Skip to main content
Glossar

Traversensystem: Bauformen, Lastpfad und Aufbau von Traversen

Ein Traversensystem trägt Licht, Ton und Video über den Köpfen des Publikums. Wie sich die Bauformen unterscheiden, wo der Lastpfad endet und wer aufbauen darf.

8 Min. Lesezeit
Zuletzt aktualisiert: September 2026
Bauformen · Lastpfad · Rigging
Kurzfassung

Ein Traversensystem ist ein modularer Fachwerkträger aus Aluminium- oder Stahlrohren, der Nutzlasten über Kopf aufnimmt: Scheinwerfer, Lautsprecher, LED-Flächen, Banner. Die Bauform benennt die Anzahl der Gurtrohre, von der 1-Punkt- bis zur 4-Punkt-Traverse. Für die Planung entscheidend ist nicht die Traverse allein, sondern der Lastpfad bis zum Untergrund und die Frage, ob die Konstruktion vom Boden trägt oder an der Gebäudestruktur hängt.

01 — Definition

Was ist ein Traversensystem?

Ein Traversensystem ist ein modulares Tragwerk aus verbundenen Rohren, das Nutzlasten über Kopf aufnimmt und in Stützen oder Aufhängepunkte weiterleitet. Die einzelnen Traversen sind Fachwerkträger: Die Gurtrohre nehmen Zug und Druck auf, diagonale Streben verhindern das Ausknicken. Aus wenigen Standardteilen entsteht damit eine tragende Konstruktion in fast jeder Länge.

Im Fachgebrauch heißt das Bauteil auch Truss, nach dem englischen Wort für Fachwerk. „Truss Traverse”, „Traverse” und „Traversensystem” meinen dieselbe Sache. Für Konstruktion und Fertigung von Aluminium- und Stahltraversen gilt DIN EN 17115:2018-10, die statische Bemessung folgt den Eurocodes, und der Branchenstandard IGVW SQ P1 fasst die Anforderungen an Traversensysteme zusammen. Geringes Eigengewicht und kurze Aufbauzeiten erklären, warum Traversen in der Veranstaltungstechnik das Standardmittel für Lasten über Kopf sind. Die angrenzenden Fachbegriffe zu Lastannahmen und Nachweisen finden Sie im MOJO-Glossar.

02 — Bauformen

Bauformen: von der 1-Punkt- bis zur 4-Punkt-Traverse

Die Bauform einer Traverse wird nach der Anzahl ihrer Gurtrohre benannt. Ein Gurtrohr ist ein durchlaufendes Längsrohr: Ein einzelnes Rohr bleibt rund, zwei Gurtrohre ergeben eine Leiter, drei einen dreieckigen Querschnitt, vier einen quadratischen. Mit jedem Gurtrohr steigen Tragkraft und Eigengewicht. Die Wahl folgt der Last und der Stützweite.

Bauformen von Traversen nach Anzahl der Gurtrohre
BauformQuerschnittTypische Verwendung
1-Punkt (Einzelrohr)rundDekoration, Banner, leichte Abhängungen
2-Punkt (Leiter)flachStandkanten, Stoffbahnen, leichte Strahler
3-PunktDreieckLichttraverse mittlerer Spannweite, Messebau
4-PunktQuadratBühnendach, Ground Support, Rigging-Grid

Tabelle horizontal scrollbar

Der Unterschied zwischen 3-Punkt- und 4-Punkt-Traverse liegt weniger in der reinen Tragkraft als in der Verdrehsteifigkeit. Ein quadratischer Querschnitt nimmt Torsion auf, ein dreieckiger gibt bei außermittiger Last nach. Wer einen Movinghead seitlich an eine 3-Punkt-Traverse hängt, belastet sie auf Verdrehung. Im MOJO-Bestand liegen eine 4-Punkt-Traverse aus Aluminium und eine 3-Punkt-Traverse für leichtere Aufbauten jeweils in 3 m Länge, dazu kürzere 4-Punkt-Stücke ab 0,5 m für Anschlüsse und Reststücke.

03 — Werkstoff & Verbinder

Werkstoff, Modularität und Verbindungstechnik

Traversen bestehen im Regelfall aus Aluminium, bei großen Spannweiten und hohen Lasten aus Stahl. Aluminium hat rund ein Drittel der Dichte von Stahl, weshalb sich ein Alu-Traversensystem von Hand richten lässt. Stahl trägt mehr und verlangt Hebezeug. DIN EN 17115 deckt beide Werkstoffe ab.

Ein System besteht aus geraden Längen, Eckblöcken und Verbindern. Eckblöcke gibt es als 90-Grad-Ecke, als T-Stück, als Kreuz sowie mit fünf oder sechs Abgängen; sie schließen ein Portal oder verzweigen ein Grid. Die geraden Stücke folgen einem Längenraster, sodass eine Spannweite ohne Sonderteil zusammengesetzt werden kann. Die Rastermaße selbst sind herstellerabhängig.

Gekoppelt werden die Stücke meist über Konusverbinder. In die Gurtrohre greifen Spigots, quer dazu sichern Bolzen und R-Clips die Verbindung. Der Konus zieht die Stirnflächen beim Einschlagen zusammen, sodass der Stoß auf Druck trägt und die Traverse über den Anschluss hinweg als durchgehender Träger wirkt. Die Alternative ist die Schraubverbindung über Flanschplatten, langsamer in der Montage und häufiger bei Stahltraversen.

Gleiche Bauform heißt nicht gleiche Kupplung. Rohrdurchmesser, Wandstärke, Achsabstand der Gurtrohre und Verbindertyp unterscheiden sich zwischen den Herstellern, und schon eine abweichende Konusgeometrie macht zwei 4-Punkt-Traversen unkoppelbar. Für einen Aufbau gehört deshalb alles aus einer Serie. Für eine Nachbestellung gehört die Serienbezeichnung ins Lastenheft, nicht die Angabe „4-Punkt, 3 m”.

04 — Einsatzfelder

Wo Traversensysteme eingesetzt werden

Ein Traversensystem trägt, was über den Köpfen des Publikums hängt: Scheinwerfer und Movingheads, Lautsprecherarrays, LED-Flächen und Videowände, Banner und Dekorationsstoffe, dazu Kameras und Funkantennen. Auf der Bühne bildet es die Bühnentraverse und das Bühnendach, im Messebau die Raumkante eines Standes.

Die Bühnentraverse hängt quer über der Spielfläche und nimmt das Frontlicht auf. Bei einer Openair-Bühne trägt dieselbe Konstruktion zusätzlich das Dach und damit Wind- und Schneelast, was die zulässige Hängelast senkt. Die Windlast bei Veranstaltungen gehört deshalb in dieselbe Rechnung wie die Technik. Unter der Traverse liegt in der Regel ein Bühnenpodest, dessen Belastbarkeit getrennt zu prüfen ist.

Schwarz lackiertes Traversenportal mit Dachsegel, Strahlern an der Dachkante und Podest
Vier Stützen, ein umlaufender Rahmen, Eckblöcke an den Kanten: ein Portal setzt die Raumkante eines Standes.

Im Messebau setzen Traversen die Kante eines Standes: ein Portal aus vier Stützen und einem umlaufenden Rahmen, daran Beleuchtung, Grafikflächen und ein Dachsegel. Messestand-Traversen bleiben dabei sichtbares Gestaltungsmittel und sind meist schwarz lackiert. Begrenzt wird die Geometrie nicht von der Traverse, sondern von der Kopfhöhe unter dem Rahmen, dem Abstand zum Nachbarstand und der Führung der Fluchtwege. Diese Maße gehören in die Messeplanung, nicht in die Standmontage.

05 — Lastpfad

Der Lastpfad: von der Hängelast bis zum Untergrund

Jede Hängelast an einer Traverse endet unten als Punktlast. Der Scheinwerfer belastet das Gurtrohr, die Traverse gibt die Summe an ihre Stützen ab, und der Traversenfuß drückt sie auf wenige Quadratzentimeter Aufstandsfläche in den Boden. Die zulässige Punktlast des Untergrunds begrenzt die Konstruktion ebenso wie die Traverse selbst.

Diese zweite Grenze wird in der Planung häufiger übersehen als die erste. Ein Hallenboden, ein Deckenfeld über einer Tiefgarage, ein Parkdeck und eine Rasenfläche nehmen sehr unterschiedliche Punktlasten auf. Im Datenblatt einer Halle steht dazu meist eine Flächenlast in kN/m², und daraus lässt sich die zulässige Punktlast nicht ableiten. Lastverteilplatten unter den Füßen vergrößern die Aufstandsfläche und verteilen die Last auf mehr Untergrund.

Traversensystem als Ground Support: langer Traversenausleger auf Gerüsttürmen über einer Openair-Bühne
Der Lastpfad im Bild: Der Ausleger gibt seine Last an die Türme ab, die Türme geben sie über ihre Fußplatten in den Boden.

Nach oben endet der Lastpfad an der Kette oder am Rigging-Punkt. Wie der Nachweis geführt wird, welche Typenstatik gilt und wer sie prüft, steht unter Standsicherheit. Für die Planung reicht zunächst die Reihenfolge: Nutzlast, Eigengewicht der Traverse, Kräfte an den Auflagern, Tragfähigkeit des Untergrunds. Wer eine dieser vier Stationen nicht kennt, hat keine belastbare Zahl, sondern eine Annahme.

06 — Ground Support

Ground Support oder Abhängung an der Gebäudestruktur

Es gibt zwei Wege, ein Traversensystem in die Höhe zu bringen. Ground Support trägt vom Boden: Türme aus Traversen oder Gerüst nehmen die Last auf, Kettenzüge heben den Trägerrost daran hoch. Die Abhängung leitet die Last über vorhandene Rigging-Punkte in die Gebäudestruktur. Welche Variante zulässig ist, gibt der Veranstaltungsort vor, nicht die Technik.

Ground Support und Abhängung an der Gebäudestruktur im Vergleich
KriteriumGround SupportAbhängung an der Gebäudestruktur
Lastabtragungüber Türme in den Bodenüber Rigging-Punkte ins Dachtragwerk
Voraussetzungtragfähiger Untergrund, Stellfläche für die Türmefreigegebene Rigging-Punkte mit belegter Traglast
Freigabe durchStandsicherheitsnachweis und Bodenfreigabe des OrtesHallenordnung und Nachweis des Betreibers
FlächenverlustTürme und Ballast belegen Flächekeiner
Typisch beiOpenair, Zelt, Halle ohne Rigging-PunkteArena, Messehalle, Theater
Aufbauzeitlänger, die Türme müssen gerichtet werdenkürzer, wenn die Punkte erreichbar sind

Tabelle horizontal scrollbar

Untersicht auf ein Rigging-Grid aus gekoppelten Vierpunkt-Traversen mit Movingheads und LED-Flächen
Untersicht auf ein Grid: Mehrere Traversen sind über Eckblöcke zu einer Fläche gekoppelt und tragen Movingheads sowie abgehängte LED-Panels.

Openair bleibt fast immer Ground Support, weil kein Tragwerk vorhanden ist. In der Halle entscheidet die Hallenordnung: Manche Betreiber geben Rigging-Punkte mit Traglast frei, andere schließen jede Abhängung aus. Diese Frage gehört in die Gewerkekoordination und in die Aufbauplanung, nicht in den Aufbautag. Eine Ground-Support-Konstruktion braucht außerdem Stellfläche für Türme und Ballast, und diese Fläche fehlt im Site-Plan, wenn niemand sie eingezeichnet hat.

07 — Aufbau & Qualifikation

Wer ein Traversensystem aufbauen darf

Ein Traversensystem über Personen darf nur qualifiziertes Personal aufbauen. Der Branchenstandard IGVW SQ Q2 „Sachkunde für Veranstaltungsrigging” beschreibt dafür drei Qualifikationsstufen, die sich an den typischen Aufgaben orientieren; den Rahmen für Veranstaltungs- und Produktionsstätten setzt die DGUV Regel 115-002. Zusätzlich prüft der Arbeitgeber die fachliche und persönliche Eignung der eingesetzten Person.

Vor dem Aufbau steht die Sichtprüfung. Verformte Gurtrohre, angerissene Streben, ausgeschlagene Bohrungen und fehlende R-Clips schließen ein Stück aus dem Aufbau aus, und zwar ohne Ermessen. Die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers zieht dabei die Grenze der zulässigen Verwendung: Sie nennt Stützweiten, zulässige Lasten und erlaubte Kopplungen. Was dort nicht steht, ist nicht gedeckt. Bei Lasten über Personen gehört außerdem vor dem ersten Hub festgelegt, wer für Montage, Prüfung und Freigabe zuständig ist.

Ob eine Konstruktion baurechtlich vorgeprüft oder genehmigt werden muss, hängt von Höhe, Ort und Nutzung ab und wird über die Regeln für Fliegende Bauten und die Veranstaltungsgenehmigung beantwortet. Eine allgemeine Schwelle in Metern gibt es nicht, die Landesbauordnungen unterscheiden sich. Praktisch verlangen die Behörden dieselben Unterlagen: Zeichnung mit Maßen, Lastannahmen, Typenstatik oder Einzelnachweis, dazu eine Abnahme vor Ort. Die begleitet in der Praxis der On-Site Supervisor. Wer die Zeichnung erst am Aufbautag anfertigt, verschiebt den Aufbau.

08 — Mieten

Traversensystem mieten: was im Mietbetrieb zählt

Wer ein Traversensystem mietet statt kauft, verschiebt vier Punkte von der Beschaffung in die Planung: Systemgleichheit, Transportmaße, Prüfzustand und Unterlagen. MOJO Rental vermietet die Einzelelemente, aus denen eine Konstruktion entsteht, und stimmt die Zusammenstellung vorher mit dem Aufbauteam ab. Diese vier Punkte entscheiden häufiger über den Aufbautag als die Tragkraft der Traverse.

  • Systemgleichheit: Eine Nachbestellung muss aus derselben Serie kommen. Notieren Sie Hersteller, Serie und Bauform, sonst passt die zweite Lieferung nicht an die erste.
  • Transport- und Lagermaße: Eine 3-m-Traverse ist ein sperriges Einzelteil. Die Stückzahl bestimmt das Fahrzeug und damit die Eventlogistik, nicht das Gewicht.
  • Prüfzustand: Jedes Stück wird bei Rückgabe und vor dem nächsten Aufbau gesichtet. Beschädigte Teile gehen aus dem Bestand, nicht in die nächste Lieferung.
  • Aufbau- und Verwendungsanleitung: Sie gehört zur Mietsache. Ohne sie fehlt die Grundlage für den Nachweis.

Die Kategorie Traversen für den Auf- und Messebau mieten führt im deutschen Shop elf Positionen: gerade Längen, Eckstücke und Fußplatten, also die Einzelteile. Ein fertig konfektioniertes Ground-Support- oder Rigging-System steht dort nicht als Artikel, weil solche Konstruktionen projektbezogen aus dem Bestand entstehen und vorher gerechnet werden. Für wenige Meter Traverse an einem Messestand ist der Kauf oft günstiger. Ab der ersten Konstruktion mit Nachweispflicht kippt die Rechnung, weil Statik, Prüfung, Lagerung und Ersatzteile mitgemietet werden.

FAQ

Häufige Fragen

Ein Traversensystem ist ein modularer Fachwerkträger aus Aluminium- oder Stahlrohren, der Nutzlasten über Kopf aufnimmt: Scheinwerfer, Lautsprecher, Videowände, Banner. Es besteht aus geraden Längen, Eckblöcken und Verbindern und lässt sich zu Portalen, Grids und Bühnendächern zusammensetzen. Die Bauform richtet sich nach Last und Stützweite.

  • 1-Punkt-Traverse (Einzelrohr): Dekoration, Banner, leichte Abhängungen
  • 2-Punkt-Traverse (Leiter): Standkanten, Stoffbahnen, leichte Strahler
  • 3-Punkt-Traverse (dreieckiger Querschnitt): Licht mittlerer Spannweite, Messebau
  • 4-Punkt-Traverse (quadratischer Querschnitt): Bühnendach, Ground Support, Rigging-Grid
  • Dazu Eckblöcke als 90-Grad-Ecke, T-Stück, Kreuz sowie mit fünf oder sechs Abgängen

Nur qualifiziertes Personal. Der Branchenstandard IGVW SQ Q2 beschreibt drei Stufen der Sachkunde für Veranstaltungsrigging, den Rahmen setzt die DGUV Regel 115-002. Bei Lasten über Personen verlangt der Aufbau zusätzlich einen statischen Nachweis und eine vor dem ersten Hub festgelegte Zuständigkeit für Montage, Prüfung und Freigabe.

  1. Lastannahmen und Statik prüfen, Zeichnung und Aufbau- und Verwendungsanleitung bereitlegen.
  2. Untergrund und Stellflächen freigeben lassen, Lastverteilplatten auslegen.
  3. Traversen am Boden zu Trägern koppeln: Konusverbinder einschlagen, Bolzen und R-Clips setzen.
  4. Jedes Stück und jede Verbindung sichten, bevor Last darauf kommt.
  5. Türme richten oder Kettenzüge an die freigegebenen Rigging-Punkte hängen.
  6. Nutzlast am Boden montieren, Kabel binden, dann die Konstruktion auf Höhe fahren.
  7. Endkontrolle und Abnahme, Lastwege und Absturzsicherung dokumentieren.
Ground Support und Abhängung im Kurzvergleich
MerkmalGround SupportAbhängung
Last gehtin den Bodenin die Gebäudestruktur
BrauchtStellfläche und tragfähigen Untergrundfreigegebene Rigging-Punkte
Typisch beiOpenair, Zelt, Halle ohne Rigging-PunkteArena, Messehalle, Theater
KostetFläche und AufbauzeitFreigabe des Betreibers

Tabelle horizontal scrollbar

Weiterlesen

Verwandte Begriffe

Grundlagen

Fachliche Grundlagen

  • DIN EN 17115:2018-10 — Konstruktion und Fertigung von Aluminium- und Stahltraversen.
  • Eurocodes — Grundlage der statischen Bemessung.
  • IGVW SQ P1 — Branchenstandard mit den Anforderungen an Traversensysteme.
  • IGVW SQ Q2 „Sachkunde für Veranstaltungsrigging” — drei Qualifikationsstufen für das Rigging-Personal.
  • DGUV Regel 115-002 — Rahmen für Veranstaltungs- und Produktionsstätten für szenische Darstellung.
Zurück zum Glossar
Hit enter to search or ESC to close
Angebot anfordern Angebotsanfrage