Mehrwegkonzept Event: Ausgabe, Rücklauf und Spülung planen
Mehrweg auf Veranstaltungen scheitert selten am Geschirr, sondern am Rücklauf. Dieser Beitrag erklärt, wie Ausgabe, Rückgabe, Spülung und Nachschub zusammenspielen und welche Zahlen die Planung tragen.
Ein Mehrwegkonzept Event legt fest, welche Becher, Teller und Bestecke einer Veranstaltung mehrfach genutzt werden und wie Ausgabe, Rückgabe, Reinigung und Nachschub ineinandergreifen. Es bestimmt den Personalbedarf an den Rücknahmestationen, den nötigen Geschirrbestand und die Anschlusswerte im Back of House. Für die Gastronomiestände gilt seit dem 1. Januar 2023 die Mehrwegangebotspflicht nach §§ 33 und 34 Verpackungsgesetz.
Was ist ein Mehrwegkonzept für Events?
Ein Mehrwegkonzept für Events ist der Teil der Veranstaltungsplanung, der Speise- und Getränkegebinde in einen geschlossenen Kreislauf bringt. Es beschreibt, welche Mehrwegverpackungen ausgegeben werden, wo Besuchende sie zurückgeben, wer sie reinigt und wie sie zurück an die Ausgabe gelangen. Ohne diesen Rückweg bleibt Mehrweg eine Absichtserklärung.
Der Begriff grenzt sich vom übergeordneten Abfallkonzept Veranstaltung ab: Das Abfallkonzept ordnet alle Fraktionen vom Restmüll bis zum Altglas, das Mehrwegkonzept ist dessen Vermeidungsteil für Speisen und Getränke. Wer beide vermischt, plant Rücknahmestationen wie Abfallbehälter. Das ist der häufigste Planungsfehler, denn eine Rücknahmestation braucht Personal, eine Abfallinsel nicht.
In der Praxis berührt das Konzept fast jedes Gewerk. Es verändert die Standplanung der Gastronomie, die Wege im Back of House und den Stromplan. Weitere Begriffe aus dem Eventbetrieb finden Sie im MOJO Glossar.
Was ein Mehrwegkonzept regelt
Ein Mehrwegkonzept regelt vier Dinge: welche Gebinde im Umlauf sind, wo sie ausgegeben werden, wo sie zurückkommen und wie sie wieder sauber an den Stand gelangen. Getränke und Speisen werden dabei getrennt betrachtet, weil sich Ausgaberate, Pfandhöhe und Spülaufwand unterscheiden. Im Umlauf sind vier Gebindegruppen:
- Getränkegebinde — Becher und Gläser in wenigen Größen. Sie machen den größten Teil der Stückzahl aus und laufen am schnellsten um.
- Speisegebinde — Teller, Schalen und Bowls. Geringere Stückzahl, höherer Anschaffungswert, längere Spülzeit.
- Besteck — Messer, Gabeln, Löffel. Der Teil mit dem höchsten Schwund, weil Besteck in Taschen wandert.
- Transportmittel — Körbe, Kisten und Rollwagen für den Weg zwischen Rücknahme und Spülstelle.
Die Ausgabepunkte stehen selten frei zur Wahl. Sie hängen an den Gastronomieständen, und die hängen an Strom, Wasser und Zufahrt. Deshalb gehören sie in die Flächenplanung: Vor jedem Ausschank steht binnen Minuten ein Pulk, und der blockiert genau den Weg, über den das schmutzige Geschirr abtransportiert werden soll.
Welche Mehrwegsysteme gibt es auf Veranstaltungen?
Auf Veranstaltungen sind vier Systemtypen verbreitet. Sie unterscheiden sich darin, wem die Mehrwegbehältnisse gehören, wer sie reinigt und wie die Rückgabe abgesichert wird. Die Wahl entscheidet über Kapitalbindung und Personalbedarf, nicht über die Optik des Bechers.
- Poolsystem eines Dienstleisters — der Anbieter liefert, tauscht und spült. Abgerechnet wird je Ausgabe oder je Tageskontingent.
- Eigener Bestand des Veranstalters — sinnvoll bei wiederkehrenden Terminen am selben Ort, sonst bindet der Bestand Lagerkosten für elf Monate Stillstand.
- Pfandsystem am Ausschank — die Rückgabe passiert dort, wo auch ausgegeben wird. Kurze Wege, aber die Rückgabeschlange trifft auf die Bestellschlange.
- Digital nachverfolgtes System — QR-Code, NFC oder RFID am Gebinde. Die Ausleihe läuft über App oder Terminal statt über Bargeld, der Rücklauf wird pro Stück messbar.
Digitale Systeme ersetzen die Kasse an der Rücknahme, nicht den Anreiz zur Rückgabe. Ihr Wert für den Veranstalter ist die Datenspur: Sie zeigt, an welchem Rückgabepunkt zu welcher Stunde wie viel ankam.
Rückgabe, Pfand und Rücklaufquote
Die Rücklaufquote wird über die Pfandhöhe und die Dichte der Rückgabepunkte gesteuert, nicht über Hinweisschilder. Ein Pfand wirkt erst, wenn es über dem gefühlten Souvenirwert des Bechers liegt. Für Teller und Schalen liegt es üblicherweise höher als für Becher, weil der Anschaffungswert höher ist.
- Zahl der Rückgabepunkte — als Faustregel dieselbe Größenordnung wie die Zahl der Ausgabepunkte. Jeder Punkt weniger verlängert den Weg mit vollem Geschirr in der Hand.
- Öffnungszeit — die Rücknahme bleibt nach dem letzten Ausschank geöffnet, sonst landet der Bestand im Restabfall.
- Trennung von Hin- und Rückstrom — Rückgabe nie in derselben Schlange wie die Bestellung.
- Personalbesetzung — Zählen, Pfand auszahlen und Körbe wechseln sind drei Handgriffe pro Gast, nicht einer.
Rücknahmestationen sind der personalintensivste Teil des Konzepts und erzeugen eigene Wartezonen. Diese Zonen fehlen in fast jedem Konzeptpapier, das wir zur Prüfung bekommen: Die Stationen stehen im Plan als Punkt, obwohl vor ihnen zu Stoßzeiten dieselbe Fläche gebraucht wird wie vor einer Kasse. Rechnen Sie die Stellfläche der Station und die Stauflächen davor getrennt, und stimmen Sie beides mit der Besucherlenkung ab.
Wie viel Mehrweggeschirr eine Veranstaltung braucht
Der benötigte Geschirrbestand ergibt sich aus Ausgaberate mal Umlaufzeit, nicht aus der Besucherzahl. Wer nach Köpfen rechnet, bestellt entweder zu viel oder steht um 21 Uhr ohne saubere Becher da. Die Besucherzahl bestimmt die Ausgaberate, und erst die Umlaufzeit macht daraus einen Bestand.
Bestand = Ausgaben pro Stunde × Umlaufzeit in Stunden + Puffer
Die Umlaufzeit summiert vier Abschnitte:
- Nutzung — vom Ausschank bis zur Rückgabe. Der längste und am schlechtesten steuerbare Teil.
- Rückgabe und Sammlung — Station, Zwischenlagerung, Transport ins Back of House.
- Spülgang — Taktzeit der Maschine plus Ein- und Ausräumen.
- Rückverteilung — Weg zurück an die Ausgabepunkte, inklusive Wartezeit auf den nächsten Transport.
Beispielrechnung mit angenommenen Werten: 600 Ausgaben pro Stunde und 90 Minuten Umlaufzeit ergeben 900 Becher im Umlauf, vor jedem Puffer. Verdoppelt sich die Umlaufzeit, weil der Rücktransport nur stündlich fährt, verdoppelt sich der Bestand. Diese Kennzahl gehört in die Besucherkapazität und in das Briefing der Gastronomie, bevor irgendjemand Stückzahlen bestellt.
Einweg oder Mehrweg: der Vergleich im Betrieb
Im Betrieb unterscheiden sich Einweggeschirr und Mehrweggeschirr weniger im Preis als im Zeitpunkt der Kosten und im Personaleinsatz. Einweggeschirr kostet einmal beim Einkauf und danach bei der Entsorgung. Mehrweg kostet pro Ausgabe und bindet während der ganzen Veranstaltung Personal.
| Betriebsposten | Einweggeschirr | Mehrweggeschirr |
|---|---|---|
| Beschaffung | je Veranstaltung neu, niedrige Stückkosten | Nutzungsgebühr je Ausgabe oder Tageskontingent |
| Ausgabe | Gebinde verlässt den Stand endgültig | Gebinde ist ausgeliehen, Pfand wird gebucht |
| Rückfluss | keiner, Entsorgung über Abfallbehälter | Rücknahmestation und Transport ins Back of House |
| Personal | Behälter leeren und tauschen | Rücknahme, Zählung, Spülung, Rückverteilung |
| Abfallmenge | hoch, bestimmt das Restabfallvolumen | gering, dafür Bruch und Schwund |
| Fläche und Anschluss | Sammelplatz und Container | zusätzlich Spülstelle mit Strom, Wasser und Abwasser |
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Ob Mehrweg günstiger ist, hängt vom Modell ab, und die Quellenlage ist uneinheitlich. Kommunale Ratgeber rechnen mit eingesparten Entsorgungskosten, dokumentierte Fallbeispiele aus dem Festivalbetrieb zeigen dagegen, dass die Nutzungsgebühren der Gastronomiestände die Gesamtkosten nicht immer decken. Verlässlich ist nur die Struktur: Die Personalkosten der Rücknahme trägt in der Regel der Veranstalter, die Nutzungsgebühr die Gastronomie. Wer diese Verteilung nicht vor der Ausschreibung klärt, verhandelt sie später unter Zeitdruck.
Betreibermodell und Spülung im Back of House
Die meisten Veranstalter beauftragen einen Dienstleister statt eigenen Bestand, weil Eigenbestand Lagerkosten bei seltener Nutzung bindet. Das Modell verlagert Anlieferung, Ausgabe, Rücknahme und Reinigung, nicht aber die Fläche und die Anschlüsse. Beides bleibt beim Veranstalter.
- Stellfläche der Spülstelle — sie liegt im Back of House, erreichbar für Rollwagen und für die Zufahrt des Dienstleisters.
- Stromanschluss — gewerbliche Spülmaschinen laufen dreiphasig. Die von MOJO vermieteten Geräte brauchen 400 V über CEE 3×16 A, die Gläserspülmaschine 7,5 kW.
- Wasser und Abwasser — Frischwasseranschluss und ein zugelassener Abwasserweg. Ein Spülmobil ohne Abwasseranschluss ist ein Tank mit Abfahrtsintervall.
- Taktzeit — sie bestimmt den stündlichen Rücklauf. Ein 2-Minuten-Programm ergibt bis zu 30 Korbdurchläufe pro Stunde und Maschine, ein 6- bis 9-Minuten-Programm rund 7 bis 10.
MOJO vermietet kein Mehrweggeschirr und keine Becher. Was wir stellen, ist die Infrastruktur dahinter: mietbare Spültechnik für den Back-of-House-Betrieb, darunter eine gewerbliche Gläserspülmaschine mit Zwei-Minuten-Programm für den Becherrücklauf am Ausschank und ein gewerblicher Geschirrspüler für Teller und Schalen der Speiseausgabe. Die Spülstelle gehört in die Eventlogistik und in die mobile Infrastruktur, nicht in eine Restposition am Ende der Planung.
Wann Mehrweg rechtlich Pflicht ist
Seit dem 1. Januar 2023 müssen Letztvertreiber nach § 33 Verpackungsgesetz Speisen in Einwegkunststoff-Verpackungen und Getränke in Einwegbechern zusätzlich in Mehrwegverpackungen anbieten. Das trifft auf einer Veranstaltung die einzelnen Gastronomiestände, nicht den Veranstalter. Die Mehrwegvariante darf nach § 33 Absatz 2 nicht teurer sein als die Einwegvariante, ein Pfand bleibt zulässig. Der Stand muss außerdem gut sichtbar auf das Mehrwegangebot hinweisen.
Die Ausnahme nach § 34 Verpackungsgesetz gilt nur kumulativ: höchstens fünf Beschäftigte und höchstens 80 Quadratmeter Verkaufsfläche. Teilzeitkräfte zählen dabei anteilig, bei bis zu 20 Wochenstunden mit 0,5 und bei bis zu 30 Stunden mit 0,75. Wer die Ausnahme nutzt, muss stattdessen mitgebrachte Behältnisse der Gäste befüllen. Unabhängig davon kann eine kommunale Abfallsatzung auf städtischen Flächen Mehrweg vorschreiben und Einweg nur mit Ausnahmegenehmigung zulassen, wie es die Stadt Düsseldorf für Veranstaltungen auf öffentlichem Grund tut. Prüfen Sie das früh, denn es hängt an der Veranstaltungsgenehmigung.
Häufige Fragen
Ein Mehrwegkonzept regelt, welche Speise- und Getränkegebinde einer Veranstaltung mehrfach verwendet werden und wie Ausgabe, Rückgabe, Spülung und Nachschub organisiert sind. Es umfasst die Systemwahl, die Pfandregelung, die Standorte der Rücknahme und die Spülinfrastruktur im Back of House.
- Poolsystem eines Mehrwegdienstleisters mit Lieferung, Tausch und Reinigung
- Eigener Bestand des Veranstalters bei wiederkehrenden Terminen
- Pfandsystem direkt am Ausschank mit Rückgabe an der Ausgabe
- Digital nachverfolgtes System über QR-Code, NFC oder RFID am Gebinde
- Gebindearten festlegen: Becher, Teller, Schalen, Besteck, je Ausgabeart getrennt.
- Ausgaberate je Stunde aus Besucherzahl und Gastronomieangebot ableiten.
- Umlaufzeit schätzen und daraus den Bestand rechnen, plus Puffer.
- Systemtyp und Betreibermodell wählen, Dienstleister oder Eigenbestand.
- Rückgabepunkte verorten, Stellfläche und Wartefläche getrennt einplanen.
- Spülstelle im Back of House festlegen, mit Strom, Wasser und Abwasser.
- Pfandhöhe, Abrechnung und Personalbesetzung schriftlich mit der Gastronomie vereinbaren.
| Kriterium | Einweg | Mehrweg |
|---|---|---|
| Kostenzeitpunkt | Einkauf und Entsorgung | laufend je Ausgabe |
| Personal | Abfallbehälter leeren | Rücknahme und Spülung während der ganzen Laufzeit |
| Abfall | hohes Restabfallvolumen | geringes Volumen, dafür Bruch und Schwund |
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Eine belastbare Schwelle gibt es nicht. Rechnerisch trägt Mehrweg, sobald die Ausgaberate die Personalkosten einer dauerhaft besetzten Rücknahme rechtfertigt. Bei kleinen Veranstaltungen entscheidet die Rechtslage vor Ort, nicht die Menge.
Verwandte Begriffe
Fachliche Grundlagen
- § 33 Verpackungsgesetz — Mehrwegangebotspflicht seit 1. Januar 2023, Preisgleichheit nach Absatz 2, Hinweispflicht.
- § 34 Verpackungsgesetz — Ausnahme für Betriebe mit höchstens fünf Beschäftigten und höchstens 80 m² Verkaufsfläche, Anrechnung von Teilzeitkräften mit 0,5 und 0,75.
- Umweltbundesamt — Leitfaden zur Umsetzung der Mehrwegangebotspflicht.
- Stadt Düsseldorf, Umweltamt — kommunale Mehrwegvorgabe für Veranstaltungen auf öffentlichem Grund (Beispiel, nicht verallgemeinerbar).
- Anschlusswerte und Taktzeiten — Gerätedaten der von MOJO vermieteten Gläser- und Geschirrspülmaschinen.