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Glossar

Mojo Barriers: die Publikumsbarriere vor der Bühne

Mojo Barriers halten den Druck des Publikums vor der Bühne. Dieser Beitrag erklärt die Bauart, das Planungsmaß der Linie und den Untergrund, den sie braucht.

7 Min. Lesezeit
Zuletzt aktualisiert: September 2026
Aluminium, ineinandergreifend · Fußplatte im Publikumsbereich · DIN EN 13200-3
Kurzfassung

Mojo Barriers sind Publikumsbarrieren aus Aluminium für den Bereich vor der Bühne. Die Elemente greifen ineinander und bilden eine durchgehende Linie, die den Druck des Publikums aufnimmt und in den Boden leitet. Von der Zuschauerseite lässt sich diese Linie nicht öffnen und nicht überklettern. Zur Bühne hin liegt eine Trittstufe, von der aus der Ordnungsdienst arbeitet. Der Markenname von 1988 steht heute für die gesamte Bauart.

01 — Definition

Was sind Mojo Barriers?

Mojo Barriers sind ein Barrierensystem aus Aluminium für den Bereich unmittelbar vor der Bühne. Die einzelnen Elemente greifen ineinander und bilden eine durchgehende Linie, die den Druck aus dem Publikum aufnimmt. Sie trennt Bühne und Zuschauerfläche und begrenzt den Arbeitsstreifen, in dem Ordnungsdienst und Sanitätsdienst stehen.

Im Fachgespräch fällt der Begriff in mehreren Formen. Sie finden ihn als mojobarriers in einem Wort, im englischen Sprachraum auch als mojo barricade oder stage barrier. Gemeint ist jedes Mal dasselbe Bauteil: ein tragendes Element, das ineinandergesteckt eine Linie bildet, und nicht ein einzelnes Gitter, das man irgendwo hinstellt.

Die Linie steht dort, wo der Druck entsteht. Bei einem Konzert drängt das Publikum nach vorn, und dieser Druck summiert sich über die gesamte Breite. Eine Publikumsbarriere nimmt ihn auf. Ein Bühnengraben entsteht erst durch sie: Der Streifen zwischen Bühnenkante und Barriere ist Arbeitsfläche und zählt nicht zur Publikumsfläche. Weitere Bauteile der Absperrtechnik finden Sie im MOJO Glossar.

02 — Bauart

Bauart und Merkmale, die die Linie tragen

Vier konstruktive Merkmale machen aus einem Aluminiumelement eine Publikumsbarriere. Die Elemente greifen ineinander, statt nur nebeneinanderzustehen. Die Fußplatte liegt auf der Publikumsseite am Boden. Das Frontpaneel ist geschlossen und gelocht, ohne Sprossen zum Klettern. Zur Bühne hin klappt ein Trittpodest herunter, von dem aus der Ordnungsdienst arbeitet.

  • Verkettung. Scharniere und Bolzen an der Oberkante verbinden jedes Element mit dem nächsten. Erst dadurch wird aus Einzelteilen eine Linie, die Last über ihre ganze Länge verteilt.
  • Fußplatte im Publikumsbereich. Die geriffelten Standplatten liegen flach vor der Barriere. Wer darauf steht, hält die Linie mit seinem eigenen Gewicht am Boden.
  • Geschlossenes Frontpaneel. Die Lochung lässt Luft und Sicht durch, bietet aber keinen Tritt. Von der Zuschauerseite gibt es keinen Griff und keinen Verschluss.
  • Trittpodest zur Bühnenseite. Aufgeklappt bringt es den Ordner auf Augenhöhe mit dem Publikum. Zusammengeklappt bleibt der Graben frei.

Der schräge Stützrahmen auf der Bühnenseite leitet den Druck nach unten in den Boden, statt ihn nach hinten weiterzugeben. Deshalb kippt die Linie nicht, obwohl sie nirgends verankert ist. Sichtbar wird das erst von innen. Von vorn sieht das Publikum nur eine glatte Wand.

Mojo Barriers: silberne Aluminiumbarriere in langer Linie, Trittbleche liegen auf den Bodenplatten
Die Trittbleche am Fuß liegen im Publikumsbereich. Wer davorsteht, hält die Linie mit seinem eigenen Gewicht am Boden.
03 — Kenndaten

Technische Kenndaten eines Barrierenelements

Ein Barrierenelement der aktuellen Generation G3 ist auf eine Horizontallast von 5 kN/m ausgelegt und dafür vom TÜV NORD nach ISE TDS 4th Edition zertifiziert, Zertifikat-Nr. 2400-D-228, gültig bis 2028. Das Profil ist hochfestes Aluminium nach ISO 2768 mk und damit rund 40 Prozent leichter als eine vergleichbare Stahlkonstruktion.

Belegte Kenndaten eines Barrierenelements der Generation G3
MerkmalBelegter WertBedeutung für die Planung
Horizontallast5 kN/m, zertifiziert nach ISE TDS 4th EditionBemessungswert der Linie, identisch für alle G3-Module
ZertifikatTÜV NORD, Nr. 2400-D-228, gültig bis 2028im Lastenheft nachweisbar, mit Ablaufdatum
Extremwertebis 7,48 kN/m in unabhängigen Tests (Lloyds British, TNO)Reserve über dem Normwert, nicht der Bemessungswert
SicherheitsmerkmaleAnti-Climb, Anti-Trip, verstärkte Verbindungszonenkein Tritt, keine Stolperkante an der Fußplatte
Länge, Höhe, Gewichtim PDF-Datenblatt des Elementsvariiert je Generation

Tabelle horizontal scrollbar

Sie bestellen Elemente, keine Meter. Eine Linie aus geraden Grundelementen wie dem MOJO Barrier G3 Straight lässt sich rechnerisch aufteilen, sobald der Verlauf feststeht. Ecken, Türen und Kabeldurchlässe kommen als eigene Positionen dazu.

04 — Abgrenzung

Was Mojo Barriers von einem Absperrgitter unterscheidet

Der Unterschied ist die Last. Eine Publikumsbarriere nimmt Publikumsdruck auf, ein Absperrgitter trennt nur Flächen und Wege. Ein Wellenbrecher steht wiederum vor der Frontlinie und teilt die Publikumsfläche, damit weniger Druck vorn ankommt. Umgangssprachlich meinen viele damit dasselbe Bauteil.

Die vollständige Gegenüberstellung der Bauarten samt Bauzaun steht im Beitrag Bühnengraben und wird hier nicht wiederholt. Für diese Seite zählt die Folge daraus: Ein Absperrgitter darf nie die Frontlinie bilden, und ein Wellenbrecher ersetzt sie nicht. Wo Publikum drückt, gehört eine Publikumsbarriere hin.

05 — Aufbau

Wie eine Barrierenlinie vor der Bühne entsteht

Die Linie wird früh geplant und spät gebaut. Sie steht im Geländeplan, bevor die Bühne gesetzt ist, denn sie verschiebt die Publikumsfläche nach hinten. Das Team stellt sie erst kurz vor Einlass, weil sie danach jeden Transportweg über die Fläche abschneidet.

  1. Bühnenstandort festlegen und den Verlauf der Linie auf der Fläche abstecken.
  2. Untergrund prüfen, Bodenplatten und Kabelbrücken vor der Linie verlegen.
  3. Erstes Element ausrichten und die Fußplatte zur Publikumsseite hin auslegen.
  4. Elemente aneinanderreihen, an der Oberkante verbolzen und den Bogen laufend kontrollieren.
  5. Ecken, Türen und Kabeldurchlässe an den geplanten Stellen einsetzen.
  6. Trittpodeste aufklappen, die Linie abgehen und jede Verbindung einzeln prüfen.

Wer abnimmt, hält das Ergebnis schriftlich fest. Diese Reihenfolge gehört in die Aufbauplanung und in die Eventlogistik, weil die Linie ab Schritt vier den Materialfluss quer über das Feld unterbricht.

06 — Planungsmaß

Das Planungsmaß der Barrierenlinie

Die Barrierenlinie ist länger, als die Bühne breit ist. Sie läuft im flachen Bogen, sie kehrt an beiden Enden nach hinten um, und jeder Durchlass kostet zusätzliche Elemente. Wer nur die Bühnenbreite bestellt, hat am Aufbautag zu wenig Material auf dem Hof.

Das Maß entsteht aus dem Site-Plan: Bogenlänge der Front, dazu die beiden Schenkel bis zur Bühnenseite, dazu die Sonderelemente. Erst diese Summe teilen Sie durch die Elementlänge. Die Bogenform selbst ist kein Zierrat. Sie führt den Druck aus der Publikumsmitte zu den Seiten ab, statt ihn auf einen Punkt zu lenken.

Wie viel Publikumsfläche danach übrig bleibt, gehört in die Flächenplanung. Verschiebt sich die Bühne im Plan um zwei Meter nach vorn, ändern sich beide Zahlen: die Länge der Linie und die Zahl der Plätze dahinter.

07 — Untergrund

Untergrund und Standsicherheit

Die Barriere hält nur, was der Boden unter ihr hält. Die Fußplatte gibt den Druck flächig nach unten ab, und dieser Druck landet auf Asphalt, Rasen, Sand oder Hallenboden. Jeder dieser Böden reagiert anders, und keiner trägt die Linie von sich aus.

Auf Asphalt und Beton liegt die Platte plan auf, die Reibung genügt. Auf Rasen und Sand nicht: Dort sinkt sie ungleichmäßig ein, und die Linie verliert ihre Flucht. Bodenplatten unter der Fußplatte und vor der Linie schaffen die ebene Fläche, die es dafür braucht. Das gehört ins Bodenschutzkonzept und nicht in die Improvisation am Aufbautag.

Innenseite einer Aluminiumbarriere mit schrägem Stützrahmen und aufgeklappten Trittpodesten über Gras
Der schräge Stützrahmen leitet den Druck in den Boden. Was darunter liegt, entscheidet, ob die Linie ihre Flucht hält.

In der Halle und auf jeder Konstruktion entscheidet die Flächenlast, ob die Linie dort stehen darf. Die Standsicherheit einer Publikumsbarriere ist keine Eigenschaft des Elements allein, sondern die des Elements auf diesem Boden.

08 — Zugänge

Zugänge und Not-Öffnungen in der Linie

Eine durchgehende Linie braucht geplante Löcher. Ohne Durchlass kommt niemand vom Graben ins Publikum und niemand zurück, und im Notfall entscheidet genau das über Minuten. Diese Öffnungen sind Bauteile und keine Lücken, die beim Aufbau übrig bleiben.

  • Türelemente in der Front. Sie öffnen ausschließlich zur Bühnenseite, damit der Publikumsdruck sie zudrückt und nicht aufdrückt.
  • Durchlässe für Ordner und Sanitätsdienst an den Enden des Bogens. Dort verlässt der Sanitätsdienst den Graben, ohne durch das Publikum zu müssen.
  • Ausstiegshilfe über die Barriere. Vom Trittpodest aus heben zwei Ordner eine Person aus dem Gedränge nach vorn. Das ist der eigentliche Grund für das Podest.

Wohin diese Wege weiterführen, steht in den Fluchtwegen und in der Wegführung. An der Barriere endet keiner von ihnen.

09 — Crowd Management

Die Barriere im Crowd Management

Die Barriere ist Material, Crowd Management ist die Aufgabe. Die Linie trägt dieses Dispositiv physisch: Hinter ihr steht der Ordnungsdienst mit Blick ins Publikum, vor ihr entsteht die Zone mit der höchsten Dichte des ganzen Geländes.

Dort arbeitet Personal, nicht Technik. Die Ordner an der Linie sehen zuerst, wenn der Druck steigt, wenn jemand fällt oder wenn eine Person nach vorn gereicht wird. Sie geben Wasser aus, sie heben Besucher heraus, sie melden nach hinten. Die Barriere gibt ihnen dafür Standplatz und Blickrichtung.

Schwarze Barrierenlinie entlang eines leeren Publikumsfelds, dahinter ein Bühnenportal mit LED-Wänden
Vor dieser Linie entsteht später die höchste Personendichte des ganzen Geländes. Dahinter arbeitet der Ordnungsdienst.

Deshalb steht die Linie im Sicherheitskonzept und nicht nur auf der Materialliste. Ihr Verlauf, ihre Durchlässe und die Zahl der Kräfte dahinter entscheidet der Veranstalter vor dem Aufbau. Aus der Risikobewertung kommt, wie viel Druck überhaupt zu erwarten ist.

10 — Marke oder Gattung

Marke oder Gattungsbegriff

Beides. Mojo Barriers ist eine Marke aus den Niederlanden, gegründet 1988 als Ableger des Konzertveranstalters Mojo Concerts und nach eigener Darstellung das erste Unternehmen mit einem eigens entwickelten Bühnenbarrieren-System. Im Sprachgebrauch meint der Begriff heute die Bauart.

Sichtbar wird das an den Produktnamen anderer Anbieter. Mehrere Hersteller verkaufen ihre Nachbauten ausdrücklich als „Mojo Type“ oder „Mojo Style Stage Barrier“. Wer eine Publikumsbarriere ausschreibt und dabei „Mojo Barriers“ schreibt, benennt damit häufig nur den Typ und nicht das Produkt der Marke. In einem Lastenheft entscheidet dieser Unterschied darüber, welches Angebot am Ende vergleichbar ist.

Die Prüfhistorie unterscheidet das Original vom Typ. 1988 entstanden die ersten Barrikaden aus Stahl. Den ersten Aluminium-Prototyp prüfte 1998 das niederländische Institut TNO: Er hielt 5,1 kN/m ohne bleibende Verformung und wurde bis 10 kN/m belastet. 2013 zertifizierte TÜV Nederland die Generationen G1 und G2 auf 5 kN/m ohne Abweichungen. Seit 2025 trägt die G3-Serie die TÜV-NORD-Zertifizierung.

MOJO Rental Germany entwickelt und stellt die Barrieren bereit. Bühnengitter dieser Bauart liegen als mobiles Material im Mietbestand, in den Generationen G1, G2 und G3, dazu Ecken und Kabeldurchlässe. Das Angebot steht auf der Seite Mojo Barriers mieten und in der Kategorie Bühnengitter aus Aluminium im Mietbestand. Dieser Beitrag erklärt das Bauteil.

FAQ

Häufige Fragen

Mojo Barriers sind Publikumsbarrieren aus Aluminium für den Bereich vor der Bühne. Die Elemente greifen ineinander und bilden eine durchgehende Linie, die den Druck des Publikums aufnimmt und in den Boden leitet. Von der Zuschauerseite lässt sich die Linie nicht öffnen und nicht überklettern.

Der Unterschied liegt in der Last, die die Bauart aufnehmen darf.

Publikumsbarriere, Absperrgitter und Wellenbrecher im Vergleich
BauartPublikumsdruckDarf sie die Frontlinie bilden?
Publikumsbarriere (Mojo Barriers)nimmt ihn aufja, dafür ist sie gebaut
Absperrgitter (Steckgitter)nimmt ihn nicht aufnein, nur im Rückraum
Wellenbrecherverteilt ihn in der Flächenein, er steht davor

Tabelle horizontal scrollbar

  1. Bühnenstandort und Verlauf der Linie im Geländeplan festlegen.
  2. Untergrund herrichten und Bodenplatten vor der Linie verlegen.
  3. Elemente mit der Fußplatte zur Publikumsseite aneinanderreihen.
  4. An der Oberkante verbolzen, Türen und Kabeldurchlässe einsetzen.
  5. Trittpodeste aufklappen und jede Verbindung abgehen.

Für Abschrankungen in Zuschaueranlagen gilt DIN EN 13200-3, aktuelle Fassung 2018-12. Sie regelt Anordnung und Produktmerkmale der Trennelemente in ständigen und in provisorischen Veranstaltungsstätten. Die G3-Elemente sind auf eine Horizontallast von 5 kN/m ausgelegt und dafür TÜV-NORD-zertifiziert. Theater, Kinos und Hörsäle erfasst die Norm nicht.

Beides. Mojo Barriers ist eine Marke aus den Niederlanden, seit 1988 am Markt. Weil andere Hersteller ihre Nachbauten selbst als „Mojo Type“ anbieten, steht der Name im Sprachgebrauch heute für die gesamte Bauart. In einer Ausschreibung sollten Sie deshalb die Bauart beschreiben und nicht nur den Namen nennen.

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Verwandte Begriffe

Grundlagen

Fachliche Grundlagen

  • DIN EN 13200-3:2018-12, Zuschaueranlagen, Teil 3: Abschrankungen, Anforderungen. Titel, Fassung und Geltungsbereich nach Normauskunft DIN Media, dinmedia.de.
  • Markenherkunft und Gründungsjahr 1988: Unternehmensangabe des Markeninhabers, mojobarriers.com.
  • TÜV-Zertifizierung, Lastwerte und Prüfhistorie: Herstellerangaben MOJO Rental, mojorental.de, Übersichtsseite MOJO Barriers und Produktseite MOJO Barrier G3 Straight (Artikelnr. 1011655.00).
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