Druckzone: der Ort, an dem die Dichte im Publikum kippt
Eine Druckzone ist kein Messwert und keine Disziplin, sondern ein Ort. Sie liegt dort, wo Personendichte und gerichtete Bewegung zusammenfallen und Besucher anfangen, Kraft aufeinander zu übertragen.
Eine Druckzone ist der örtlich begrenzte Bereich einer Veranstaltungsfläche, in dem sich Personendichte und gerichtete Bewegung so überlagern, dass Besucher Kraft aufeinander übertragen statt sich frei zu bewegen. Sie liegt an der Frontlinie vor der Bühne, an Verjüngungen, in Gegenströmen und im Rückstau vor dem Einlass. Absperrtechnik entlastet eine Druckzone oder erzeugt sie, je nachdem wie die Linie gesetzt ist.
Was ist eine Druckzone?
Eine Druckzone ist der örtlich begrenzte Bereich einer Veranstaltungsfläche, in dem sich Personendichte und gerichtete Bewegung so überlagern, dass Menschen Kraft aufeinander übertragen statt sich frei zu bewegen. Der Begriff benennt einen Ort, keine Kennzahl: dort, wo die Dichte kippt und Besucher den Druck ihrer Nachbarn im Brustkorb spüren.
Nachgeschlagen wird der Begriff meist aus einem Sicherheitskonzept oder einem Behördengespräch heraus. Dann hilft die Trennung von den drei Nachbarbegriffen.
| Ebene | Begriff | Was er beschreibt |
|---|---|---|
| Ort | Druckzone | der Bereich der Fläche, in dem Druck entsteht |
| Messgröße | Personendichte | Personen je Quadratmeter, zählbar und prüfbar |
| Disziplin | Crowd Management | Planung und Steuerung von Besucherströmen |
| Mittel | Absperrtechnik | Gitter, Barrikaden und Wellenbrecher als Bauteil |
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Eine Personendichte von 5 Personen je Quadratmeter ist eine Zahl. Eine Druckzone ist die Ecke im Nordwesten der Fläche, in der diese Zahl um 21:40 Uhr auftritt. Wer im Sicherheitskonzept nur die Zahl nennt, benennt das Problem, aber nicht seinen Ort. Weitere Begriffe aus diesem Umfeld finden Sie im MOJO Glossar.
Wo Druckzonen auf einer Veranstaltungsfläche entstehen
Druckzonen entstehen an wiederkehrenden Stellen der Geometrie, nicht zufällig über die Fläche verteilt. Wer den Geländeplan kennt, kann sie vor der Veranstaltung markieren. Sechs Orte tauchen bei fast jeder Fläche auf:
- Die Frontlinie vor der Bühne. Am Bühnengraben endet die Bewegung nach vorn an einem festen Bauteil. Jede Welle aus dem hinteren Publikum läuft in diese Linie und wird dort in Horizontalkraft umgesetzt.
- Verjüngungen. Eine breite Fläche, die auf einen schmalen Durchlass zuläuft, verdichtet die Menge im Trichter. Das Verhältnis der Breiten entscheidet, nicht die Länge des Weges.
- Kreuzende Ströme. Wo Besucher zur Bühne und gleichzeitig zum Sanitärbereich laufen, blockieren sich zwei Richtungen. Mehr dazu unter Querbewegungen.
- Tote Ecken in Gitter- und Bauzaunverläufen. Ein Winkel ohne Öffnung sammelt Menschen, die nicht mehr zurückkönnen, weil hinter ihnen nachgeschoben wird.
- Rückstau vor dem Einlass. Die Warteschlange steht, die Nachrückenden wissen das nicht. Siehe Einlassmanagement und Wartezonen.
- Feste Hindernisse mitten im Strom. Ein Delay-Tower oder der Front of House teilt den Strom und staut ihn an seiner zugewandten Seite.
Diese sechs Orte gehören in den Site-Plan, bevor die erste Absperrung steht. Genau dafür zeichnet MOJO die Absperrlinien im CAD und nicht erst auf der Fläche.
Wodurch Druck im Publikum gefährlich wird
Gefährlich wird eine Druckzone nicht durch Panik, sondern durch Mechanik. Ab einer gewissen Dichte berührt jeder jeden, einzelne Bewegungen summieren sich zu einer Welle, und die Welle überträgt die Kraft von 50 oder 100 Menschen auf die Brustkorbfläche der vordersten Reihe. Wer dort steht, kann den Brustkorb nicht mehr weit genug heben, um einzuatmen. Fachlich heißt das Kompressionsasphyxie: Menschen ersticken im Stehen, ohne zu stürzen.
Von den vier Einflussgrößen, die John J. Fruin 1993 unter FIST zusammengefasst hat, betreffen zwei unmittelbar den Ort: Force, die Kraft in der Menge, und Space, die Fläche mit ihrer Bauform. Das Modell ist unter Crowd Management erklärt. Für die Druckzone zählt daraus vor allem, dass der Veranstalter Space über den Geländeplan und die Absperrung verändert, bevor überhaupt jemand auf der Fläche steht.
Die Schwellenwerte in Personen je Quadratmeter stehen auf der Seite Personendichte. Hier genügt der Merksatz: Der Druck wächst nicht linear mit der Zahl der Besucher, und die vorderste Reihe trägt ihn zuerst.
Einlass, Aufenthalt, Auslass: wann Druckzonen entstehen
Druckzonen wandern über den Veranstaltungstag. Dieselbe Fläche ist um 17 Uhr harmlos und um 22 Uhr die kritischste Stelle des Geländes. Deshalb wird jede der drei Phasen einzeln betrachtet, so wie es das Phasenmodell DIM-ICE vorsieht.
- Einlass. Der Druck steht vor der Fläche, nicht darauf. Er entsteht, wenn die Zutrittsrate hinter der Ankunftsrate zurückbleibt. Jede Kontrolle, die länger dauert als geplant, verlängert die Schlange nach hinten.
- Aufenthalt. Der Druck steht vorn. Künstlerwechsel, Zugabe und Regenbeginn verschieben große Teile des Publikums innerhalb weniger Minuten.
- Auslass. Der Druck steht an den Ausgängen. Alle wollen gleichzeitig, die Richtung ist einheitlich, und die Wege sind dieselben wie beim Einlass, nur in umgekehrter Reihenfolge. Ein Mega Exit ist die bauliche Antwort darauf.
Jede der drei Phasen braucht eine eigene Zeile in der Risikobewertung. Eine Fläche, die in einer Phase trägt, trägt nicht automatisch in der nächsten.
Was die Versammlungsstättenverordnung vorgibt
Für Stehplätze auf Stufenreihen regelt § 28 der Muster-Versammlungsstättenverordnung die Wellenbrecher. Werden mehr als fünf Stufen von Stehplatzreihen hintereinander angeordnet, steht vor der vordersten Stufe eine durchgehende Schranke von 1,10 Meter Höhe. Nach jeweils fünf weiteren Stufen folgen Wellenbrecher gleicher Höhe, einzeln mindestens 3 und höchstens 5,50 Meter lang. Ihre seitlichen Abstände betragen höchstens 5 Meter und werden nach höchstens fünf Stehplatzreihen durch versetzt angeordnete Wellenbrecher überdeckt.
§ 29 ergänzt die Abschrankung von Stehplätzen vor Szenenflächen: Blöcke für höchstens 2.500 Besucher, getrennt durch mindestens 2,20 Meter hohe Abschrankungen mit eigenen Zugängen. Ein mit den zuständigen Behörden abgestimmtes Sicherheitskonzept kann eine andere Blockbildung vorsehen.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Die MVStättVO ist ein Mustertext ohne eigene Rechtskraft; verbindlich ist die Verordnung des Bundeslandes, und die Länder weichen bei Schwellen und Ausnahmen voneinander ab. Und § 28 gilt seinem Wortlaut nach für Stehplätze auf Stufenreihen. Eine allgemeine Pflicht, ab 5.000 Besuchern Wellenbrecher zu stellen, enthält die Musterverordnung nicht; diese Zahl steht in mehreren Ratgebern und lässt sich am Verordnungstext nicht belegen. Für mobile Absperrungen auf ebener Fläche, den Normalfall eines Festivals, gibt es keine unmittelbare Bemessungsvorschrift.
Welche Absperrsysteme Druck standhalten
Nicht jedes Bauteil, das eine Linie zieht, hält auch Personendruck aus. Der Unterschied liegt in der Verankerung und darin, wie die Horizontallast in den Boden geht. Die Übersicht trennt Lenkung von Lastaufnahme.
| System | Wofür es gebaut ist | Verhalten unter Personendruck |
|---|---|---|
| Personenleitsystem aus Pfosten, Gurten und Ketten | Wegweisung in ruhigen Warteflächen | hält Personendruck nicht stand, kippt oder reißt aus |
| Absperrgitter, häufig Polizeigitter genannt | Linien an Engstellen, Einlässen und Wegrändern | begrenzt und lenkt, für gerichteten Druck nicht vorgesehen |
| Bühnengitter und Wellenbrecher | Segmentierung der Fläche vor der Bühne | nimmt Druck auf und unterbricht die Wellenbildung |
| Bühnenbarrikade, etwa MOJO Barriers | Frontlinie am Bühnengraben | für Horizontallast ausgelegt, das gerade Modul G3 nach Herstellerangabe bis 5 kN/m (TÜV NORD) |
| Bauzaun | Perimeter und Sichtschutz | Standsicherheit gegen Wind, nicht gegen Menschen |
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Die Zeilen eins und zwei sind der häufigste Planungsfehler: Ein Gitter, das für die Warteschlange richtig ist, steht drei Meter weiter dort, wo es Personendruck aufnehmen müsste. Für druckbelastete Linien liefert MOJO Bühnengitter und Wellenbrecher für den Front-of-Stage-Bereich, für Lenkungslinien Absperrgitter zur Lenkung von Besucherströmen und für die Bühnenkante Bühnenbarrikaden, die dem Druck an der Bühnenkante standhalten. Das Gesamtsortiment der Absperrsysteme reicht bis zur Personenvereinzelung.
Wenn die Absperrung selbst eine Druckzone erzeugt
Absperrtechnik entlastet eine Druckzone nur, wenn hinter jeder Absperrlinie eine Ausweichfläche liegt. Eine geschlossene Gitterführung ohne Abfluss erzeugt selbst eine. Dieser Fall steht in kaum einem Ratgeber, weil er beim Aufbau sichtbar wird und nicht in der Produktbeschreibung.
- Der Riegel quer zur Laufrichtung. Eine Gitterlinie, die den Hauptstrom schneidet, staut ihn. Der Stau steht dann dort, wo vorher nichts war.
- Die Sackgasse. Zwei Linien laufen aufeinander zu und treffen sich ohne Öffnung. Wer vorn steht, kann nicht zurück, weil hinten nachgeschoben wird.
- Die Schleuse ohne Rückstaufläche. Ein Durchlass, vor dem kein Platz zum Warten ist, verlegt den Druck auf den Zuweg.
- Die Gasse ohne Ausgang. Ein Korridor zwischen zwei Gitterlinien wirkt nur, wenn er an beiden Enden begehbar bleibt. Ist ein Ende zugestellt, wird aus dem Entlastungsweg eine Falle.
- Die verschobene Linie. Gitter wandern über den Abend, wenn sie nicht verankert sind. Eine Linie, die 40 Zentimeter nachgibt, verliert ihre geplante Gassenbreite.
Der letzte Punkt ist der Grund, warum MOJO die Absperrtechnik nicht nur vermietet. Beim Rückbau zeigen Verankerungspunkte und Bodenbelag, wo eine Linie über den Abend gearbeitet hat. Wer Absperrtechnik inklusive Planung, Aufbau und Rückbau bestellt, bekommt diese Beobachtung in die nächste Planung zurück.
Eine Druckzone im Betrieb erkennen und entlasten
Eine entstehende Druckzone kündigt sich an. Sichtbar wird sie am Verhalten, nicht an einer Zahl: Die Menge bewegt sich in Wellen statt in Schritten, Arme gehen hoch, um Platz zu schaffen, einzelne Besucher rufen nach vorn. Der Ordnungsdienst in der Gasse sieht diese Zeichen zuerst, weil er den Gesichtern zugewandt steht.
- Melden mit Ort. Die Meldung nennt den Abschnitt der Absperrlinie, nicht „vorne links“. Nummerierte Gitterfelder machen das in zwei Sekunden möglich.
- Nachschub stoppen. Zuerst den Zufluss drosseln, erst dann an der Zone selbst arbeiten. Solange von hinten nachrückt, hilft kein Eingriff vorn.
- Abfluss öffnen. Eine vorbereitete Gitteröffnung freigeben und Personal davorstellen, das die Richtung zeigt. Eine Öffnung ohne Personal wird übersehen.
- Von vorn entnehmen. Die vordersten Reihen über die Gasse herausnehmen und versorgen. Das entlastet die Linie unmittelbar.
- Ansage von der Bühne. Eine Ansage der auftretenden Künstler wirkt schneller als jede Durchsage vom Front of House. Sie gehört vorher abgesprochen.
- Nachher eintragen. Ort, Uhrzeit und Auslöser in die Dokumentation. Eine Druckzone, die einmal aufgetreten ist, tritt an derselben Stelle wieder auf.
Die Schritte 3 und 4 setzen voraus, dass die Öffnungen beim Aufbau geplant wurden. Ein Gitterfeld aus einer belasteten Linie zu ziehen, ist im laufenden Betrieb nicht möglich.
Häufige Fragen
Eine Druckzone ist der örtlich begrenzte Bereich einer Veranstaltungsfläche, in dem sich Personendichte und gerichtete Bewegung so überlagern, dass Menschen Kraft aufeinander übertragen statt sich frei zu bewegen. Der Begriff bezeichnet einen Ort auf der Fläche, nicht eine Messgröße und nicht die planerische Disziplin dahinter.
- an der Frontlinie vor der Bühne, wo die Bewegung an einem festen Bauteil endet
- an Verjüngungen, an denen eine breite Fläche auf einen schmalen Durchlass zuläuft
- an Kreuzungen zweier Besucherströme mit unterschiedlicher Richtung
- in toten Ecken von Gitter- und Bauzaunverläufen ohne Öffnung
- im Rückstau vor Einlassschleusen und Kontrollstellen
- an festen Hindernissen mitten im Strom, etwa Türmen und Sockeln
- Den Ort melden, mit Bezug auf ein nummeriertes Gitterfeld.
- Den Zufluss von hinten drosseln, bevor vorn eingegriffen wird.
- Eine vorbereitete Gitteröffnung freigeben und mit Personal besetzen.
- Die vordersten Reihen über die Gasse herausnehmen.
- Eine abgesprochene Ansage von der Bühne auslösen.
- Ort, Zeit und Auslöser dokumentieren.
| Bauteil | Aufgabe | Eignung bei Personendruck |
|---|---|---|
| Absperrgitter | Linien an Engstellen und Einlässen, Lenkung | begrenzt, nicht für gerichteten Druck vorgesehen |
| Wellenbrecher und Bühnengitter | Segmentierung der Fläche vor der Bühne | nimmt Druck auf, unterbricht die Wellenbildung |
| Bühnenbarrikade | Frontlinie am Bühnengraben | für Horizontallast ausgelegt, höchste Belastbarkeit |
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Gefährlich wird es, sobald einzelne Besucher ihre Standposition nicht mehr selbst wählen können und die Menge sich in Wellen bewegt. Die zugehörigen Schwellenwerte in Personen je Quadratmeter stehen auf der Seite Personendichte.
Verwandte Begriffe
Fachliche Grundlagen
- Muster-Versammlungsstättenverordnung (MVStättVO), Fachkommission Bauaufsicht der ARGEBAU: § 28 Wellenbrecher, § 29 Abschrankung von Stehplätzen vor Szenenflächen. Musterrecht ohne eigene Rechtskraft; verbindlich ist die Verordnung des jeweiligen Bundeslandes.
- John J. Fruin: The Causes and Prevention of Crowd Disasters. Vorgetragen auf der First International Conference on Engineering for Crowd Safety, London, März 1993. Quelle des Modells FIST (Force, Information, Space, Time).
- G. Keith Still: DIM-ICE als Phasenmodell für Einlass, Aufenthalt und Auslass.
- vfdb-Merkblatt MB 13/02 „Sperren und Gitter“, Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes.
- Technischer Bericht TB 13/01 „Großveranstaltungen“, Ministerium des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen.
- Belastbarkeit des geraden Moduls G3 bis 5 kN/m: Herstellerangabe Mojo Barriers, geprüft durch TÜV NORD.