Bühnengraben
Zwischen Bühnenkante und erster Barriere liegt ein Streifen, den kein Besucher betritt. Er trägt die Sicherheit der ersten Publikumsreihen und den halben Ablauf einer Show.
Der Bühnengraben ist der abgesperrte Streifen zwischen Bühnenkante und vorderster Publikumsbarriere. Er ist Arbeitsfläche und zählt nicht zur Publikumsfläche. Dort steht der Ordnungsdienst, dort fotografieren akkreditierte Fotografen die ersten Lieder, dort übernimmt der Sanitätsdienst Besucher, die aus dem Publikum herausgehoben werden. Wie breit der Graben wird, entscheidet der Ablauf darin. Welche Barriere ihn begrenzt, entscheidet der Druck aus dem Publikum.
Was ist ein Bühnengraben?
Ein Bühnengraben ist der abgesperrte Gang zwischen der Bühnenkante und der vordersten Publikumsbarriere bei einem Konzert. Er trennt die Bühne vom andrängenden Publikum und dient als Arbeitsfläche für Ordnungsdienst, Sanitätsdienst und akkreditierte Fotografen. Zur Besucherfläche zählt er nicht, und Besucher betreten ihn nicht.
Der Name führt in die Irre, denn niemand hebt hier etwas aus. Der Graben liegt auf demselben Niveau wie die Publikumsfläche und entsteht allein durch die Barrierenlinie davor. Genau dort setzt das Publikum bei einem vollen Konzert den höchsten Druck ab, und genau dort steht die Reihe, die als Erste Hilfe braucht. Wer den Streifen als Restfläche behandelt, verliert den Zugriff auf die ersten Reihen, und der Abstand zwischen Publikum und Künstlern schrumpft auf die Barriere zusammen. Verwandte Begriffe rund um Bühne, Fläche und Publikum sammelt das Glossar von A bis Z.
Wie der Bühnengraben aufgebaut ist und wie breit er wird
Die Geometrie wiederholt sich bei fast jedem Konzert: vorn die Bühnenkante, hinten eine durchgehende Linie aus Publikumsbarrieren, dazwischen ein freier Gang über die gesamte Bühnenbreite. Die Barrierenlinie läuft meist im flachen Bogen, damit der Druck aus der Mitte des Publikums zu den Seiten abfließt und nicht auf einen Punkt trifft.
Die Breite folgt dem Arbeitsablauf im Graben, nicht der Bühnenoptik. Vier Dinge brauchen darin Platz: die Reihe der Fotografen unmittelbar an der Barriere, der Weg des Ordnungsdienstes hinter ihnen, die Trage des Sanitätsdienstes und der Raum, den zwei Ordner benötigen, um einen Besucher über die Barriere zu heben. Für die Breite kursiert die Angabe von etwa einem Meter, ohne dass eine Norm oder ein beschriebener Ablauf sie stützt. Rechnen Sie stattdessen von diesen vier Vorgängen her. Bei einem Bühnensteg oder vorgezogenen Bühnenpodesten wächst das Maß, weil die Barriere dem Vorbau folgen muss.
Wie heißt der Bereich vor der Bühne?
Bühnengraben heißt der Bereich zwischen Bühne und Publikum im Sprachgebrauch der Veranstaltungstechnik. Je nachdem, wer darin steht, sagt die Branche auch Fotograben oder Securitygraben. Gemeint ist dieselbe Fläche.
- Bühnengraben ist die neutrale Bezeichnung und die Form, die in Ablaufplänen und Aufbauzeichnungen steht.
- Fotograben meint denselben Streifen aus Sicht der Bildberichterstattung, meist für die ersten Lieder.
- Securitygraben oder Grabendienst bezeichnet die Fläche über die Aufgabe des Ordnungsdienstes.
- Vorbühnengraben taucht in Sicherheitsunterlagen auf, wenn vor der Bühne zusätzlich Wellenbrecher stehen. Der Zusammenhang von Barriere und Druckverteilung gehört ins Sicherheitskonzept.
- Babygraben ist Jargon für einen zweiten, ruhigeren Bereich hinter dem eigentlichen Graben. Der Ausdruck wird uneinheitlich benutzt und gehört nicht in Planungsunterlagen.
- Orchestergraben ist etwas anderes: die abgesenkte Fläche vor einer Theaterbühne, in der Musiker spielen. Beide Begriffe zu vermischen, führt bei der Materialbestellung direkt in die falsche Bauart.
Wer im Bühnengraben arbeitet
Im Graben arbeiten zwei Gruppen mit verschiedenem Auftrag und verschiedener Zugangsregel: der Ordnungsdienst über das gesamte Konzert hinweg, akkreditierte Fotografen für einen fest umrissenen Zeitraum. Dazu kommen weitere Rollen, die den Graben nur kurz und mit Anlass betreten.
- Ordnungsdienst. Dauerhaft im Graben, mit Blick zum Publikum. Zahl und Führung des Ordnungsdienstes legt der Betreiber im Sicherheitskonzept fest; § 43 MVStättVO verlangt beides, sobald die Art der Veranstaltung es erfordert.
- Akkreditierte Fotografen. Zeitlich begrenzter Zugang mit Pass, danach verlassen sie den Graben.
- Sanitätsdienst. Übernimmt Verletzte an einer vorher festgelegten Stelle und trägt sie aus dem Graben heraus.
- Bühnentechnik. Kurze Einsätze an der Bühnenkante, etwa an Monitoren, Kabeln oder einer verrutschten Abdeckung.
- Kamerateams. Feste Positionen, häufig auf einem eigenen Podest am Rand, damit sie den Weg nicht blockieren.
- Tourpersonal der Künstler. Die Begleitung der Band bewegt sich an der Bühnenkante, nicht im Arbeitsweg des Ordnungsdienstes.
Was der Ordnungsdienst im Graben tut
Der Ordnungsdienst beobachtet das Publikum, greift ein, bevor Druck zum Problem wird, und hält den Weg entlang der Barriere frei. Sein Blick geht zum Publikum, nicht zu den Künstlern. Das Konzert interessiert ihn nur insoweit, als es die ersten Reihen bewegt.
- Gesichter der ersten Reihen beobachten und Erschöpfung früh erkennen.
- Crowd-Surfer an der Barriere abfangen und im Graben absetzen.
- Besucher über die Barriere heben und an den Sanitätsdienst übergeben.
- Wasser an die vorderen Reihen reichen, besonders bei Hitze.
- Die Künstler auf der Bühne abschirmen, wenn jemand über die Barriere steigt.
- Den Druckaufbau an die Einsatzleitung melden. Was daraus folgt, regelt das Crowd Management bis hin zum Showstop.
Publikumsbarriere, Absperrgitter oder Bauzaun?
Nur die Publikumsbarriere hält den Bühnengraben. Absperrgitter und Bauzaun trennen Wege und Flächen, nehmen aber kein Publikumsgewicht auf. Umgangssprachlich meinen viele damit dasselbe Bauteil; in der Planung sind es verschiedene Bauarten mit verschiedenen Aufgaben.
| Bauart | Aufgabe | Am Bühnengraben |
|---|---|---|
| Publikumsbarriere (Bühnengitter) | Nimmt Druck aus dem Publikum auf, steht mit Fußplatte im Publikumsbereich, Trittstufe zum Graben hin | Bildet die Grabenlinie |
| Absperrgitter (Steckgitter) | Führt Wege und trennt Flächen ohne Publikumsdruck | Nur im Rückraum, nie als Frontlinie |
| Bauzaun | Sichert die Geländegrenze und dient als Sichtschutz | Nicht geeignet |
| Wellenbrecher | Teilt die Publikumsfläche vor dem Graben und senkt den Druck auf die Frontlinie | Steht davor, nicht darin |
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Für Abschrankungen in Zuschaueranlagen gilt DIN EN 13200-3 (Ausgabe 2018-12); Theater, Opern- und Kinosäle nimmt diese Norm ausdrücklich aus, was die Trennung zum Orchestergraben auch normativ nachvollzieht. Bei der Bauart entscheidet die erwartete Last: Bühnengitter aus Aluminium gehen schnell in den Aufbau, Bühnengitter aus Stahl tragen hohen Publikumsdruck und gleichen Gefälle aus. Die Standsicherheit der Linie hängt am Untergrund: Auf weicher Wiese verhält sich dieselbe Barriere anders als auf Pflaster.
Der Bühnengraben in der Aufbau- und Flächenplanung
Der Graben wird früh geplant und spät gebaut. In der Flächenplanung steht er schon, wenn die Bühne gesetzt wird, denn er verschiebt die gesamte Publikumsfläche nach hinten und verändert damit die Kapazität. Gebaut wird er kurz vor Einlass, weil die Barrierenlinie sonst jeden Transportweg quer über das Feld abschneidet.
- Standort der Bühne und Verlauf der Barrierenlinie festlegen, Publikumsfläche danach bemessen.
- Untergrund prüfen und, wo nötig, im Bodenschutzkonzept einen tragfähigen Belag für den Graben vorsehen.
- Kabelwege festlegen und die Linie dort mit Kabeldurchlass-Elementen kreuzen, statt Kabel über die Fußplatten zu legen.
- Türen und Schleusen an beiden Enden einplanen und an einen Fluchtweg anbinden. Ein Bühnengraben ohne eigenen Zu- und Abgang ist eine Sackgasse.
- Sanitätsposition und Übergabestelle festlegen, dazu den Weg von dort in den rückwärtigen Bereich.
- Wellenbrecher und Frontbarriere zuletzt stellen. Diese Reihenfolge gehört in die Eventlogistik, weil die Linie danach den Materialfluss unterbricht.
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Betrieb im Graben: Zugang und Etikette
Wer den Graben betritt, hat einen Auftrag und einen Nachweis dafür. Fotografen bekommen eine Akkreditierung, häufig für die ersten drei Lieder ohne Blitz. Diese Drei-Lieder-Regel ist Branchenusus und in Verträgen zwischen Veranstalter und dem Management der Künstler geregelt, keine Norm. Danach verlassen die Fotografen den Graben über den seitlichen Zugang, nicht durch das Publikum.
Im laufenden Betrieb hat der Ordnungsdienst das Sagen. Er weist Positionen zu und räumt den Weg frei, sobald jemand über die Barriere kommt. Fotografen bleiben deshalb an der Barriere und knien, wenn hinter ihnen jemand durchgeht. Nach dem Konzert wird der Graben zuerst wieder zur Arbeitsfläche der Technik, bevor der Abbau der Linie beginnt.
Häufige Fragen
Ein Bühnengraben ist der abgesperrte Gang zwischen Bühnenkante und vorderster Publikumsbarriere. Er dient dem Ordnungsdienst, dem Sanitätsdienst und akkreditierten Fotografen als Arbeitsfläche und zählt nicht zur Publikumsfläche. Abgesenkt ist er nicht: Der Graben entsteht allein durch die Barrierenlinie vor der Bühne.
Bühnengraben, im Jargon auch Fotograben oder Securitygraben. Gemeint ist die abgesperrte Fläche zwischen Bühne und erster Barriere. Der Publikumsbereich unmittelbar dahinter heißt umgangssprachlich Front Row oder Pit und ist ausdrücklich etwas anderes.
- Der Ordnungsdienst, über die gesamte Veranstaltung hinweg.
- Akkreditierte Fotografen, zeitlich begrenzt und mit Pass.
- Der Sanitätsdienst, zur Übernahme von Verletzten.
- Bühnentechnik und Kamerateams mit konkretem Auftrag.
- Besucher nicht, auch nicht kurzzeitig.
| Merkmal | Bühnengraben | Orchestergraben |
|---|---|---|
| Lage | Ebenerdig zwischen Bühnenkante und Publikumsbarriere | Abgesenkt vor der Bühne im Theater oder Opernhaus |
| Zweck | Arbeitsfläche für Ordnungsdienst, Sanitätsdienst und Fotografen | Spielort für Musiker während einer Aufführung |
| Wer hält sich dort auf | Ordnungsdienst, Fotografen, Sanitätsdienst | Orchester und Dirigent |
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- Bühne setzen und den Verlauf der Barrierenlinie abstecken.
- Untergrund vorbereiten und Kabel unter der Linie hindurchführen.
- Publikumsbarriere im Bogen stellen, mit Türen an beiden Enden.
- Zugänge an einen Rettungsweg anbinden und die Sanitätsposition festlegen.
- Freigabe prüfen, erst dann das Publikum einlassen.
Verwandte Begriffe
Fachliche Grundlagen
- DIN EN 13200-3 (Ausgabe 2018-12) — Abschrankungen in Zuschaueranlagen; Theater, Opern- und Kinosäle sind ausdrücklich ausgenommen.
- § 43 MVStättVO — Ordnungsdienst; Zahl und Führung legt der Betreiber im Sicherheitskonzept fest, sobald die Art der Veranstaltung es erfordert.