrenze, die nur auf dem Plan existiert, wird nicht eingehalten. Sie braucht eine physische Linie, an der eine Kontrolle überhaupt möglich ist, und einen Punkt, an dem diese Kontrolle stattfindet. Auf temporären Flächen wird diese Linie mit Mobilzaun-Absperrsystemen gezogen, bei Bedarf mit Sichtschutzblenden gegen Einblick sowie mit Schiebetoren für kontrollierte Durchfahrten und Notausgangs-Toren für die Fluchtwegeführung.

Die Akkreditierung regelt, wer wohin darf. Die Zonenabtrennung stellt sicher, dass diese Regelung im laufenden Betrieb auch haltbar ist. Ohne die zweite Hälfte ist die erste eine Absichtserklärung.

05 — Anlieferung und Logistik

Anlieferung, Fahrwege und Bodenschutz

Der Teil des BOH, über den am wenigsten geschrieben wird, verursacht die meisten Verzögerungen. Eine Produktion beginnt nicht mit dem ersten Ton, sondern damit, dass Sattelzüge auf eine Fläche fahren, entladen werden und wieder herauskommen. Sattelzüge mit bis zu 40 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht sind im Tourbetrieb Standard.

Vier Fragen entscheiden über die Logistikplanung im BOH:

Wie kommen die Fahrzeuge herein und wieder heraus?

Einbahnführung ist einer Zweirichtungsstraße fast immer vorzuziehen, weil Rangieren auf enger Fläche Zeit und Sicht kostet.

In welcher Reihenfolge?

Zeitfenster pro Fahrzeug, abgestimmt auf die Aufbaureihenfolge. Ein Truck, der zu früh kommt, blockiert dieselbe Fläche wie einer, der zu spät kommt.

Wo wird abgestellt?

Ladezone, Rangierfläche und Abstellfläche für leere Trailer sind drei verschiedene Flächen, nicht eine.

Was hält der Untergrund?

Achslasten und Bodenpressung sind vorab mit dem Flächeneigentümer zu klären. Rasen, Pflaster, Sportbelag und befahrbare Tiefgaragendecken haben grundverschiedene Grenzen.

Für die letzte Frage ist Bodenschutz die technische Antwort. Befahrbare Platten aus Schwerlastsystemen verteilen die Last flächig statt punktuell, sichern Zufahrten und Ladezonen gegen Einsinken und halten Fahrwege auch bei Nässe nutzbar. Rampen und Übergangselemente schließen dabei die Höhensprünge, an denen sonst Hubwagen und Cases hängenbleiben. Der Begriff Ground Protection wird für dieses Themenfeld synonym verwendet.

Logistikzone im Back of House: Lagergang mit Cases, Stromverteiler und beschildertem Lagerraum im nicht-öffentlichen Bereich
Logistikzone im BOH. Beschilderte Lagerräume und definierte Stellflächen halten den Gang als Fahrweg frei.
06 — Rollen

Rollen im BOH: wer verantwortet was

Das BOH wird in vielen Darstellungen als anonymer Bereich beschrieben. Tatsächlich ist es der Ort mit den klarsten Zuständigkeiten der ganzen Veranstaltung. Fünf Funktionen tragen die Verantwortung:

  • Produktionsleiter. Gesamtverantwortung für Ablauf, Zeitplan, Budget und Schnittstellen. Der Produktionsleiter entscheidet, wenn zwei Bereiche dieselbe Fläche oder dasselbe Zeitfenster beanspruchen.
  • Stage Manager. Verantwortung für den Bühnenbereich und den unmittelbaren Bühnenzugang: Reihenfolge der Auftritte, Umbauten, Freigabe der Bühne, Kommunikation zum Künstlerbereich.
  • Site oder Area Manager. Verantwortung für die Fläche selbst, also Wege, Zufahrten, Stellflächen und den Aufbau der Zonengrenzen. Auf Festivals eine eigene Funktion, in Hallen häufig beim Hausbetrieb angesiedelt.
  • Head of Security. Verantwortung für Zutrittskontrolle, Akkreditierungsprüfung und Personenschutz. Weisungsbefugt an allen Zonengrenzen.
  • Verantwortlicher für Veranstaltungstechnik. Rechtlich definierte Funktion, keine Organisationsbezeichnung.

Der letzte Punkt ist der einzige mit unmittelbarer Rechtsgrundlage. Die Muster-Versammlungsstättenverordnung (MVStättVO) ist selbst kein geltendes Recht, wird aber von den Bundesländern in eigene Versammlungsstättenverordnungen übernommen. Sie regelt in den §§ 39 und 40 die Funktion des Verantwortlichen für Veranstaltungstechnik und verlangt unter anderem, dass Auf- und Abbau großer bühnen- oder studiotechnischer Einrichtungen sowie von Szenenflächen über 200 Quadratmeter von einer solchen Person geleitet und beaufsichtigt werden. Der Veranstaltungsleiter nach § 38 ist davon zu unterscheiden: Er ist die betriebliche Leitungsfunktion, nicht die technische.

Praktisch bedeutet das: Die Kommunikation zwischen BOH und FOH läuft nicht diffus über „das Team”, sondern über benannte Personen mit definierten Entscheidungsbefugnissen. Wer im BOH keine Zuordnung festlegt, verlagert jede Entscheidung in die Show hinein.

07 — Sicherheit und Zutritt

Sicherheit im BOH: Zutritt, Wege, Brandschutz

Sicherheit bedeutet im FOH und im BOH nicht dasselbe. Im FOH geht es um Crowd-Management, also um Publikumsdruck und Wegeführung von Gästen. Im BOH geht es um Zutrittskontrolle und Wegefreiheit, also um Crew, Material und Fluchtwege.

Unbefugter Zutritt

Der praktisch relevanteste Risikofall im BOH ist die Person, die dort nichts zu suchen hat. Daran hängen drei verschiedene Schäden: Entwendung oder Beschädigung von Equipment, Gefährdung von Künstlern, und Störung eines Ablaufs, der keine Pufferzeit hat. Wirksam ist die Kombination aus einer geschlossenen Perimeterlinie, Sichtschutz an den Stellen, an denen Einblick zum Anreiz wird, und einem dauerhaft besetzten Kontrollpunkt an jedem Durchgang. Ein unbesetztes Tor ist kein Zugang, sondern eine Lücke mit Rahmen.

Wegefreiheit und Fluchtwege

Hier liegt der häufigste Konflikt des BOH-Betriebs: Cases stehen dort, wo Platz ist, und Platz ist im Gang. Die Wegebreiten sind aber vorgegeben. Die MVStättVO verlangt in § 7 für jeden Teil eines Rettungswegs eine lichte Breite von mindestens 1,20 Meter. Für Rettungswege im Bühnenhaus genügt eine lichte Breite von 0,90 Meter, für Rettungswege von Arbeitsgalerien 0,80 Meter.

Diese Maße sind Mindestmaße, keine Zielwerte, und sie gelten durchgehend, nicht im Mittel.

Die Konsequenz für die Planung ist unspektakulär und wird trotzdem oft übersehen: Stellflächen für Cases gehören eingezeichnet und gekennzeichnet, bevor der erste Truck kommt. Ein Lagerbereich mit definierter Stellfläche und ein freier Gang sind zusammen weniger Fläche als ein zugestellter Gang plus die Zeit, die das Umsetzen kostet.

Equipment-Lager im Backstage-Bereich: gestapelte MOJO-Flightcases und Traversen entlang eines Case-Wegs im Back of House
Equipment-Lager im BOH. Gestapelte Cases stehen entlang des Case-Wegs, ohne die nutzbare Wegebreite zu verengen.

Brandschutz und bauliche Trennung

In Versammlungsstätten mit Bühnenhaus ist die Grenze zwischen BOH und Publikumsbereich baulich vorgegeben: Die Trennwand zwischen Bühnenhaus und Zuschauerhaus ist feuerbeständig und in der Bauart einer Brandwand herzustellen. Weil die Bühnenöffnung aus betrieblichen Gründen offen bleiben muss, übernimmt an dieser Stelle ein Schutzvorhang die Abschottung im Brandfall. Bei Veranstaltungen auf Großbühnen sowie auf Szenenflächen über 200 Quadratmeter muss zusätzlich eine Brandsicherheitswache der Feuerwehr anwesend sein.

Als praxisnahe Zusammenführung der einschlägigen Regelwerke dient die DGUV Information 215-310 „Sicherheit bei Veranstaltungen und Produktionen”, ein Leitfaden für Theater, Film, Konzerte, Shows, Events, Messen und Ausstellungen. Sie ist keine Rechtsvorschrift, verknüpft aber die geltenden Anforderungen für die Produktionspraxis und wurde 2025 überarbeitet.

08 — BOH planen

BOH planen: eine belastbare Reihenfolge

Es gibt für den BOH-Aufbau keine Norm und keine allgemeingültige Flächenformel. Was es gibt, ist eine Reihenfolge, die Nacharbeit vermeidet, weil jeder Schritt die Randbedingung für den nächsten setzt:

  1. Bühne und Publikumsbereich festlegen. Beides ist gesetzt, bevor über das BOH gesprochen wird. Alles Weitere ordnet sich daran an.
  2. Zufahrt von außen nach innen denken. Zuerst die öffentliche Straße, dann das Tor, dann der Fahrweg, dann die Ladezone. Nicht umgekehrt.
  3. Lager an den Case-Weg legen. Die kürzeste Verbindung zwischen Ladezone, Lager und Bühne ist die Fläche, an der später jede Minute gespart wird.
  4. Künstlerbereich abschirmen und anbinden. Kurzer Weg zur Bühne, keine Kreuzung mit dem Logistikverkehr, kein Einblick von außen.
  5. Crew-Flächen für den Schichtwechsel dimensionieren. Nicht für die reine Kopfzahl, sondern für die Spitze beim Übergang zweier Schichten.
  6. Zonengrenzen physisch ziehen und Kontrollpunkte besetzen. Erst hier wird das Zonenmodell aus Abschnitt 04 real.
  7. Rettungswege gegenprüfen und dauerhaft freihalten. Der Plan gilt nicht bei Aufbauende, sondern über die gesamte Veranstaltung.

Zum Flächenbedarf pro Crew-Kopf lässt sich seriös kein pauschaler Wert angeben. Er hängt von Crewgröße, Schichtmodell, Produktionsart und Aufenthaltsdauer ab und wird pro Projekt gerechnet, nicht aus einer Tabelle abgelesen.

FAQ

Häufige Fragen zu Back of House

Back of House (BOH) bezeichnet alle Bereiche einer Veranstaltung, die für das Publikum nicht zugänglich sind. Dazu gehören Backstage und Künstlergarderoben, das Produktionsbüro, Crew-Catering und Crew-Aufenthalt, Equipment-Lager sowie Anlieferung und Fahrwege. Der Zugang wird über Akkreditierung geregelt.

Backstage bezeichnet den Bereich hinter der Bühne und kommt aus dem Theater. Back of House ist weiter gefasst und schließt zusätzlich Produktionsbüro, Crew-Flächen, Lager und Anlieferung ein. Ein Backstage-Bereich ist damit immer Teil des BOH, aber nicht jeder BOH-Bereich liegt hinter der Bühne.

Nur Personen mit entsprechender Akkreditierung. Übliche Gruppen sind Crew und Dienstleister, Künstler mit Tourbegleitung, Produktionsleitung, Security sowie Presse mit zeitlich begrenzter Freigabe. Die Zonenstufen legt die Produktion selbst fest; eine verbindliche Norm für ihre Bezeichnung gibt es nicht.

Der Front of House ist der Technik- und Steuerungsbereich im Publikumsbereich mit Sichtachse zur Bühne. Das Back of House ist der nicht-öffentliche Bereich für Künstler, Crew und Logistik ohne direkten Blick auf die Bühne. Eine ausführliche Gegenüberstellung steht im Glossareintrag zu Front of House (FOH).

Der Produktionsleiter trägt die Gesamtverantwortung für Ablauf, Zeitplan und Schnittstellen und entscheidet bei konkurrierenden Ansprüchen auf Flächen oder Zeitfenster. Von dieser betrieblichen Funktion zu unterscheiden ist der Verantwortliche für Veranstaltungstechnik, dessen Aufgaben in den §§ 39 und 40 der Muster-Versammlungsstättenverordnung geregelt sind.

Jede Veranstaltung mit Bühne und Crew hat einen BOH-Bereich, auch wenn er nicht so genannt wird. Bei einer kleinen Konferenz kann er aus einem abgetrennten Nebenraum bestehen. Bei Festivals und Tourproduktionen ist er ein durchgeplanter Flächenverbund mit eigener Zufahrt, eigener Infrastruktur und eigener Zutrittskontrolle.

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Crowd Protection MOJO Barriers PA-System Infield Stagepocket Crowd Management Mobile Infrastruktur
Quellen

Fachliche Grundlagen

  • Muster-Versammlungsstättenverordnung (MVStättVO), Fassung Juli 2014, Fachkommission Bauaufsicht: § 7 (Bemessung der Rettungswege), §§ 38 bis 40 (Pflichten der Betreiber und Veranstalter, Verantwortliche für Veranstaltungstechnik), Regelungen zu Trennwand und Schutzvorhang sowie zur Brandsicherheitswache. Die MVStättVO ist ein Mustertext; verbindlich ist jeweils die Versammlungsstättenverordnung des Bundeslandes.
  • DGUV Information 215-310 „Sicherheit bei Veranstaltungen und Produktionen”, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, Sachgebiet Bühnen und Studios, überarbeitete Fassung 2025.
  • Praxiseinordnung: MOJO Rental GmbH als Vermieter von Absperr- und Zonensystemen, Bodenschutz und mobilen Raumsystemen für Veranstaltungen.
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