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Glossar

Eventausschreibung: Ausschreibung einer Veranstaltung richtig aufsetzen

Eine Eventausschreibung ist das Verfahren, mit dem ein Auftraggeber Leistungen für eine Veranstaltung am Markt anfragt und vergibt. Diese Seite zeigt den Ablauf in sechs Stufen, die Pflichtunterlagen, die Losaufteilung nach Gewerken und die Fristen im öffentlichen Vergaberecht.

8 Min. Lesezeit
Zuletzt aktualisiert: September 2026
Vergabe & Ausschreibung · Auftraggeberseite · Gewerkelose
Kurzfassung

Eine Eventausschreibung ist das Verfahren, mit dem ein Auftraggeber Leistungen für eine Veranstaltung am Markt anfragt und nach vorher festgelegten Kriterien vergibt. Das Verfahren läuft in sechs Stufen: Bedarf klären, Leistung beschreiben, bekannt machen, Angebote einholen, werten, Zuschlag erteilen. Das Lastenheft ist ein Dokument innerhalb der Ausschreibung. Die Ausschreibung ist der Prozess, der es transportiert. Getrennte Lose nach Gewerken schlagen die Gesamtvergabe, weil sie die Preise vergleichbar halten. Öffentliche Auftraggeber binden GWB, VgV und UVgO. Private Veranstalter schreiben freiwillig aus und binden sich erst über den Vertrag.

01 — Definition

Was ist eine Eventausschreibung?

Eine Eventausschreibung ist das Verfahren, mit dem ein Auftraggeber Leistungen für eine Veranstaltung am Markt anfragt und nach vorher festgelegten Kriterien vergibt. Sie beschreibt den Bedarf, benennt Fristen und Wertungsregeln und endet mit dem Zuschlag an einen Bieter. Öffentliche Auftraggeber bindet dabei das Vergaberecht, private Veranstalter nicht.

Die Schreibweisen Eventausschreibung, Event Ausschreibung und die Ausschreibung einer Veranstaltung meinen dieselbe Sache. Im Vergaberecht heißt das Verfahren Vergabeverfahren, in der Eventbranche setzt sich die kurze Form durch. Wer nach Ausschreibungen für Events sucht, landet meist auf Vergabeportalen. Die zeigen offene Verfahren, erklären aber nicht, wie man eines aufsetzt.

Der Unterschied zum Einkauf per Telefon liegt in der Reihenfolge. Bei einer Ausschreibung steht die Leistung fest, bevor der erste Preis genannt wird. Alle Bieter bekommen dieselben Unterlagen, dieselbe Frist und dieselben Wertungsregeln. Erst diese Gleichbehandlung macht Angebote vergleichbar. Ohne sie vergleichen Sie Preise für unterschiedliche Leistungen und merken es nicht.

Eine Ausschreibung ist kein Formular, sondern eine Entscheidung über Vergleichbarkeit. Was Sie nicht beschreiben, kalkuliert jeder Bieter anders.

02 — Abgrenzung

Ausschreibung, Lastenheft und Briefing

Drei Begriffe werden in Vergabeprojekten durcheinandergebracht, weil alle drei am Anfang stehen. Die Eventausschreibung ist das Verfahren. Das Lastenheft ist ein Dokument darin. Das Eventbriefing ist eine kreative Aufgabenstellung und folgt einer anderen Logik: Es lädt zu Vorschlägen ein, statt eine Leistung festzuschreiben.

Eventausschreibung, Lastenheft und Eventbriefing im Vergleich
MerkmalEventausschreibungLastenheftEventbriefing
ArtVerfahrenAnforderungsdokumentAufgabenstellung
FrageWer liefert zu welchem Preis?Was genau wird gefordert?Welche Idee löst das Ziel?
Erstellt vonAuftraggeber oder VergabestelleAuftraggeberAuftraggeber oder Marketing
ErgebnisZuschlag und Vertragprüfbare AnforderungenKonzeptvorschlag
BindungVerfahrensregeln, bei öffentlichen Auftraggebern gesetzlichwird Vertragsbestandteilkeine, bis zur Beauftragung

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Der Aufbau des Lastenhefts, die Abgrenzung zum Pflichtenheft und prüfbare Formulierungen mit Maßeinheit stehen auf der eigenen Glossarseite. Für die Ausschreibung zählt nur: Ohne belastbares Anforderungsdokument bleibt das Verfahren leer. Weitere Begriffe aus der Vergabe und der Eventplanung finden Sie im MOJO Glossar.

03 — Ablauf

Wie schreibt man eine Veranstaltung aus?

Eine Veranstaltung schreiben Sie in sechs Stufen aus. Jede Stufe erzeugt ein Ergebnis, das die nächste braucht. Wer eine Stufe überspringt, holt sie später unter Zeitdruck nach, meist während der Angebotsphase.

  1. Bedarf klären. Legen Sie Termin, Ort, Besucherzahl und Budgetrahmen fest. Aus dem Eventkonzept und der Flächenplanung ergibt sich, welche Gewerke Sie überhaupt beschaffen müssen.
  2. Leistung beschreiben. Schreiben Sie Leistungsbeschreibung und Leistungsverzeichnis. Jede Position bekommt Menge, Einheit und Zeitraum. Hier entscheidet sich die Qualität des gesamten Verfahrens.
  3. Bekannt machen. Öffentliche Auftraggeber veröffentlichen die Auftragsbekanntmachung, private Veranstalter laden Bieter direkt ein. Mit der Bekanntmachung beginnt die Angebotsfrist.
  4. Angebote einholen. Beantworten Sie Bieterfragen schriftlich und schicken Sie die Antwort an alle Bieter. Eine Antwort, die nur einer bekommt, kippt die Gleichbehandlung.
  5. Werten. Prüfen Sie zuerst die Eignung des Unternehmens, danach das Angebot gegen die vorher veröffentlichte Wertungsmatrix. Preis und Leistung tragen die vorab bekannt gegebenen Gewichte.
  6. Zuschlag erteilen. Informieren Sie die unterlegenen Bieter und schließen Sie den Vertrag. Leistungsverzeichnis und Angebot werden Vertragsbestandteil.
Zwei Mitarbeiter vergleichen im Zelt bebilderte Angebotsunterlagen, dahinter die beleuchtete Bühne des Geländes
Die Wertung vergleicht Angebote Position für Position. Vergleichbar sind sie nur, wenn alle Bieter dieselbe Leistung kalkuliert haben.

Zwischen Stufe 2 und Stufe 5 liegt der häufigste Fehler einer Eventausschreibung. Die Wertungsmatrix entsteht erst, wenn die Angebote auf dem Tisch liegen. Dann bewerten Sie rückwärts, und jede Vergabeentscheidung wird angreifbar. Bauen Sie die Matrix, bevor Sie die Unterlagen versenden.

04 — Unterlagen

Was in die Ausschreibungsunterlagen gehört

Die Ausschreibungsunterlagen enthalten alles, was ein Bieter für ein verbindliches Angebot braucht, und nichts, was er raten müsste. Diese Positionen gehören hinein:

  • Leistungsbeschreibung mit Ziel, Umfang und Qualitätsanforderungen je Gewerk
  • Leistungsverzeichnis mit Positionen, Mengen, Einheiten und Mietzeiträumen
  • Termine: Anlieferung, Aufbaufenster, Veranstaltungszeit, Abbaufenster, jeweils mit Uhrzeit
  • Geländeplan und Aufstellflächen, verknüpft mit dem Site-Plan
  • Betriebliche Rahmenbedingungen: Zufahrt, Untergrund, Strom, Lagerfläche
  • Eignungskriterien: Referenzen, Versicherungsdeckung, Prüfnachweise, Personalqualifikation
  • Zuschlagskriterien mit Gewichtung in Prozent
  • Vertragsbedingungen, Haftung, Zahlungsziele, Stornoregelungen
  • Frist und Formvorgaben für die Angebotsabgabe
  • Ansprechpartner für Bieterfragen mit Rückmeldefrist
Eventausschreibung: zwei Planer vergleichen am Laptop eine Bewertungstabelle mit Grundrissen und Angebotsmappen
Leistungsverzeichnis, Grundrisse und Wertungsmatrix entstehen zusammen. Wer die Matrix erst nach Angebotseingang baut, wertet angreifbar.

Eignungs- und Zuschlagskriterien trennen viele Unterlagen nicht sauber. Die Eignung betrifft das Unternehmen: Kann es das? Der Zuschlag betrifft das Angebot: Wie gut ist dieses konkrete Angebot? Wer Referenzen in der Zuschlagswertung punkten lässt, bewertet dieselbe Sache zweimal.

05 — Lose

Lose nach Gewerken statt Gesamtvergabe

Teilen Sie eine Eventausschreibung in Lose nach Gewerken. Üblich sind sechs bis acht Lose, die sich sauber gegeneinander abgrenzen lassen:

  • Veranstaltungstechnik: Ton, Licht, Video, Bühne, Traversen
  • Mobiliar und Ausstattung
  • Zelte und temporäre Bauten
  • Sanitärlösungen
  • Strom, IT und Beleuchtung der Verkehrsflächen
  • Absperrsysteme und Zaunanlagen
  • Bodensysteme und Flächenschutz
  • Security und Sanitätsdienst

Eine Gesamtvergabe an einen Generalisten sieht bequemer aus und wird meist teurer. Der Generalanbieter kauft die Gewerke zu, die er nicht selbst führt, und legt seine Marge darauf. Gleichzeitig verlieren Sie die Preisvergleichbarkeit, weil kein Bieter offenlegt, welcher Anteil auf welches Gewerk entfällt. Getrennte Lose kosten dafür Koordination. Die Schnittstellen zwischen den Losen gehören ausdrücklich beschrieben, sonst schiebt sie jedes Los dem Nachbarn zu. Wer trennt, plant die Gewerkekoordination und die Aufbauplanung mit ein.

Nachhaltigkeitsanforderungen gehören in die Leistungsbeschreibung, nicht in die Präambel. Ein Mehrwegkonzept oder Vorgaben zur Nachhaltigkeit bei Veranstaltungen wirken nur, wenn sie als prüfbare Position im Leistungsverzeichnis stehen und in der Wertung ein Gewicht tragen.

06 — Betriebsangaben

Die Angaben, ohne die kein Angebot kalkulierbar ist

Angebote werden erst vergleichbar, wenn die Ausschreibung die betrieblichen Bedingungen der Fläche benennt. MOJO Rental steht auf der Bieterseite und kalkuliert diese Positionen täglich. Fehlt eine Angabe, rechnet ein sorgfältiger Bieter den ungünstigsten Fall ein, ein anderer den günstigsten. Der Preisunterschied entsteht dann nicht aus der Leistung, sondern aus der Annahme.

Betriebliche Angaben der Fläche und was sie im Angebot bestimmen
AngabeWas sie im Angebot bestimmt
Lichte Durchfahrtsbreite und -höheFahrzeuggröße, Zahl der Touren
Zulässige Achslast der ZuwegungSattelzug oder Kleintransporter, Umschlagkosten
Aufbaufenster mit Datum und UhrzeitSchichtmodell, Zuschläge für Nacht und Wochenende
AbbaufensterRückführung, Standzeiten des Materials
Untergrund und GefälleBallastierung, Flächenschutz, Unterkonstruktion
Stromanschlusswerte und EinspeisepunkteVerteiler, Kabelquerschnitte, Aggregatbedarf
Lagerfläche auf dem GeländeZwischenlagerung oder zusätzliche Transporte
Zugangsregelung und AusweiseWartezeiten an der Einfahrt

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Blick aus dem Produktionsbüro auf die laufende Veranstaltung, davor Pläne und Dokumente auf dem Tisch
Was im Livebetrieb trägt, stand vorher in der Leistungsbeschreibung. Fehlende Angaben fallen erst am Veranstaltungstag auf.

Diese Angaben stammen aus Zufahrtsmanagement, Eventlogistik und der Abbauplanung. Sie kosten in der Eventausschreibung eine halbe Seite. Fehlen sie, kosten sie am Aufbautag eine Umdisposition.

07 — Vergaberecht

Wann eine Veranstaltung öffentlich ausgeschrieben werden muss

Öffentliche Auftraggeber müssen ausschreiben, private Veranstalter dürfen. Für Kommunen, Länder, Kulturbetriebe und öffentliche Veranstaltungsgesellschaften richtet sich das Verfahren nach dem geschätzten Auftragswert. Oberhalb des EU-Schwellenwerts gelten GWB und VgV, unterhalb das Haushaltsrecht des jeweiligen Trägers, das in Bund und den meisten Ländern die UVgO anwendet.

Vergaberecht ober- und unterhalb des EU-Schwellenwerts
FrageOberhalb des SchwellenwertsUnterhalb des Schwellenwerts
Schwellenwert Liefer- und Dienstleistungenab 216.000 Euro netto (öffentliche Auftraggeber, gültig ab 1. Januar 2026)darunter
RechtsrahmenGWB Teil 4, VgVHaushaltsrecht, in Bund und vielen Ländern die UVgO
BekanntmachungEU-Amtsblatt über TEDüber das Portal des Auftraggebers, auffindbar über bund.de nach § 28 UVgO
Angebotsfrist im offenen Verfahrenmindestens 35 Tage ab Absendung der Bekanntmachung, § 15 Abs. 2 VgVangemessene Frist, keine feste Mindestzahl
Rechtsschutz für BieterNachprüfung vor der Vergabekammerkein Nachprüfungsverfahren nach GWB

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Für Sektorenauftraggeber liegt der Schwellenwert bei 432.000 Euro netto. Die 35-Tage-Frist verkürzt sich auf 30 Tage, wenn der Auftraggeber die elektronische Übermittlung der Angebote akzeptiert. Macht eine hinreichend begründete Dringlichkeit die Einhaltung der Frist unmöglich, darf er sie auf 15 Tage festlegen. Private Veranstalter binden diese Fristen nicht. Setzen Sie trotzdem mindestens drei Wochen an: Ein Bieter, der eine Fläche nicht besichtigen und Subunternehmer nicht anfragen kann, liefert einen Sicherheitsaufschlag statt eines Preises.

Nicht jede Beschaffung braucht ein Verfahren. Bei kleinen Aufträgen übersteigt der Aufwand für Unterlagen, Fristen und Wertung den erreichbaren Preisvorteil, und eine Direktvergabe im Rahmen der geltenden Wertgrenzen ist der ehrlichere Weg. Wo es um Sicherheit geht, etwa bei Standsicherheit oder dem Sicherheitskonzept, zählt die Eignung des Bieters mehr als der Preis. Gewichten Sie die Wertung entsprechend, bevor Sie sie veröffentlichen.

FAQ

Häufige Fragen

Eine Eventausschreibung ist das Verfahren, mit dem ein Auftraggeber Leistungen für eine Veranstaltung am Markt anfragt und nach vorher festgelegten Kriterien vergibt. Sie umfasst Leistungsbeschreibung, Bekanntmachung, Angebotsphase, Wertung und Zuschlag. Öffentliche Auftraggeber führen sie nach Vergaberecht, private Veranstalter nach eigenen Regeln.

  1. Bedarf, Termin, Ort und Budgetrahmen klären.
  2. Leistungsbeschreibung und Leistungsverzeichnis erstellen.
  3. Auftrag bekannt machen oder Bieter direkt einladen.
  4. Angebote einholen und Bieterfragen an alle Bieter beantworten.
  5. Eignung prüfen, danach Angebote gegen die veröffentlichte Wertungsmatrix bewerten.
  6. Unterlegene Bieter informieren, Zuschlag erteilen, Vertrag schließen.
  • Leistungsbeschreibung und Leistungsverzeichnis mit Mengen und Mietzeiträumen
  • Termine für Anlieferung, Aufbau, Veranstaltung und Abbau
  • Geländeplan, Zufahrtsmaße, Untergrund und Stromanschlusswerte
  • Eignungskriterien und Zuschlagskriterien mit Gewichtung
  • Vertragsbedingungen, Angebotsfrist und Ansprechpartner für Bieterfragen
Eventausschreibung und Lastenheft im Vergleich
MerkmalEventausschreibungLastenheft
WasVerfahren zur VergabeDokument mit den Anforderungen
Rolletransportiert das Lastenheft an den Marktliegt der Ausschreibung bei
EndeZuschlag und VertragÜbergabe an die Bieter

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Öffentliche Auftraggeber müssen ab einem geschätzten Auftragswert von 216.000 Euro netto europaweit ausschreiben. Darunter gilt das Haushaltsrecht des Trägers, das in Bund und vielen Ländern auf die UVgO verweist. Private Veranstalter unterliegen keiner Ausschreibungspflicht.

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Verwandte Begriffe

Grundlagen

Fachliche Grundlagen

  • GWB Teil 4, Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen: Rechtsrahmen für die Vergabe öffentlicher Aufträge oberhalb des EU-Schwellenwerts.
  • VgV, Vergabeverordnung, § 15 Abs. 2: Angebotsfrist im offenen Verfahren, mindestens 35 Tage ab Absendung der Bekanntmachung.
  • UVgO, Unterschwellenvergabeordnung, § 28: Bekanntmachung unterhalb des Schwellenwerts, in Bund und vielen Ländern über das Haushaltsrecht anwendbar.
  • EU-Schwellenwerte für Liefer- und Dienstleistungen: 216.000 Euro netto für öffentliche Auftraggeber, 432.000 Euro netto für Sektorenauftraggeber, gültig ab 1. Januar 2026.
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