Fluchtwege
Ein Fluchtweg ist kein gewöhnlicher Verkehrsweg, sondern ein rechtlich geregelter Weg aus dem Gefährdungsbereich ins Freie. Welche Vorgaben gelten, entscheidet der Rechtskreis.
Fluchtwege sind Verkehrswege mit besonderen Anforderungen, die aus einem Gefährdungsbereich ins Freie oder in einen gesicherten Bereich führen. Ein Fluchtweg dient der Selbstrettung. Welche Länge und welche lichte Breite zulässig sind, hängt vom Rechtskreis ab: Arbeitsstättenrecht, Bauordnungsrecht des Landes oder Versammlungsstättenverordnung des Landes. Zahlen aus einem Rechtskreis gelten im anderen nicht.
Was sind Fluchtwege?
Fluchtwege sind Verkehrswege mit besonderen Anforderungen. Sie führen aus einem Gefährdungsbereich ins Freie oder in einen gesicherten Bereich, in dem von Feuer oder Rauch keine Gefahr mehr ausgeht. Ein Fluchtweg dient der Selbstrettung: Personen verlassen den Bereich ohne fremde Hilfe. Anzahl, Länge und lichte Breite regeln je nach Nutzung unterschiedliche Vorschriften.
Ein Verkehrsweg wird zum Fluchtweg, weil im Gefahrenfall andere Bedingungen gelten als im Normalbetrieb. Die Beleuchtung kann ausfallen, der Weg kann verraucht sein, und alle Personen im Einzugsgebiet nutzen ihn gleichzeitig. Deshalb regeln die Vorschriften mehr als die Breite: Länge, Höhe, Kennzeichnung und Verlauf gehören dazu.
Dazu gehören mehrere Begriffe, die im Sprachgebrauch oft vermischt werden:
- Erster Fluchtweg ist der Weg, der von jeder Stelle aus als erster erreichbar sein muss.
- Zweiter Fluchtweg ergänzt ihn dort, wo ein Weg allein nicht ausreicht.
- Notausgang ist der Ausgang, über den ein Fluchtweg ins Freie oder in den gesicherten Bereich mündet.
- Notausstieg ersetzt einen Notausgang nur in engen Grenzen und verlangt eine eigene Betrachtung.
- Gesicherter Bereich ist der Zielpunkt, an dem die Gefährdung endet, etwa ein anderer Brandabschnitt.
Festlegung, Nachweis und Freigabe der Fluchtwege liegen bei Fachplanung, Brandschutz und Genehmigungsbehörde. MOJO ist Vermieter und liefert Material für die Umsetzung, nicht die Bemessung.
Die Rollen sind getrennt. Der Fachplaner bemisst Länge, Breite und Anzahl anhand des geltenden Rechtskreises. Brandschutzdienststelle oder Prüfsachverständiger prüfen das Ergebnis. Die Genehmigungsbehörde gibt es frei, oft mit Auflagen. Danach liegt die Pflicht beim Betreiber und beim Veranstalter: Sie halten die freigegebenen Wege im Betrieb frei. Ein Aufbauteam ändert daran nichts, auch nicht mit guter Absicht.
Fluchtweg, Rettungsweg und die Nachbarbegriffe
Der Unterschied liegt in der Rettungsart. Fluchtweg bezeichnet die Selbstrettung. Rettungsweg im bauordnungsrechtlichen Sinn umfasst zusätzlich die Fremdrettung durch Einsatzkräfte, also auch die Flächen, über die die Feuerwehr an das Gebäude oder an die Fläche herankommt.
| Begriff | Rettungsart | Verwendung |
|---|---|---|
| Fluchtweg | Selbstrettung, Personen verlassen den Bereich ohne fremde Hilfe | Arbeitsschutzrecht, ASR A2.3 |
| Rettungsweg | Selbstrettung und Fremdrettung durch Einsatzkräfte | Bauordnungsrecht und Versammlungsstättenrecht der Länder |
Tabelle horizontal scrollbar
Deshalb steht in einer Landesverordnung „Rettungsweg“, wo der Arbeitsschutz „Fluchtweg“ schreibt. Gemeint ist teils derselbe Weg, bemessen wird er unterschiedlich. Im Sprachgebrauch stehen beide oft zusammen als „Flucht- und Rettungswege“. Der Doppelbegriff ist keine eigene Kategorie, sondern die Zusammenfassung zweier Rechtskreise.
Von den betrieblichen Nachbarbegriffen ist der Fluchtweg klar getrennt:
- Besucherlenkung ist die Wegeführung im Normalbetrieb.
- Crowd Management ist die organisatorische Steuerung der Ströme.
- Das Sicherheitskonzept ist das Genehmigungsdokument, das die Fluchtwege ausweist.
Welcher Rechtskreis gibt welche Maße vor?
Fluchtwege werden in Deutschland aus drei Richtungen geregelt: Arbeitsschutzrecht für Beschäftigte in Arbeitsstätten, Bauordnungsrecht des Landes für das Gebäude und Versammlungsstättenrecht des Landes für Versammlungsstätten. Welcher Rechtskreis greift, entscheidet die Nutzung. Zahlen lassen sich zwischen den Kreisen nicht übertragen.
| Vorgabe | Rechtsquelle | Geltungsbereich |
|---|---|---|
| Fluchtweglänge höchstens 35 m bei normaler Brandgefährdung | ASR A2.3, Punkt 5.2 | Arbeitsstätten nach ArbStättV |
| tatsächliche Laufweglänge höchstens das 1,5-Fache der zulässigen Fluchtweglänge | ASR A2.3, Punkt 5 | Arbeitsstätten nach ArbStättV |
| lichte Mindestbreite von Hauptfluchtwegen nach Personen im Einzugsgebiet gestaffelt, 1,20 m bis 200 Personen, 2,40 m bis 400 Personen | ASR A2.3, Punkt 5.6 | Arbeitsstätten nach ArbStättV |
| jeder Teil eines Rettungswegs mindestens 1,20 m lichte Breite | § 7 VStättV Bayern | Versammlungsstätten in Bayern |
| Rettungswegbreite 1,20 m je 200 Besucher, bei Versammlungsstätten im Freien und in Sportstadien je 600 Besucher | § 7 VStättV Bayern | Versammlungsstätten in Bayern |
| Rettungsweglänge von einem Besucherplatz höchstens 30 m | § 7 VStättV Bayern | Versammlungsstätten in Bayern |
Tabelle horizontal scrollbar
Die Muster-Versammlungsstättenverordnung ist ein Mustertext ohne eigene Rechtskraft. Verbindlich ist die Verordnung des Bundeslandes, in dem die Veranstaltung stattfindet. Bayern hat § 7 als Bemessungsparagraphen der Rettungswege umgesetzt; andere Länder weichen im Wortlaut ab. Die Gangbreiten hinter der Bühne behandelt Back of House.
Das Bauordnungsrecht des Landes regelt das Gebäude selbst. Es verlangt für Aufenthaltsräume zwei voneinander unabhängige Rettungswege je Geschoss; maßgeblich ist die Landesbauordnung des jeweiligen Bundeslandes, nicht ein Bundesgesetz. Auf einer Veranstaltung können zwei Kreise gleichzeitig greifen: für das Publikum die Versammlungsstättenverordnung, für das Personal hinter der Absperrung das Arbeitsstättenrecht.
Kennzeichnung, Sicherheitsbeleuchtung, Freihaltepflicht
Fluchtwege und Notausgänge müssen erkennbar, beleuchtet und frei sein. Die Kennzeichnung folgt in Arbeitsstätten der ASR A1.3 mit den Rettungszeichen nach ISO 7010, also grün-weißem Piktogramm mit Richtungsangabe. Die drei Anforderungen greifen zusammen: ein gekennzeichneter Weg, der zugestellt ist, ist kein Fluchtweg.
- Rettungszeichen an jeder Stelle, an der die Fluchtrichtung nicht selbsterklärend ist, mit Sichtbeziehung von einem Zeichen zum nächsten.
- Sicherheitsbeleuchtung, damit die Kennzeichnung bei Ausfall der Allgemeinbeleuchtung erkennbar bleibt.
- Freihaltepflicht: Fluchtwege und Notausgänge sind ständig freizuhalten, nicht nur bei der Abnahme.
- Fluchtrichtung: In Arbeitsstätten regelt die ASR A2.3, dass Türen im Verlauf von Fluchtwegen in Fluchtrichtung aufschlagen.
- Barrierefreiheit: Für die barrierefreie Gestaltung ergänzt die ASR V3a.2 in ihrem Anhang A2.3 die Anforderungen der ASR A2.3 an Fluchtwege und Notausgänge.
- Flucht- und Rettungsplan dort, wo Lage und Größe des Bereichs es verlangen. Die grafische Darstellung der Wege im Gelände gehört in den Site-Plan.
- Grundlage ist die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers. Sie bestimmt, welche Anforderungen im Einzelfall greifen.
Fluchtwege im Veranstaltungsbetrieb
Auf Freiflächen fehlen die Bezugspunkte, mit denen die Vorschriften rechnen. Es gibt keine Wände, keine Flure und keine Treppe, sondern eine Zaunlinie mit Nottoren und Wege, die aus Absperrungen entstehen. Wo diese Wege verlaufen und welche davon Rettungswege sind, hält das genehmigte Sicherheitskonzept fest, nicht der Aufbauplan.
Die Kennzeichnung muss ohne Gebäudehülle funktionieren: Es gibt keine Wand, an der ein Rettungszeichen hängt, und bei Dunkelheit keine Deckenbeleuchtung, die es anleuchtet. Nottore in der Zaunlinie sind Teil der Planung und keine Zutat des Aufbaus. Wer sie nach dem Aufbau versetzt, verschiebt einen Ausgang.
Im Betrieb verengen Fluchtwege sich seltener durch Planungsfehler als durch Alltag. Vier Fälle, die wir auf Geländen regelmäßig sehen:
- Cases nach dem Aufbau. Leergut wandert an die Wand, und die Wand steht am Weg.
- Bodenschutz und Kabelbrücken. Beides schiebt die nutzbare Breite an den Rändern zusammen.
- Schlangenenden. Eine Warteschlange am Ausschank wächst quer über einen Weg, der morgens frei war.
- Nachträgliche Aufbauten. Ein zusätzlicher Stand oder ein Sponsorenelement steht selten dort, wo es geplant war.
In der Aufbauwoche fällt so etwas auf, wenn jemand die Wege abgeht und nicht nur den Plan liest. Melden Sie eine Verengung an die Veranstaltungsleitung, nicht an das Gewerk, das sie verursacht hat.
Absperrmaterial trennt im Veranstaltungsbetrieb Wege und Flächen voneinander. Welche Wege als Fluchtwege gelten und wie sie zu kennzeichnen sind, entscheidet die Fachplanung, nicht das Material: Absperrsysteme mieten Sie bei uns als Material, die Zuordnung kommt aus dem Konzept. Verwandte Begriffe aus dem Umfeld Sicherheit und Genehmigung finden Sie im MOJO-Glossar von A bis Z.
Häufige Fragen
Fluchtwege sind Verkehrswege mit besonderen Anforderungen, die aus einem Gefährdungsbereich ins Freie oder in einen gesicherten Bereich führen. Sie dienen der Selbstrettung, also dem Verlassen des Bereichs ohne fremde Hilfe. Anzahl, Länge, lichte Breite und Kennzeichnung richten sich nach dem Rechtskreis, der für die jeweilige Nutzung gilt.
Fluchtweg: Selbstrettung ohne fremde Hilfe, Begriff des Arbeitsschutzrechts. Rettungsweg: Selbstrettung und Fremdrettung durch Einsatzkräfte, Begriff des Bauordnungs- und Versammlungsstättenrechts der Länder.
Die zulässige Breite legt der Fachplaner anhand des geltenden Rechtskreises fest, nicht der Veranstalter oder der Aufbauleiter. Die Bemessungsgrundlagen unterscheiden sich. ASR A2.3, Punkt 5.6: lichte Mindestbreite nach Personen im Einzugsgebiet gestaffelt, 1,20 m bis 200 Personen, Geltungsbereich Arbeitsstätten nach ArbStättV. § 7 VStättV Bayern: mindestens 1,20 m je Teil eines Rettungswegs, 1,20 m je 200 Besucher, Geltungsbereich Versammlungsstätten in Bayern.
Mit Rettungszeichen nach ISO 7010, in Arbeitsstätten nach der ASR A1.3; mit Richtungspfeilen, wo die Fluchtrichtung nicht selbsterklärend ist; durchgehend, sodass von jedem Zeichen das nächste sichtbar ist; so beleuchtet, dass die Zeichen bei Ausfall der Allgemeinbeleuchtung erkennbar bleiben.
Festlegung, Nachweis und Freigabe liegen bei Fachplanung, Brandschutz und Genehmigungsbehörde. Der Veranstalter setzt das genehmigte Ergebnis im Betrieb um und hält die Wege frei. Dienstleister wie MOJO liefern Material, treffen aber keine Aussage darüber, ob ein Weg als Fluchtweg zulässig ist.
Verwandte Begriffe
Fachliche Grundlagen
- ASR A2.3 „Fluchtwege und Notausgänge“, Ausschuss für Arbeitsstätten, veröffentlicht von der BAuA. Punkt 5.2 (Fluchtweglänge, 35 m bei normaler Brandgefährdung), Punkt 5 (tatsächliche Laufweglänge bis zum 1,5-Fachen), Punkt 5.6 (lichte Mindestbreite von Hauptfluchtwegen nach Personen im Einzugsgebiet). Geltungsbereich: Arbeitsstätten nach ArbStättV, Vermutungswirkung.
- ASR V3a.2 „Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten“, Anhang A2.3 — ergänzende Anforderungen zur ASR A2.3 „Fluchtwege und Notausgänge“.
- § 7 VStättV Bayern (Versammlungsstättenverordnung vom 2. November 2007), „Bemessung der Rettungswege“ — lichte Mindestbreite 1,20 m je Teil eines Rettungswegs, Bemessung je 200 bzw. je 600 Besucher, Rettungsweglänge höchstens 30 m. Geltungsbereich: Versammlungsstätten in Bayern.
- ASR A1.3 „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“ — Rettungszeichen nach ISO 7010 für Fluchtwege und Notausgänge in Arbeitsstätten. Ohne Absatzangabe zitiert.
- Fachlicher Kontext zur Begriffsabgrenzung (Selbstrettung, Fremdrettung, erster und zweiter Fluchtweg): BGHM-Themenseite Fluchtwege und VBG-Themenseite Fluchtwege und Notausgänge.
- Hinweis: Die Muster-Versammlungsstättenverordnung (MVStättVO) ist ein Mustertext der Fachkommission Bauaufsicht ohne eigene Rechtskraft. Verbindlich ist jeweils die Versammlungsstättenverordnung des Bundeslandes. Diese Seite belegt die Versammlungsstätten-Maße ausschließlich an der bayerischen Umsetzung.