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Glossar

Rigging in der Veranstaltungstechnik

Rigging hält alles oben, was über den Köpfen des Publikums hängt. Dieser Beitrag erklärt die Tätigkeit, die Bauteile und die Verantwortung dahinter.

7 Min. Lesezeit
Zuletzt aktualisiert: September 2026
Lastpfad nach oben · Hängepunkt und Rigg · Full-Service Aufbau
Kurzfassung

Rigging bezeichnet das Anschlagen, Heben, Positionieren und Sichern von Lasten über Personen. Dazu gehören vier Bausteine: die tragende Konstruktion, die Hebezeuge, die Anschlagmittel und die Sicherungen. Es ist das erste technische Gewerk im Aufbau. Licht, Ton und Video hängen erst, wenn die Punkte gesetzt und freigegeben sind. MOJO Rental stellt Traversen und Bühnen und übernimmt den Aufbau als Leistung.

01 — Was ist Rigging?

Was ist Rigging in der Veranstaltungstechnik?

Rigging ist in der Veranstaltungstechnik das Anschlagen, Heben, Positionieren und Sichern von Lasten über Personen. Gemeint sind Scheinwerfer, Lautsprecher, Videowände, Banner und Bühnendächer, die an einer Traverse oder an der Gebäudestruktur hängen. Rigging endet nicht mit dem Aufhängen, sondern mit der dokumentierten Abnahme.

Der Unterschied zum Traversensystem ist einfach: Die Traverse ist das Bauteil, Rigging die Arbeit daran. Gemeint ist die Tätigkeitsebene: welche Last hängt woran, mit welchem Anschlagmittel, an welchem Punkt.

Jede Verbindung in einem Rigg ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Maßgeblich ist das schwächste Bauteil, nicht das größte.

02 — Herkunft und Abgrenzung

Woher der Begriff kommt und was er nicht meint

Der Begriff stammt aus der Segelschifffahrt und bezeichnet dort die Takelage: alles, was Masten und Segel hält. In der Veranstaltungstechnik steht er für die Arbeit an Hängelasten.

Drei Wörter werden häufig verwechselt. Das Rigg ist die fertige Konstruktion aus Traversen, Motoren und Anschlagmitteln. Rigging ist die Tätigkeit. Der Rigger ist die Person, die sie ausführt.

Eine zweite Bedeutung gibt es in der 3D-Animation, dort meint das Wort das Einsetzen eines Skeletts in ein digitales Modell. Beide Felder teilen nur den Begriff. Dieser Beitrag behandelt ausschließlich die Veranstaltungstechnik.

03 — Die vier Bausteine

Die vier Bausteine eines Riggs

Ein Rigg besteht aus vier Bausteinen. Fällt einer aus, trägt die Konstruktion nicht mehr. Wer ein Rigg beurteilt, geht diese vier Ebenen von oben nach unten durch.

  • Die tragende Konstruktion. Traversen, Türme oder die Gebäudestruktur selbst. Bauformen, Werkstoff und Verbindungstechnik stehen im Beitrag Traversensystem. MOJO vermietet dafür Traversen als Tragwerk für Hängelasten.
  • Die Hebezeuge. Elektrokettenzüge, Handkettenzüge und Seilwinden heben die Last und halten sie in Position.
  • Die Anschlagmittel. Rundschlingen, Stahlseile, Kettengehänge und Schäkel verbinden die Last mit dem Hebezeug oder direkt mit der Traverse.
  • Die Sicherungen. Sekundärsicherungen fangen eine Last auf, wenn die Hauptbefestigung versagt.
Rigging an der Bühnentraverse: Riggerin mit Helm und Klettergurt arbeitet an einem schwarzen Traversenturm
Die tragende Konstruktion ist der erste der vier Bausteine, hier ein schwarz lackierter Traversenturm im Freien.
04 — Der Hängepunkt

Der Hängepunkt: woher die zulässige Traglast kommt

Ein Hängepunkt ist die Stelle, an der eine Last in das Tragwerk eingeleitet wird. Die zulässige Traglast je Hängepunkt ist eine Angabe des Betreibers mit Einheit und Quelle, nicht eine Erfahrungsgröße der Technik. Sie steht im Datenblatt der Halle, in der Hallenordnung oder im Rigging-Plan des Hauses. Fragen Sie sie schriftlich ab, bevor Sie planen.

Die Auskunftslage entscheidet über den weiteren Weg:

Auskunftslage zur zulässigen Traglast je Hängepunkt und ihre Folgen
Was vorliegtWie belastbarWas daraus folgt
Datenblatt des Betreibers mit kg je PunktbelegtPlanung gegen diesen Wert, Reserve einrechnen
Mündliche Auskunft ohne Zahlnicht belegtschriftliche Bestätigung anfordern
Statiker-Nachweis für definierte Punktebelegt, aber begrenztnur diese Punkte nutzen, keine Zwischenpositionen
Keine Angabe verfügbarkeine GrundlageGround Support statt Abhängung

Tabelle horizontal scrollbar

Die letzte Zeile ist die wichtigste. Fehlt die Traglastangabe, ist Ground Support die Antwort und nicht eine Schätzung. Wie sich die Last von dort nach unten verteilt, steht unter Punktlast und Flächenlast.

05 — Wenn Hängepunkte fehlen

Wenn Hängepunkte fehlen: Ground Support

Ground Support heißt, dass die Konstruktion sich selbst trägt. Türme aus Traversen stehen auf dem Boden, die Kettenzüge heben den Trägerrost daran hoch, die Gebäudestruktur bleibt unbelastet. Die Entscheidungsfrage lautet nie „was sieht besser aus“, sondern „liegt eine belastbare Traglastangabe vor“.

Ground Support kostet Stellfläche und braucht tragfähigen Untergrund samt Nachweis der Standsicherheit. Dafür ist er vom Haus unabhängig und in Zelten, auf Open-Air-Flächen und in Hallen ohne freigegebene Punkte oft die einzige zulässige Variante. Der Konstruktionsvergleich steht im Traversensystem.

06 — Kettenzüge und Motorklassen

Hebezeuge: Kettenzüge und die Klassen D8, D8+ und C1

Elektrokettenzüge heben die Last und halten sie oben. Welcher Motor wo hängen darf, hängt davon ab, ob sich Personen unter der Last aufhalten. Die Veranstaltungstechnik unterscheidet dafür drei Klassen. Die Einordnung folgt der IGVW-Richtlinie SQ P2 und der DGUV Vorschrift 17.

Motorklassen D8, D8+ und C1 im Vergleich
KlasseWas der Motor darfVoraussetzung
D8Heben und Senken beim Auf- und AbbauLast über Personen nur mit Sekundärsicherung halten, oft „totgehängt“
D8+Heben und Halten ohne Sekundärsicherungkeine Personen unter der bewegten Last
C1Bewegen auch mit Personen unter der Lastdoppelt bremsende Bauart, höchste Sicherheitsanforderung

Tabelle horizontal scrollbar

„Tothängen“ heißt: Die Last hängt nach dem Heben über ein separates Anschlagmittel direkt an der Traverse, der Motor trägt nichts mehr. Kinetische Elemente, die vor Publikum fahren, brauchen C1-Technik. MOJO vermietet keine Kettenzüge; die Motorik bringt der Technikdienstleister mit oder MOJO plant sie im Full-Service ein.

07 — Anschlagmittel

Anschlagmittel und ihre Auswahl

Anschlagmittel verbinden die Last mit dem Hebezeug oder mit der Traverse. Die Auswahl richtet sich nach Kante, Temperatur und Anschlagart, nicht nach dem, was gerade im Case liegt. Jedes Anschlagmittel trägt ein Etikett mit seiner zulässigen Tragfähigkeit (WLL, englisch auch SWL).

  • Rundschlinge aus Kunstfaser: leicht und schonend, empfindlich gegen scharfe Kanten und Hitze.
  • Stahlseil-Gehänge: unempfindlich gegen Kanten und Wärme, dafür sperrig in der Handhabung.
  • Kettengehänge: längenverstellbar, geeignet für hohe Lasten und raue Umgebung.
  • Schäkel: Verbindungsglied zur Traverse oder zum Rigging-Ring, Bolzen vollständig eingeschraubt und gesichert.
  • Rigging-Ring am Gerät: nimmt die Kraft auf, für die das Gerät gebaut wurde. Kein Ersatz durch Bügel oder Griffe.

Der Neigungswinkel zählt mit: Je schräger der Zug, desto geringer die zulässige Last je Strang.

08 — Sekundärsicherung

Sekundärsicherung: was eine Safety leistet

Eine Sekundärsicherung, im Alltag „Safety“ genannt, ist ein zweites Anschlagmittel neben der eigentlichen Befestigung. Sie verhindert den Absturz, wenn die Hauptbefestigung versagt. Sie ersetzt keine fehlerhafte Montage.

Der Unterschied ist praktisch: Eine Safety fängt einen gerissenen Bügel auf, aber keinen Scheinwerfer, der nie richtig befestigt war. Beim Auffangen entstehen kurze, hohe Kräfte weit über dem Eigengewicht; die Größenordnung erklärt der Beitrag Impact Loads. Deshalb wird die Safety kurz gehalten und straff geführt.

09 — Der Rigging-Plan

Der Rigging-Plan als Dokument

Der Rigging-Plan ist kein Gedanke, sondern ein Papier. Er listet jeden Hängepunkt einzeln auf, bevor jemand auf die Traverse steigt. Ohne ihn lässt sich am Aufbautag nicht mehr klären, wer welche Last angenommen hat.

Er enthält mindestens: Position jedes Punktes im Grundriss, die dort angenommene Last in Kilogramm, die Motorklasse je Punkt, das Anschlagmittel und die Sekundärsicherung. Erstellt wird er von der verantwortlichen Person der Produktion, freigegeben von der Location oder deren Statiker. Er gehört als Anlage in die Aufbauplanung.

10 — Wer Rigging durchführen darf

Wer Rigging durchführen darf

Rigging über Personen ist qualifizierte Arbeit. Die Grundlage bilden die DGUV Vorschrift 17 für Veranstaltungs- und Produktionsstätten und die SQ-Reihe der IGVW, die Anforderungen an Personen und Hebezeuge beschreibt. Wer anschlägt, muss die Ablegereife eines Anschlagmittels erkennen und die Lastannahme lesen können.

Meist arbeiten mehrere Beteiligte zusammen: Produktion, Technikdienstleister, Location. Verantwortung entsteht dabei nicht automatisch beim Ausführenden. Sie wird vor dem Aufbau schriftlich zugeordnet, sonst bleibt sie im Zweifel beim Veranstalter. Die Gewerkekoordination und der On-Site Supervisor halten diese Zuordnung am Aufbautag zusammen, die Sicherheitsunterweisung Veranstaltung dokumentiert sie.

Zwei Personen kontrollieren einen Schraubkarabiner, ein Abseilgerät und ein Kernmantelseil
Vor dem Aufstieg prüfen zwei Kollegen Karabiner, Gerät und Seil gegenseitig.
11 — Rigging im Load-in

Rigging im Load-in: das erste Gewerk

Rigging ist das erste technische Gewerk im Aufbau. Licht, Ton und Video hängen erst, wenn die Punkte gesetzt und freigegeben sind. Verschiebt sich dieses Gewerk um zwei Stunden, verschiebt sich der gesamte Aufbautag um zwei Stunden.

Deshalb steht es im Load-in ganz vorn, und deshalb ist der Hallenboden währenddessen für andere Gewerke gesperrt. Beim Changeover zwischen zwei Acts gilt dasselbe in klein: Was hängt, bleibt hängen, gewechselt wird darunter. Die gesamte Ablaufplanung dieser Phase gehört zur Eventproduktion.

Drei Techniker gehen über eine Bühne und blicken zu den Hängepunkten über ihnen hinauf
Der Blick nach oben entscheidet den Aufbautag: Erst wenn die Punkte stehen, beginnt der Rest.
12 — Typische Fehler

Typische Fehler im Rigging

Die Fehler wiederholen sich, und sie entstehen selten beim Rechnen, sondern wenn unter Zeitdruck eine Annahme ungeprüft bleibt. Fünf sehen wir auf Aufbauten am häufigsten:

  1. Die Traglast wird geschätzt. Der Betreiber hat keine Zahl genannt, und jemand setzt einen Erfahrungswert an.
  2. Das schwächste Glied wird übersehen. Kräftige Traverse, kräftiger Motor, dazwischen ein Schäkel für die halbe Last.
  3. Die Safety hängt zu lang. Sie greift dann erst nach einem längeren Fall und erzeugt eine deutlich höhere Kraft.
  4. Der Neigungswinkel bleibt unberücksichtigt. Zwei schräge Stränge tragen weniger als zwei senkrechte.
  5. Nachträgliche Zuladung ohne neue Prüfung. Ein zusätzlicher Scheinwerfer wirkt harmlos, verändert aber den geplanten Punkt.
13 — Prüfung, Miete, Full-Service

Prüfung, Ablegereife und die Frage nach der Rolle

Anschlagmittel und Hebezeuge sind wiederkehrend zu prüfen. Nach DGUV Regel 109-017 prüft eine befähigte Person sie mindestens einmal jährlich, bei harten Einsatzbedingungen häufiger. Geprüft wird auf Ablegereife: Brüche, Verformung, Hitzeschäden, unlesbare Kennzeichnung. Ein Anschlagmittel ohne lesbares Etikett ist unbrauchbar, auch wenn es heil aussieht.

Hier trennen sich zwei Rollen, und die Unterscheidung entscheidet, wer im Schadensfall nachweispflichtig ist. Wer Material nur mietet, verantwortet Prüfnachweis, Ablegereife und Einsatzeignung selbst. Wer den Aufbau als Leistung einkauft, gibt diese Verantwortung an den Dienstleister ab.

MOJO Rental steht auf beiden Seiten dieser Linie, klar getrennt. Als Vermieter stellt MOJO das Tragwerk: Traversen sowie Bühnen inklusive Planung der Rigging-Punkte und Aufbau mit geprüfter Statik und Standsicherheitsnachweis. Kettenzüge und Anschlagmittel gehören nicht zum Mietbestand. Als Dienstleister übernimmt MOJO Auf- und Abbau mit eigenen Teams und damit das Rigging an der eigenen Konstruktion. Weitere Begriffe zu Lastpfad und Aufbau stehen im MOJO Glossar.

FAQ

Häufige Fragen

Rigging bezeichnet in der Veranstaltungstechnik das Anschlagen, Heben, Positionieren und Sichern von Lasten über Personen. Dazu zählen Scheinwerfer, Lautsprecher, Videowände und Bühnendächer. Ein Rigg besteht aus tragender Konstruktion, Hebezeugen, Anschlagmitteln und Sicherungen. Die Arbeit endet mit der dokumentierten Abnahme, nicht mit dem Aufhängen der letzten Last.

Wörtlich übersetzt bedeutet Rigging „Takelage“ und stammt aus der Segelschifffahrt. In der Veranstaltungstechnik gibt es keine gebräuchliche deutsche Entsprechung. Am nächsten kommt „Anschlagen und Abhängen von Lasten“.

Ein Rigger plant und montiert Hängelasten in der Veranstaltungstechnik. Er setzt Hängepunkte, wählt Anschlagmittel aus, bedient Kettenzüge und prüft die fertige Konstruktion. Die Qualifikation richtet sich nach der DGUV Vorschrift 17 und den SQ-Papieren der IGVW.

  1. Traglast je Hängepunkt beim Betreiber schriftlich abfragen.
  2. Rigging-Plan erstellen: Punkte, Lasten, Motorklassen, Anschlagmittel.
  3. Plan durch Location oder Statiker freigeben lassen.
  4. Punkte einmessen und markieren, Motoren und Anschlagmittel setzen.
  5. Traversen am Boden aufbauen, Technik montieren, dann heben.
  6. Sekundärsicherungen setzen, Konstruktion abnehmen und die Abnahme dokumentieren.
  • Tragende Konstruktion: Traversen, Türme, Ground Support, Gebäudestruktur
  • Hebezeuge: Elektrokettenzüge, Handkettenzüge, Seilwinden
  • Anschlagmittel: Rundschlingen, Stahlseile, Kettengehänge, Schäkel
  • Sicherungen: Sekundärsicherungen und Anschlagpunkte am Gerät
  • Unterlagen: Rigging-Plan, Traglastnachweis, Prüfnachweise, Abnahme
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Verwandte Begriffe

Grundlagen

Fachliche Grundlagen

  • DGUV Vorschrift 17 — Veranstaltungs- und Produktionsstätten für szenische Darstellung; Grundlage für Qualifikation und Verantwortung beim Rigging.
  • DGUV Regel 109-017 — wiederkehrende Prüfung von Anschlagmitteln und Hebezeugen durch eine befähigte Person, mindestens einmal jährlich.
  • IGVW SQ P2 — Richtlinie zu Hebezeugen in der Veranstaltungstechnik; Einordnung der Motorklassen D8, D8+ und C1.
  • IGVW SQ-Reihe — Anforderungen an Personen und Hebezeuge in der Veranstaltungstechnik.
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