Crowd Management bei Veranstaltungen
Crowd Management ist die organisatorische Steuerung von Besucherströmen. Kapazität, Wege, Zeiten und Zuständigkeiten stehen vor der Veranstaltung fest und werden während der Durchführung beobachtet. Die Schreibweisen Crowdmanagement und Crowd-Management meinen dasselbe.
Crowd Management ist die systematische Planung und Beobachtung geordneter Bewegungen und Ansammlungen von Menschen. Die Definition geht auf John J. Fruin zurück. Gesteuert wird über Kapazität, Ein- und Ausgänge, Information und Personal, im Vorfeld wie während der Durchführung. Die Messgröße ist die Personendichte, nicht die Ticketzahl. Crowd Control ist ein Teil davon und letztes Mittel. Der Begriff Massenpanik beschreibt die eigentliche Gefahr falsch.
Definition: Was ist Crowd Management?
Crowd Management ist die systematische Planung und Beobachtung geordneter Bewegungen und Ansammlungen von Menschen bei einer Veranstaltung. Es legt fest, wie viele Besucher eine Fläche aufnimmt, auf welchen Wegen sie ankommen und abfließen, wer was entscheidet und wie informiert wird. Die Definition geht auf John J. Fruin zurück.
Fruin fasst in „The Causes and Prevention of Crowd Disasters” (1993, überarbeitet 2002) vier Einflussgrößen als FIST zusammen: Force, die Kraft in der Menge; Information, auf die eine Menschenmenge reagiert; Space, die Fläche mit Dichte und Bauform; Time, die Dauer eines Vorgangs. Wer eine dieser Größen verändert, verändert das Verhalten der Menge.
Crowdmanagement und Crowd-Management sind gleichbedeutende Schreibweisen, im deutschen Fachgebrauch läuft auch Besucherstrommanagement mit; englisch heißen benachbarte Begriffe crowd handling, crowd safety und crowd safety management. Crowd Management ist ein Verfahren, kein Mietartikel: MOJO vermietet das Material, mit dem eine Steuerungsentscheidung im Gelände sichtbar wird. Weitere Begriffe zu Publikum und Veranstaltungssicherheit stehen im MOJO Glossar von A bis Z.
Crowd Management, Crowd Control und die Nachbarbegriffe
Crowd Management ist der Oberbegriff für die organisatorische Steuerung, Crowd Control ist ein Teil davon. Control meint die Einschränkung von Gruppenverhalten und ist als letztes Mittel eingeplant, nicht als Ersatz für Planung. Crowd Protection, Besucherlenkung und Sicherheitskonzept bezeichnen jeweils etwas anderes.
| Begriff | Gegenstand | Verhältnis zum Crowd Management |
|---|---|---|
| Crowd Management | Kapazität, Wege, Zeiten, Information, Zuständigkeiten | Oberbegriff |
| Crowd Control | Einschränkung von Gruppenverhalten im Ereignisfall | Teilmenge, letztes Mittel |
| Crowd Protection | Absperrtechnik als Produkt: Bauarten und Lastwerte | Umsetzungsebene, Begriff in Vorbereitung |
| Besucherlenkung | Wegeführung, Beschilderung, Leitsystem vor Ort | eine der Maßnahmen im Gelände |
| Sicherheitskonzept | Genehmigungsdokument mit Verfahren und Ordnungsdienst | Crowd Management ist darin ein Kapitel |
| Zufahrtsmanagement | Anlieferung, Zeitfenster, Fahrzeugdisposition | teilt Fläche und Zeitachse mit dem Auslass |
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Die Zielgröße trennt die Begriffe: Besucherlenkung ordnet Richtung und Verteilung, Crowd Management setzt die Kapazitätsgrenze und beobachtet die Dichte dahinter. Absperrtechnik für Veranstaltungen setzt die organisatorisch festgelegten Wege und Zonen im Gelände um, erklärt sie aber nicht.
Der Rechtsbezug läuft über das Dokument, nicht über den Begriff. In Sachsen verlangt § 43 SächsVStättVO bei mehr als 5.000 Besucherplätzen ein Sicherheitskonzept im Einvernehmen mit Polizeibehörde, Brandschutzbehörde und dem Träger des Rettungsdienstes. Welche Landesverordnung gilt und wie solche Sicherheitskonzepte aufgebaut sind, steht auf der Seite Sicherheitskonzept. Der US-Standard ANSI ES1.9-2020 „Event Safety – Crowd Management” greift Fruins Einflussgrößen auf; in Deutschland gilt er nicht, er trennt die Begriffe aber sauber.
Crowd Management vor, während und nach der Veranstaltung
Crowd Management beginnt im Vorfeld, läuft während der Durchführung weiter und endet erst, wenn der Auslass abgeschlossen ist. Keith Still hat Fruins Ansatz zum Modell DIM-ICE weiterentwickelt: Design, Information und Management wirken in den drei Phasen Ingress, Circulation und Egress, also Einlass, Aufenthalt und Auslass.
- Vorfeld. Nutzbare Fläche, Zonen, Kapazität, Wege und Rollen werden festgelegt, dazu die Schwellen, ab denen jemand eingreift.
- Einlass. Der Zustrom wird dosiert. Ein zu schneller Einlass verlagert das Problem nach innen.
- Aufenthalt. Beobachtung an festen Punkten mit Sicht auf die Engstellen, Zählung, Rückmeldung an die Leitstelle.
- Auslass. Alle wollen gleichzeitig in dieselbe Richtung. Hier begrenzt die Kapazität der Ausgänge und der Flächen dahinter.
- Nachbereitung. Was tatsächlich passiert ist, gehört in die nächste Fassung des Plans.
Der Auslass hat den geringsten Spielraum, und er überlagert sich auf denselben Flächen mit dem beginnenden Abbauverkehr. Wer Tore für den Auslass öffnet und gleichzeitig die ersten Lkw auf das Gelände lässt, führt zwei Ströme über eine Fläche. Die Zeitfenster dafür gehören in das Zufahrtsmanagement und in die Abbauplanung.
Personendichte als zentrale Kenngröße
Die zentrale Kenngröße im Crowd Management ist die Personendichte in Personen pro Quadratmeter, nicht die absolute Besucherzahl. Zwei Veranstaltungen mit gleicher Besucherzahl stehen unterschiedlich dicht, weil nutzbare Fläche und Verteilung verschieden sind. Kritisch wird die Verdichtung an einem Punkt, nicht die Menge insgesamt.
Fruin beschreibt, dass eine Menschenmenge bei etwa sieben Personen pro Quadratmeter nahezu wie eine Flüssigkeit reagiert: Druckwellen laufen durch die Menge und können Personen von den Füßen heben und über drei Meter und mehr verschieben. Für die Stufen darunter kursieren mehrere Zahlenreihen aus unterschiedlichen Quellen; sie stehen hier nicht als Grenzwert. Verlässlich ist die Richtung. Mit steigender Dichte verliert der Einzelne zuerst Tempo, dann die Wahl der Richtung, dann die Kontrolle über seine Standposition.
Wie viel Fläche zur Verfügung steht, entscheidet sich am Gelände:
- Untergrund. Nasse Wiese, Gefälle und ungeschützter Boden verkleinern die nutzbare Fläche. Besucher meiden Matsch und stehen dichter auf dem trockenen Rest.
- Feste Einbauten. Front of House, Bars, Türme und Kabelbrücken belegen Fläche, die in der Bruttorechnung noch mitzählte.
- Sichtachsen. Vor der Bühne verdichtet sich das Publikum, unabhängig davon, wie viel Platz hinten frei bleibt.
- Engstellen. Tore und Durchgänge bestimmen den Durchsatz. Der Rückstau entsteht davor, nicht darin.
Gemessen wird über die Zählung am Einlass, über Zonen mit bekannter Fläche und über Beobachtungspunkte. Eine Zahl ohne zugeordnete Fläche sagt nichts über die Dichte.
Was gehört in einen Crowd-Management-Plan?
Ein Crowd-Management-Plan legt fest, wie viele Personen auf welche Fläche dürfen, wie sie hinein und heraus kommen, wer entscheidet und wie informiert wird. Er ist Teil der Sicherheitsplanung einer Veranstaltung. Diese Bestandteile stehen in nahezu jedem Plan:
- Kapazität je Zone, nicht eine Zahl für das ganze Gelände.
- Ein- und Ausgänge sowie Rettungswege, mit der Frage, welcher Weg bei Ausfall eines anderen übernimmt.
- Zutrittskontrolle und Einlassgeschwindigkeit. Einlassschleusen zur Personenvereinzelung machen die geplante Einlasskapazität vor Ort steuerbar.
- Information und Beschilderung. Leitsysteme für Beschilderung und Besucherinformation sind die sichtbare Seite dieser Kommunikation; die Wegeführung selbst gehört zur Besucherlenkung.
- Personal und Verantwortlichkeiten: wer an welchem Posten steht, wer eine Sperrung anordnet, wer sie aufhebt.
- Kommunikation im Einsatz. Funkgeräte für die Einsatzkommunikation verbinden Leitstelle, Ordnungsdienst und Einlass. Ohne diese Kette bleibt die Rollenverteilung Theorie.
- Entscheidungsschwellen, jede mit einer zugeordneten Maßnahme.
- Nachbereitung mit festem Termin.
Erstellt wird der Plan vom Veranstalter, fachlich häufig mit einem Crowdmanager, einem Sicherheitsplaner oder dem Ordnungsdienstleiter. Qualifikation entsteht über Weiterbildungsangebote von Akademien und Fachinstituten und über Erfahrung mit vergleichbaren Formaten. Die Verantwortung bleibt beim Veranstalter, im genehmigungsrelevanten Teil mit der Behörde als Gegenüber.
Wie plant man Crowd Management für eine Veranstaltung?
Die Planung geht von der Fläche aus, nicht von der Ticketzahl: erst die nutzbare Fläche und die Zonen, dann die Kapazität, dann Wege, Personal und Information. Diese Reihenfolge beschreibt, wie die Entscheidungen aufeinander aufbauen.
- Format und Verhalten einschätzen. Sitzendes Publikum, Stehkonzert und Familienfest erzeugen bei gleicher Besucherzahl verschiedene Dichten.
- Nutzbare Fläche ermitteln. Brutto minus Einbauten, minus schlechter Untergrund, minus Flächen ohne Anbindung.
- Zonen und Kapazität festlegen. Jede Zone bekommt eine Zahl, einen Zugang und eine Zuständigkeit.
- Ein- und Auslass getrennt dimensionieren. Durchsatz je Spur und gestaffelte Einlasszeiten auf der einen Seite, Räumungsdauer auf der anderen.
- Wege und Sperrlinien ins Layout ziehen. Erst hier entsteht die Linie, die später Material braucht.
- Rollen, Meldewege und Schwellen definieren. Wer beobachtet, wer meldet, wer entscheidet, und woran erkennbar ist, dass es Zeit ist.
- Auslass und Abbau zeitlich trennen. Fahrzeugbewegungen erst nach Freigabe der betroffenen Flächen.
- Nachbereiten und den Plan ändern. Beobachtungen aus dem Betrieb sind die belastbarsten Daten einer Veranstaltung.
Diese Reihenfolge hängt an der Veranstaltungsplanung: Perimeter, Geländelayout und Zeitplan entstehen dort, und jede Änderung verschiebt Kapazität und Wege.
Von der Entscheidung zum Material
Jede organisatorische Entscheidung braucht am Ende eine Linie im Gelände. Eine Kapazitätsgrenze wird zur Einlassspur, eine Zonentrennung zur Gitterlinie, ein Rückhaltepunkt vor der Bühne zur Barriere mit freier Arbeitsgasse dahinter. Diesen Schritt beschreiben Fachtexte selten, obwohl er über Menge, Bauart und Vorlauf entscheidet.
Am Rückhaltepunkt vor der Bühne sind MOJO Barriers als Bühnenbarrikade die Ausführung, die der Steuerungsplan an dieser Stelle vorgibt. Wie lang eine Absperrlinie im Innenraum wird, folgt aus Kapazitäts- und Wegeplanung, und Bühnengitter aus Aluminium decken diesen Teil ab. Fällt die Kapazitätsentscheidung erst kurz vor Aufbaubeginn, steht die geplante Menge nicht zwangsläufig in der gewünschten Bauart bereit. In den Anfragen, die bei MOJO als Vermieter eingehen, steht meist die Meterzahl fest und die Zonenlogik dahinter nicht.
Warum „Massenpanik” der falsche Begriff ist
Der Begriff Massenpanik erklärt Unglücke bei Veranstaltungen falsch. Die Gefahr entsteht physikalisch: Menschen verdichten sich an einer Engstelle, Druck wird über Körper weitergegeben, und einzelne verlieren die Kontrolle über ihre Standposition. Das geschieht auch dann, wenn niemand in Panik gerät.
Wer eine Massenpanik annimmt, sucht die Ursache im Verhalten der Besucher und übersieht die Größen, die tatsächlich steuerbar sind: Fläche, Zustrom, Information und Zeit. Für die Praxis hat das drei Folgen.
- Gedränge ist ein Zustand, kein Vorfall. Die Dichte steigt über Minuten. Beobachtung mit fester Schwelle wirkt deshalb besser als die Reaktion auf einen Alarm.
- Der Druck kommt von hinten. Wer vorne steht, kann nicht ausweichen. Die wirksame Maßnahme setzt am Zustrom an.
- Information wirkt, bevor Druck entsteht. Eine verständliche Ansage und ein sichtbares Ziel verteilen Menschen. Beides greift nicht mehr, wenn die Menge schon steht.
In der Fachdiskussion stehen Hillsborough 1989, die Loveparade 2010 und Itaewon 2022 als Bezugsfälle. Die Ursachenketten unterscheiden sich je Fall und sind Gegenstand eigener Untersuchungsberichte; als Begründung für ein Konzept taugt der bloße Verweis darauf nicht.
Wo Crowd Management an Grenzen stößt
Crowd Management senkt Risiken, es beseitigt sie nicht. Ein Plan wirkt nur so weit, wie Fläche, Personal und Information ihn tragen, und er ersetzt weder eine Genehmigung noch die Entscheidung der zuständigen Behörde. Diese Punkte begrenzen die Wirkung:
- Zahlen aus der Fußgängerforschung sind keine Norm. Fruins Werte beschreiben Verhalten. Sie sind kein Grenzwert einer deutschen Verordnung, und ob ein Konzept genehmigt wird, entscheidet die Behörde im Einzelfall.
- Der Plan hängt am Personal. Beobachtung und Eingriff brauchen besetzte Posten über die gesamte Laufzeit. Personal ist die flexibelste und die teuerste Maßnahme.
- Software erfasst Dichte, sie schafft keine Fläche. Zählsysteme, Videoanalyse und Simulation sind ein eigener Weg zur Datenlage. MOJO vermietet sie nicht.
- Kurzfristige Änderungen kosten Vorlauf. Material braucht Disposition, Transport und Aufbauzeit.
- MOJO ist Vermieter. MOJO erstellt keine Crowd-Management-Konzepte und stellt keinen Ordnungsdienst. Der Beitrag liegt beim Material und seiner Verfügbarkeit zum Termin.
Häufige Fragen
Crowd Management ist die systematische Planung und Beobachtung geordneter Bewegungen und Ansammlungen von Menschen bei einer Veranstaltung. Es legt Kapazität, Ein- und Ausgänge, Zutrittskontrolle, Information, Personal und Verantwortlichkeiten fest. Die Definition geht auf John J. Fruin zurück. Gesteuert wird über die Personendichte, nicht über die Besucherzahl.
| Merkmal | Crowd Management | Crowd Control |
|---|---|---|
| Gegenstand | Planung und Beobachtung von Bewegung | Einschränkung von Gruppenverhalten |
| Zeitpunkt | vorher, dann durchgehend | im Ereignisfall |
| Verhältnis | Oberbegriff | Teilmenge, letztes Mittel |
| Mittel | Kapazität, Wege, Zeiten, Information | Sperrung, Umlenkung, Zutrittsstopp |
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- Kapazität je Zone
- Ein- und Ausgänge, Rettungswege und ihre Ersatzwege
- Zutrittskontrolle und Einlassgeschwindigkeit
- Information und Beschilderung
- Personal, Posten und Verantwortlichkeiten
- Kommunikationswege zwischen Leitstelle, Ordnungsdienst und Einlass
- Entscheidungsschwellen mit zugeordneter Maßnahme
- Nachbereitung
- Format und erwartetes Verhalten einschätzen
- Nutzbare Fläche ermitteln
- Zonen bilden und je Zone eine Kapazität festlegen
- Ein- und Auslass getrennt dimensionieren
- Wege und Sperrlinien in das Layout ziehen
- Rollen, Meldewege und Schwellen definieren
- Auslass und Abbauverkehr zeitlich trennen
- Nachbereiten und den Plan ändern
Der Veranstalter, fachlich unterstützt von einem Crowdmanager, einem Sicherheitsplaner oder dem Ordnungsdienstleiter. Bei genehmigungsrelevanten Veranstaltungen sind Polizei-, Brandschutzbehörde und Rettungsdienst am Verfahren beteiligt. Die Verantwortung bleibt beim Veranstalter.
Verwandte Begriffe
Fachliche Grundlagen
- John J. Fruin: The Causes and Prevention of Crowd Disasters. Vortrag, First International Conference on Engineering for Crowd Safety, London 1993; überarbeitete Fassung 2002.
- ANSI ES1.9-2020 Event Safety – Crowd Management, ESTA Technical Standards Program.
- § 43 Sächsische Versammlungsstättenverordnung (SächsVStättVO), Sicherheitskonzept und Ordnungsdienst. REVOSax Landesrecht Sachsen.