Festivalplanung
Ein Festival ist kein langer Eventtag. Wer mehrtägig Open Air plant, bringt Strom, Wasser, Sanitär und Wege auf eine Fläche, die nichts davon vorhält.
Festivalplanung ist die Vorbereitung einer mehrtägigen Open-Air-Veranstaltung auf einer Fläche ohne feste Anschlüsse. Strom, Wasser, Sanitär, Wege und Bühnen werden angeliefert, aufgebaut, abgenommen und danach zurückgebaut. Der Unterschied zum einzelnen Eventtag liegt in der Wiederholung: Reinigung, Abfall und Bodenlast fallen an jedem Veranstaltungstag erneut an.
Was ist Festivalplanung?
Festivalplanung ist die Vorbereitung und Steuerung einer mehrtägigen Open-Air-Veranstaltung mit mehreren Bühnen, deren Infrastruktur vollständig auf eine Fläche ohne feste Anschlüsse gebracht wird. Sie umfasst Standortwahl, Genehmigungen, Budget, Aufbau, den Betrieb über alle Veranstaltungstage und den Rückbau bis zur Übergabe der Fläche an den Eigentümer.
Der Begriff grenzt sich damit von der allgemeinen Veranstaltungsplanung ab, die auch Hallen, Häuser und feste Veranstaltungsorte umfasst. Ein Festival hat drei Eigenschaften, die jede Entscheidung verschieben: Es dauert mehrere Tage, es findet im Freien statt, und es fährt mehr als eine Bühne.
Daraus folgt eine Planung in Zyklen statt in einem Ablauf. Ein Konzertabend wird einmal aufgebaut und einmal geräumt. Ein Festival wiederholt Reinigung, Entsorgung und Sanitärversorgung täglich, während die Bodenbelastung sich addiert. Wer die Zeitachse pro Tag rechnet, findet die Engpässe vor dem ersten Besucher. Weitere Begriffe dazu stehen im MOJO Glossar von A bis Z.
Wie plant man ein Festival?
Ein Festival planen heißt, acht Schritte in eine Reihenfolge zu bringen, in der jeder Schritt die Grundlage des nächsten liefert. Die Festivalplanung scheitert selten an einem einzelnen Schritt, sondern daran, dass zwei davon vertauscht werden. Die Monatsangaben unten sind ein Planungsraster aus der Produktionspraxis, keine Vorschrift; Kommune, Format und Größe verschieben sie.
- Konzept und Zielgruppe festlegen (ab 12 Monate). Format, Dauer und erwartete Besucherzahl bestimmen Fläche und Budget. Methodik: Eventkonzept.
- Gelände prüfen und sichern (12 bis 9 Monate). Ohne Flächenzusage bleibt jeder weitere Schritt eine Skizze. Die Locationbesichtigung klärt Untergrund, Zufahrt und Anschlüsse vor Ort.
- Budget in Blöcken aufstellen (9 bis 6 Monate). Miete, Personal, Programm und Abgaben laufen getrennt, damit eine Kostensteigerung sichtbar bleibt. Siehe Eventbudget.
- Programm buchen und Vorverkauf starten (9 bis 6 Monate). Der Vorverkaufsstart ist der harte Terminanker: Ab hier ist das Datum öffentlich.
- Genehmigungen beantragen (9 bis 4 Monate). Veranstaltungsgenehmigung und Sicherheitskonzept laufen parallel, weil die Behörde beides gemeinsam bewertet.
- Infrastruktur und Gewerke beauftragen (6 bis 3 Monate). Bühnen, Absperrung, Sanitär, Boden und Strom werden zusammen disponiert. Siehe Mobile Infrastruktur.
- Ablaufplan und Aufbauplanung schreiben (8 bis 2 Wochen). Wer wann auf die Fläche fährt, steht im Zeitplan der Aufbauplanung; die Abnahmen liegen davor.
- Betrieb und Rückbau (Veranstaltungstage und die Woche danach). Der Rückbau folgt der Abbauplanung und endet mit der Flächenübergabe.
Gelände und Standort: die Prüfung vor der Zusage
Die Festivalplanung entscheidet den Standort zuerst, und zwar nach fünf harten Kriterien. Sie entscheiden, ob die geplante Infrastruktur überhaupt darauf steht, und sie legen die Kosten fest, bevor ein Angebot vorliegt. Eine Wiese ohne befestigte Zufahrt ist billiger in der Pacht und teurer in allem Übrigen.
| Kriterium | Was geprüft wird | Was daran hängt |
|---|---|---|
| Untergrund | Tragfähigkeit bei Nässe, Gefälle, Bewuchs | Bodenschutz, Kranstellflächen, Flächenlast |
| Zufahrt | Breite, Wendekreis, Achslastgrenzen der Zuwegung | Anlieferung mit Sattelzug, Zufahrtsmanagement |
| Kapazität | Nettofläche abzüglich Bühnen, Wege und Sperrzonen | zulässige Besucherkapazität |
| Anschlüsse | Strom, Trinkwasser, Abwasser, Mobilfunkabdeckung | Aggregate, Tanks, Entsorgungsfahrten |
| Umfeld | Nachbarschaft, Nachtruhe, Schutzgebiete, Rettungswege | Immissionsschutz, Auflagen der Behörde |
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Radlasten der Anlieferung und Punktlasten der Türme treffen denselben Boden, oft innerhalb weniger Stunden. Bodenplatten für Fahrwege und Publikumsflächen verteilen diese Last und halten die Fahrwege auch nach zwei Regentagen befahrbar. Die Systematik dahinter steht im Bodenschutzkonzept Veranstaltung.
Was kostet ein Festival? Die Kostenblöcke
Eine Gesamtsumme lässt sich für Festivals nicht seriös angeben: Zwischen einem eintägigen Stadtparkfestival und einem dreitägigen Open Air mit Camping liegen zwei Größenordnungen. Belastbar ist die Struktur. Wer die Blöcke kennt, erkennt früh, welcher davon in seinem Fall der größte ist.
| Kostenblock | Was den Preis treibt | Was Mehrtägigkeit ändert |
|---|---|---|
| Fläche und Boden | Pacht, Bodenschutz, Wiederherstellung | Bodenschutz wächst mit der kumulierten Last |
| Bühnen und Technik | Anzahl Bühnen, Dachlast, Line-Array, Licht | jede Bühne hat eigenen Aufbau und eigene Abnahme |
| Absperrung und Zäune | Geländeumfang, Front of Stage, Zonentrennung | Nachtsicherung der Fläche kommt hinzu |
| Sanitär und Wasser | Besucherzahl, Duschen, Tankvolumen | Reinigung und Entleerung mehrfach täglich |
| Energie | Aggregate, Verteilung, Kraftstoff | Nachtbetrieb, Kühlung, Ladeinfrastruktur |
| Abfall und Reinigung | Behältervolumen, Abholzyklen, Pfandsystem | Zyklus je Tag statt einmalig |
| Personal | Ordnungsdienst, Sanitätsdienst, Auf- und Abbau | Schichtbetrieb über Nacht |
| Abgaben und Rechte | Genehmigungsgebühren, GEMA, Künstlersozialabgabe | steigt mit Programmumfang, nicht mit Tagen |
| Programm und Ticketing | Gagen, Hospitality, Vorverkaufsgebühren | mehrere Slots je Bühne und Tag |
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Ein Puffer gehört in jeden dieser Blöcke, nicht als eine Zahl auf die Gesamtsumme. Genehmigungsgebühren stehen früh fest, Kraftstoff und Reinigung nicht. Eine belastbare Prozentzahl für diesen Puffer gibt es nicht.
Welche Genehmigungen ein Festival braucht
Ein Festival braucht keine einzelne Genehmigung, sondern ein Bündel aus mehreren Verfahren bei verschiedenen Stellen. Der Antrag bei der Kommune ist nur der sichtbarste davon. Diese Verfahren laufen parallel und haben unterschiedliche Fristen; die Festivalplanung führt sie zusammen.
- Veranstaltungsgenehmigung der Kommune. Grundlage ist Landesrecht, meist ergänzt um Sondernutzung öffentlicher Flächen und Verkehrsrecht.
- Ausführungsgenehmigung für Fliegende Bauten. Bühnen, Tribünen und größere Zelte gelten als Fliegender Bau. Nach § 76 der Musterbauordnung brauchen sie vor der ersten Aufstellung eine Ausführungsgenehmigung, die in ein Prüfbuch eingetragen wird. Zelte sind erst ab 75 m² Grundfläche erfasst.
- Gebrauchsabnahme am Aufstellungsort. Der Veranstalter zeigt die Aufstellung der Bauaufsichtsbehörde unter Vorlage des Prüfbuchs an. Die Behörde kann die Inbetriebnahme von einer Gebrauchsabnahme abhängig machen und trägt das Ergebnis in dasselbe Prüfbuch ein.
- Sicherheitskonzept. Wird von der Behörde regelmäßig verlangt und deckt Räumung, Crowd Management und Fluchtwege ab.
- Immissionsschutz. Schallpegel und Nachtruhe werden mit Auflagen geregelt, nicht mit Zusagen.
- Gastronomie und Ausschank. Anzeige der vorübergehenden Schankerlaubnis, dazu Hygienerecht.
- GEMA-Anmeldung. Öffentliche Musikwiedergabe ist vergütungspflichtig und wird vor der Veranstaltung angemeldet.
Ein Punkt wird in Ratgebern regelmäßig falsch dargestellt: Die Muster-Versammlungsstättenverordnung greift für Versammlungsstätten im Freien mit Szenenflächen erst ab mehr als 1.000 Besuchern, und ausdrücklich nur dann, wenn die Bauten keine Fliegenden Bauten sind. Die Schwelle von mehr als 200 Besuchern gilt für Versammlungsräume in Gebäuden. Ein Festival auf freier Fläche mit Bühnen aus dem Prüfbuch läuft deshalb meist über § 76 und nicht über die Versammlungsstätte-Systematik. Verbindlich ist immer die Landesbauordnung, nicht das Muster.
Infrastruktur auf unerschlossenem Grund und die Zone Camping
Auf einem Festivalgelände gibt es weder Steckdose noch Abfluss. Der Veranstalter liefert jede Versorgung an, baut sie auf, betreibt sie über die Laufzeit und fährt sie wieder ab. Fünf Stränge teilen sich dabei dieselben Wege:
- Energie. Aggregate mit Reserve, Verteilung in Ringen statt in Sackgassen, getrennte Kreise für Technik und Versorgung.
- Wasser und Sanitär. Mobile Sanitäranlagen als Anhänger oder Container mit eigenem Frisch- und Abwassertank. Die Dimensionierung nach Besucherzahl und Betriebsart steht im Sanitärkonzept Veranstaltung.
- Abfall. Behälter, Abholzyklen und Pfandrückgabe gehören in dieselbe Wegeplanung wie die Anlieferung. Siehe Abfallkonzept Veranstaltung.
- Wege und Boden. Fahrwege für Ver- und Entsorgung liegen getrennt von Besucherwegen, sonst blockiert die Müllabfuhr den Einlass.
- Absperrung. Bühnengitter, Mobilzaun und Einlassschleusen trennen Zonen, Gelände und Front of Stage.
Camping ist in der Festivalplanung eine eigene Zone, kein Anhängsel. Die Zeltfläche bekommt eigene Wegeführung, eigene Sanitärversorgung mit Morgenspitze und Duschen, eigene Abfalllogistik und Abstände zwischen den Zeltreihen, die als Brandschutzstreifen und als Rettungsweg gleichzeitig dienen. Sie hat außerdem einen anderen Tagesrhythmus als das Veranstaltungsgelände: Sie ist nachts belegt, wenn die Bühnen leer sind, und sie muss einen Tag länger stehen als alles andere.
Mehrbühnenbetrieb: das Programm erzeugt die Besucherströme
Zwei Bühnen mit überlappenden Slots verlegen in wenigen Minuten Tausende Besucher von einem Ort zum anderen. Die Wegebreite zwischen den Bühnen ist damit eine Programmentscheidung und keine reine Flächenfrage. Wer den Timetable ohne Blick auf den Geländeplan schreibt, baut die Engstelle mit ein.
Zwei Headliner gegeneinander gesetzt teilen das Publikum. Versetzt gesetzt lassen sie es geschlossen wandern. Bühnenpodeste und Tribünensysteme stehen deshalb selten dort, wo sie optisch am besten wirken, sondern dort, wo der Abfluss funktioniert. Die Grundlagen dazu stehen unter Besucherlenkung und Wegführung.
Team, Wetter und Rückbau
Die Produktionsleitung verteilt die Zuständigkeiten vor dem Aufbau, nicht auf der Fläche. Ein Festival hat mehr Schnittstellen als ein Eventtag, weil mehrere Gewerke gleichzeitig auf demselben Gelände arbeiten. Übergabepunkte gehören schriftlich fest: Wer gibt eine Bühne frei, wer entscheidet bei Wind.
- Produktionsleitung führt Zeitplan und Budget, koordiniert die Gewerkekoordination.
- Sicherheitsverantwortliche verantworten Räumung und Einlass, gemeinsam mit dem Ordnungsdienst.
- Der On-Site Supervisor hält auf der Fläche zusammen, was im Plan getrennt steht.
Beim Wetter zählt der Schwellenwert, nicht die Vorhersage. Vor dem Aufbau steht fest, bei welcher Windgeschwindigkeit eine Bühne gesperrt und ab wann das Gelände geräumt wird; die Werte stehen im Prüfbuch und in der Schlechtwetterplanung. Zelte und überdachte Flächen helfen dabei und tragen selbst Windlast. Die Veranstalterhaftpflicht schließt der Veranstalter vor der ersten Anlieferung ab, nicht vor dem Einlass.
Der Rückbau endet nicht mit dem letzten Lkw. Die Fläche geht in dem Zustand zurück, den der Pachtvertrag nennt, und der Boden nach drei Tagen Belastung entscheidet, ob es dabei bleibt. Fotos vor dem Aufbau sind der einfachste Nachweis dafür. Danach folgt die Nachbereitung mit Abrechnung und Auswertung.
Häufige Fragen
Festivalplanung ist die Vorbereitung einer mehrtägigen Open-Air-Veranstaltung, deren Infrastruktur vollständig auf eine Fläche ohne feste Anschlüsse gebracht wird. Sie reicht von der Standortprüfung über Genehmigungen, Budget und Aufbau bis zum Rückbau und zur Übergabe der Fläche nach dem letzten Veranstaltungstag.
- Konzept, Format und Zielgruppe festlegen.
- Gelände prüfen und die Fläche vertraglich sichern.
- Budget in getrennten Kostenblöcken aufstellen.
- Programm buchen und den Vorverkauf starten.
- Genehmigungen beantragen und das Sicherheitskonzept einreichen.
- Infrastruktur und Gewerke gemeinsam beauftragen.
- Ablaufplan, Aufbauplanung und Abnahmetermine festschreiben.
- Betrieb führen, zurückbauen und die Fläche übergeben.
| Kostenblock | Treiber |
|---|---|
| Fläche und Boden | Pacht, Bodenschutz, Wiederherstellung |
| Bühnen und Technik | Anzahl Bühnen, Dachlast, Ton und Licht |
| Absperrung | Geländeumfang und Zonentrennung |
| Sanitär, Wasser, Abfall | Besucherzahl, Duschen, Zyklus je Tag |
| Energie | Aggregatleistung und Kraftstoff |
| Personal | Ordnungs- und Sanitätsdienst, Schichten |
| Abgaben und Rechte | Gebühren, GEMA, Künstlersozialabgabe |
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Eine Gesamtsumme ist ohne Besucherzahl, Dauer und Standort nicht seriös zu nennen.
- Veranstaltungsgenehmigung der Kommune, oft mit Sondernutzung und Verkehrsrecht
- Ausführungsgenehmigung mit Prüfbuch für Bühnen, Tribünen und Zelte ab 75 m²
- Anzeige der Aufstellung und, auf Verlangen der Behörde, Gebrauchsabnahme
- Sicherheitskonzept mit Räumung, Einlass und Rettungswegen
- Auflagen zum Immissionsschutz für Schallpegel und Nachtruhe
- Schankanzeige für Ausschank und Gastronomie
- GEMA-Anmeldung für die öffentliche Musikwiedergabe
Der Vorlauf bemisst sich am längsten Einzelvorgang, und das ist fast nie der Aufbau. Für eine Erstauflage ist rund ein Jahr der übliche Ansatz in der Produktionsplanung, weil Genehmigung, Flächenvertrag und Programm nacheinander greifen. Verbindliche Fristen setzt jede Kommune selbst.
Verwandte Begriffe
Fachliche Grundlagen
- Musterbauordnung (MBO) § 76 — Fliegende Bauten: Ausführungsgenehmigung vor der ersten Aufstellung, Eintrag in das Prüfbuch, Zelte ab 75 m² Grundfläche. Musterrecht.
- Muster-Versammlungsstättenverordnung (MVStättVO) — Versammlungsstätten im Freien mit Szenenflächen ab mehr als 1.000 Besuchern, Versammlungsräume in Gebäuden ab mehr als 200 Besuchern. Musterrecht.
- Landesbauordnungen der Länder — verbindliche Rechtsgrundlage für Fliegende Bauten, Anzeige der Aufstellung und Gebrauchsabnahme; das Muster ist es nicht.