Changeover: der Umbau zwischen zwei Nutzungen
Der Changeover ist das Zeitfenster, in dem eine Veranstaltungsfläche von einer Nutzung auf die nächste umgebaut wird. Er steht im Ablaufplan, nicht dazwischen.
Ein Changeover ist der Umbau einer Veranstaltungsfläche zwischen zwei Nutzungen bei laufender Veranstaltung. Er belegt ein festes Fenster im Ablaufplan und endet mit der Freigabe der Fläche. Wie lange er dauert, hängt weniger an der Materialmenge als daran, wie viel davon vorher fertig ist. Ist Publikum im Raum, begrenzen Wegeführung und freie Rettungswege den Umfang.
Was ist ein Changeover?
Ein Changeover ist der Umbau einer Veranstaltungsfläche zwischen zwei Nutzungen, während die Veranstaltung läuft. Er wechselt eine Halle von Bestuhlung auf Konzert, einen Kongressraum von Reihe auf Bankett oder eine Bühne von einem Act auf den nächsten. Das Fenster steht im Ablaufplan und endet mit der Freigabe der Fläche.
Der Begriff ist im deutschen Sprachraum mehrfach besetzt. Vier Bedeutungen laufen nebeneinander, und nur die erste ist hier gemeint:
- Veranstaltungstechnik. Der Umbau einer Fläche zwischen zwei Nutzungen, Acts oder Bestuhlungsformen. Darum geht es auf dieser Seite.
- Elektrotechnik. Ein Changeover-Schalter wechselt die Einspeisung zwischen zwei Stromquellen, etwa Netz und Notstromaggregat.
- Produktionslogistik. Die Rüstzeit einer Maschine zwischen zwei Losen. Das Verfahren zur Verkürzung heißt SMED und stammt aus der Fertigung, nicht aus der Veranstaltungstechnik.
- Musikbranche. Ein Marken- und Festivalname, der mit dem Fachbegriff nichts zu tun hat.
Innerhalb der Branche stehen Changeover, Umbaupause und Umbauzeit oft nebeneinander. Umbaupause beschreibt dasselbe Fenster aus Sicht des Publikums, Umbauzeit die Dauer. Changeover benennt den Vorgang selbst. Weitere Begriffe rund um den Ablauf am Veranstaltungstag stehen im MOJO-Glossar.
Changeover, Load-in oder Umbaupause: die Abgrenzung
Der Changeover unterscheidet sich vom Load-in dadurch, dass Publikum anwesend ist und das Zeitfenster im Ablaufplan festgeschrieben steht, statt einen ganzen Arbeitstag zu belegen. Die Umbaupause meint denselben Vorgang aus dem Zuschauerraum gesehen. Die Rüstzeit gehört in die Fertigung.
| Vorgang | Wann | Publikum | Zeitmaß | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| Load-in | vor der Veranstaltung | nein | Stunden bis Arbeitstage | Fläche eingerichtet |
| Changeover | während der Veranstaltung | häufig im Haus | Minuten bis wenige Stunden | Fläche für die nächste Nutzung frei |
| Umbaupause | derselbe Vorgang, Blick aus dem Saal | ja | wie der Changeover | Programm läuft weiter |
| Load-out | nach der Veranstaltung | nein | Stunden bis Arbeitstage | Fläche geräumt |
| Rüstzeit, SMED | Fertigung, keine Veranstaltung | entfällt | Minuten | Maschine auf neues Los |
Tabelle horizontal scrollbar
Der Unterschied ist eine Planungsfrage. Ein Load-in bekommt eine eigene Zeitschiene in der Aufbauplanung, ein Changeover dagegen eine Zeile im Ablaufplan des laufenden Tages. Wer ihn wie einen Aufbau plant, plant zu viel Gewerk in zu wenig Zeit.
Welche Arten von Changeover gibt es?
Changeover ist ein Sammelbegriff für vier Vorgänge mit demselben Muster: Eine Fläche wechselt bei laufender Veranstaltung ihre Nutzung. Sie unterscheiden sich im Zeitmaß, in den beteiligten Gewerken und darin, ob Gäste im Raum sind.
- Act auf Act. Der Wechsel zwischen zwei Auftritten auf derselben Bühne. Backline und Monitorpositionen ändern sich, das Rigg bleibt. Wie dieser Ablauf Schritt für Schritt organisiert wird, steht beim Stage Manager.
- Saalumbau. Ein Raum wechselt die Bestuhlungsform, etwa von Reihe auf Bankett zwischen Vortrag und Abendessen. Der Vorgang ist das Umstellen, nicht die Form selbst; welche Formen es gibt, steht unter Bestuhlungsarten.
- Belegungswechsel einer Halle. Eine Mehrzweckhalle geht von Sport auf Konzert, eine Messehalle von Tag 1 auf Tag 2. Hier fallen Bodenschutz, Podesterie und oft ein zweites Rigg an.
- Szenenwechsel im Theater. Drehbühne, Hubpodien und Seitenbühne verschieben fertige Aufbauten. Dieser Changeover ist Teil der Aufführung und dauert Sekunden statt Minuten.
Wie lange ein Changeover dauert
Eine allgemeingültige Dauer gibt es nicht, und Normwerte für Umbauzeiten existieren nicht. Die Fachpresse nennt für den Wechsel zwischen zwei Bands 20 bis 30 Minuten. Das ist ein Erfahrungswert aus der Konzertpraxis, kein Richtwert, und er gilt nur für dieses eine Szenario.
| Szenario | Größenordnung | Was die Dauer bestimmt |
|---|---|---|
| Act auf Act, Festivalbühne | 20 bis 30 Minuten (Erfahrungswert) | Backline, Monitorpositionen, Kontrolle der Signalwege |
| Act auf Act mit vorgerüsteten Rollpodesten | wenige Minuten | Podeste sind fertig bestückt und werden nur getauscht |
| Saal von Reihe auf Bankett | Stunden | Stuhlzahl, Tischaufbau, Weg zur Zwischenlagerfläche |
| Halle von einer Belegung auf die nächste | halber bis ganzer Tag | Bodenschutz, Podesterie, Rigging, Bestuhlung |
| Szenenwechsel mit vorhandener Bühnenmaschinerie | Sekunden bis Minuten | die Maschinerie bewegt fertige Aufbauten |
Tabelle horizontal scrollbar
Wer eine Zeit zusagen soll, rechnet nicht die Materialmenge, sondern die Wege. Zwanzig Stuhlreihen sind schnell abgebaut und langsam weggefahren, wenn die Zwischenlagerfläche zwei Türen entfernt liegt. Deshalb gehört die Lagerfläche in die Flächenplanung und nicht in die Improvisation am Veranstaltungstag.
Vorbereitetes Material entscheidet über die Dauer
Was vor dem Umbaufenster fertig ist, wird darin nur noch bewegt. Dieses Prinzip trennt einen Changeover von einer Viertelstunde von einem, der eine dreiviertel Stunde braucht. Rollpodeste, beschriftete Kabelwege, werkzeuglose Verbindungen und ein zweiter Materialsatz verlagern Montagearbeit aus dem Fenster in die Zeit davor.
- Rollpodeste. Backline und Monitore stehen fertig auf fahrbaren Podesten. Im Fenster wird geschoben statt montiert. Dafür eignen sich modulare Bühnenpodeste, deren Aufbau unter Bühnenpodest beschrieben ist.
- Werkzeuglose Verbindungen. Steck- und Zargensysteme lassen sich ohne Schraubarbeit lösen. Jede Verschraubung im Fenster kostet Minuten, die niemand eingeplant hat.
- Vorkonfektionierte Kabelwege. Beschriftete Stecker und feste Multicore-Strecken machen aus Neuverlegen ein Umstecken.
- Doppelt vorgehaltenes Material. Ein zweiter Satz Stative kostet Miete, ein verzögerter Auftritt kostet Programm.
- Rollbares Mobiliar. Stuhl- und Tischwagen ersetzen den Einzeltransport. Stapel- und klappbare Bestuhlung ist beim Saalumbau die Voraussetzung dafür, dass ein Trupp den Raum in einem Durchgang leert.
Diese Vorbereitung hat einen Preis, und der wird selten genannt: Sie kostet Fläche und doppeltes Material. Zwei Podestsätze brauchen einen Stellplatz, und gestapelte Stuhlwagen bringen ihr Gewicht punktuell in den Boden, was bei empfindlichen Belägen die Flächenlast zur Grenze macht. Wo diese Fläche fehlt, ist der schnellere Changeover nicht zu haben.
Changeover mit Publikum im Raum
Ist Publikum im Raum, begrenzen Wegeführung, Abtrennung und freie Rettungswege den Umfang eines Changeovers, nicht die verfügbare Zeit. Die Muster-Versammlungsstättenverordnung schreibt in § 31 vor, dass Rettungswege während des Betriebs freigehalten werden; die Landesfassungen weichen in der Nummerierung ab. Ein Stapel abgebauter Stühle im Gang macht das Fenster nicht eng, sondern unzulässig.
- Abtrennen statt nur absperren. Molton-Vorhänge als mobile Raumteiler nehmen die Umbaufläche aus dem Blickfeld und trennen sie vom laufenden Betrieb.
- Rettungswege bleiben frei. Kein Zwischenlager im Gang, keine Kabelquerung ohne Überfahrschutz. Welche Breiten und Längen gelten, steht unter Fluchtwege.
- Gästewege vor Materialwegen. Publikumsströme laufen während des Umbaus weiter. Kreuzen Material- und Gästewege sich, gewinnt der Gästeweg. Die Grundlagen dazu stehen unter Wegführung und Crowd Management.
- Bodenschutz liegt vorher. Platten während des Umbaus auszulegen bedeutet, sie unter Zeitdruck neben Gästen zu verlegen. Das gehört ins Bodenschutzkonzept, nicht in das Fenster.
- Der Umbau ist sichtbar, also Teil der Show. Ob der Wechsel hinter geschlossenem Vorhang, im abgedunkelten Saal oder unter einem Zwischenprogramm läuft, entscheidet die Regie zusammen mit Licht und Ton. Wer nicht entscheidet, entscheidet trotzdem: Dann sieht das Publikum den Umbau ungefiltert.
Sicherheit im Umbaufenster
Der Changeover verdichtet Arbeiten, die sonst über einen Aufbautag verteilt sind. Höhenarbeit, bewegte Lasten und Publikumsverkehr fallen in dasselbe kurze Fenster. Für Lasten, die über Personen bewegt werden, gilt die DGUV Information 215-313; sie behandelt genau diesen Fall bei Veranstaltungen und Produktionen.
- Keine Last über Köpfen ohne geräumten Bereich. Motorzüge und Traversen bewegen sich über freier Fläche. Ein enges Zeitfenster ändert daran nichts.
- Höhenarbeit wird abgesprochen, nicht beschleunigt. Zwei Rigger klären den nächsten Zug, bevor er läuft. Wer diese Absprache abkürzt, kürzt an der einzigen Stelle, an der ein Fehler sich nicht mehr korrigieren lässt.
- Eine Person gibt frei. Wer die Fläche für fertig erklärt, ist vorher benannt. Auf großen Produktionen ist das der On-Site Supervisor, auf der Bühne der Stage Manager.
- Gewerke arbeiten nacheinander, wo sie sich behindern. Rigging und Bodenarbeit gleichzeitig auf derselben Fläche ist keine Zeitersparnis. Die Reihenfolge klärt die Gewerkekoordination.
- Unterweisung vor dem Fenster, nicht darin. Wer erst im Umbau erfährt, wo er stehen darf, steht falsch. Die Sicherheitsunterweisung gehört an den Anfang des Tages.
Den Changeover planen: Zeitschiene, Rollen, Freigabe
Ein Changeover wird geplant wie ein Aufbau, nur kürzer. In den Ablaufplan gehören Beginn, Dauer, ein Puffer und der Zeitpunkt der Freigabe. Dazu kommt je Gewerk eine benannte Person und eine Reihenfolge, die verhindert, dass zwei Trupps dieselbe Fläche gleichzeitig brauchen.
- Fenster mit Puffer setzen. Ein Changeover ohne Puffer verschiebt jede folgende Zeile des Ablaufplans. Der Puffer gehört in die Veranstaltungsplanung, nicht in den Kopf des Technikers.
- Zwischenlagerfläche ausweisen. Ausgebautes Mobiliar braucht einen Ort mit Zufahrt, der im Site-Plan eingezeichnet ist.
- Reihenfolge festlegen statt Gleichzeitigkeit. Zuerst räumen, dann schützen, dann aufbauen. Diese Folge lässt sich in einer Abbauplanung für den Teilabbau vorbereiten.
- Bei mehreren Spielorten einmal planen. Auf Tour wiederholt sich derselbe Wechsel an jedem Ort, und die Beladereihenfolge bestimmt ihn mit. Das behandelt die Tourlogistik.
Am Ende des Fensters steht eine technische Kontrolle, kein zweiter Soundcheck. Ein Line Check prüft je Kanal, ob ein Signal ankommt; die vollständige Abgrenzung zwischen beiden steht unter Soundcheck. Erst danach gibt die benannte Person die Fläche frei, und erst mit dieser Freigabe ist der Changeover beendet. In Räumen, die als Versammlungsstätte betrieben werden, ist diese Freigabe zugleich die Bestätigung, dass Rettungswege und Bestuhlung wieder dem genehmigten Zustand entsprechen.
Häufige Fragen
Ein Changeover ist der Umbau einer Veranstaltungsfläche zwischen zwei Nutzungen bei laufender Veranstaltung. Er wechselt eine Halle von Bestuhlung auf Konzert, einen Saal von Reihe auf Bankett oder eine Bühne von einem Act auf den nächsten. Das Zeitfenster steht im Ablaufplan und endet mit der Freigabe der Fläche.
| Szenario | Größenordnung |
|---|---|
| Act auf Act, Festivalbühne | 20 bis 30 Minuten (Erfahrungswert, kein Normwert) |
| Act auf Act mit vorgerüsteten Rollpodesten | wenige Minuten |
| Saal von Reihe auf Bankett | Stunden |
| Halle von einer Belegung auf die nächste | halber bis ganzer Tag |
Tabelle horizontal scrollbar
| Vorgang | Zeitpunkt | Publikum |
|---|---|---|
| Load-in | vor der Veranstaltung | nein |
| Changeover | während der Veranstaltung | häufig im Haus |
| Umbaupause | derselbe Vorgang aus dem Zuschauerraum | ja |
| Load-out | nach der Veranstaltung | nein |
Tabelle horizontal scrollbar
- Wechsel zwischen zwei Acts auf derselben Bühne
- Saalumbau zwischen zwei Bestuhlungsformen
- Belegungswechsel einer Halle zwischen zwei Nutzungen
- Szenenwechsel im Theater über Dreh- oder Hubbühne
- Rettungswege bleiben frei; die Muster-Versammlungsstättenverordnung regelt das in § 31
- Die Umbaufläche wird abgetrennt, nicht nur abgesperrt
- Gästewege haben Vorrang vor Materialwegen
- Bodenschutz und Zwischenlagerfläche stehen vor dem Fenster fest
- Lasten bewegen sich nicht über Köpfen, auch nicht unter Zeitdruck
Verwandte Begriffe
Fachliche Grundlagen
- Muster-Versammlungsstättenverordnung (MVStättVO) — § 31: Rettungswege werden während des Betriebs freigehalten. Die Landesfassungen weichen in der Nummerierung ab.
- DGUV Information 215-313 — Lasten, die über Personen bewegt werden, bei Veranstaltungen und Produktionen.